Geschichte der Halbinsel Strangen : Sommerfrische und Sperrgebiet

Die historische Ansichtskarte zeigt den Damm, mit dem das Ferienparadies eine bessere Verbindung ans Festland erhielt.
Die historische Ansichtskarte zeigt den Damm, mit dem das Ferienparadies eine bessere Verbindung ans Festland erhielt.

Für den Bau eines Damms gab ein Zarrentiner Apotheker ein Vermögen aus

svz.de von
10. Oktober 2018, 11:43 Uhr

Alice Peterich Als im Jahr 1896 die Zarrentiner die Einweihung des festlich geschmückten neuen Bahnhofs erleben, erfährt der Flecken eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Der Anschluss an die auch „Kaiserstrecke“ genannte Eisenbahnlinie Berlin – Hagenow-Land – Bad Oldesloe – Neumünster – Kiel weckt die Ansiedlung mit ihren 1800 Einwohnern aus dem Dornröschenschlaf.

„In der Tat war bis dahin der sehr hübsch am Schaalsee gelegene mecklenburgische Flecken ein vergessener, unbekannter und weltabgeschiedener Platz, von sehr entlegenen Bahnstationen nur schwer und umständlich erreichbar“, weiß der „Fremden-Führer Zarrentin“ im Jahr 1914 zu berichten. Für Handel, Gewerbe und Fremdenverkehr öffnen sich die Tore. Rasch gründen sich neue Unternehmungen: Kartoffelflocken- und Fassfabriken, Baugeschäfte, Sägewerke, Korn- und Viehhandlungen. Ein Gasometer mit Leuchtgasproduktion für die Haushalte, eine Post mit Fernsprecher und eine Molkerei kommen hinzu. Zahlreiche Hotels und Gaststätten werden eröffnet, angenehme Stätten der Erholung, in denen sich Touristen und die Mitglieder von Vereinen zu Speis’ und Trank treffen.

Sie bringen Schwung in den entstehenden Fremdenverkehr des Ortes. Dafür engagiert sich auch Paul Brath, der in Zarrentin eine florierende Apotheke betreibt. Nachdem er die idyllische Halbinsel Strangen erworben hat, plant er dort den Bau einer Kinderheilanstalt. Zunächst entsteht jedoch ein Restaurant mit Fährbetrieb. Allerdings ist seine neue Gaststätte recht umständlich zu erreichen, da der Weg dorthin feucht und morastig ist. Deshalb plant Brath 1911, einen Damm quer durch den Schaalsee anzulegen, der mit einer Länge von 350 Metern die Seepromenade mit der Spitze der Halbinsel verbinden soll. Dieser Damm wird aus Erde und Findlingen aufgeschüttet, Erlen- und Weidenbepflanzungen sorgen für seine Stabilität.

Die Schönheit der Halbinsel ist nun in aller Munde. Reiseführer beschreiben sie als Perle des Schaalsees. Zahlreiche Bildpostkarten kleiner Zarrentiner Verlage bewerben den neuen „Strangendamm“.

Leider entwickelt sich die wunderbare Idee des Apothekers nicht so erfolgversprechend, auch die Idee einer Kinderheilanstalt gibt er auf. Obwohl der neue „Strangendamm“ durch seichte Stellen des Sees projektiert wurde, verschlingt seine Umsetzung Braths Vermögen. Als 1913 ein Blitz in die Gaststätte einschlägt, brennt sie aus, wird total vernichtet. Ein Jahr später muss Brath in den Ersten Weltkrieg ziehen und 1915 stirbt seine Frau. Nichts kann ihn nun in Zarrentin halten. Er verkauft seine Apotheke, die Halbinsel Strangen mit der bereits wieder instandgesetzten Gaststätte und zieht nach Dresden.

1928 erwirbt der Hamburger Gütermakler Dühring das Restaurant und erweitert es durch verschiedene Freizeitangebote. Dazu gehören Bootsvermietungen sowie die Anlage und Unterhaltung von Sport-, Camping- und Kinderspielplätzen. Liegewiesen laden sonnenhungrige Städter ein, die das kühle Wasser des tiefen Sees zum Baden lockt.

Der Strangen entwickelt sich in den 1920er- und 1930er-Jahren zu einem stark frequentierten Erholungszentrum. Familien aus Hamburg, Lübeck und dem Land Schleswig-Holstein verlieben sich in das reizvolle Naturkleinod und erwerben hier schmucke Wochenendgrundstücke direkt am Wasser, legen Zier-und Nutzgärten an. Nicht zu vergessen ist das Niedersächsische Bauernhaus mit Reetdach auf dem Areal Hoher Strangen, dessen Eingangspforte von einem romantischen Rosenbogen geschmückt war. Besucherströme erobern insbesondere an Sonntagen die Halbinsel, sie wird zum ausgesprochenen Freizeitparadies und ist ein besonderes Ausflugsziel für den Luftkurort Zarrentin.

1952 vernichten die militärischen Grenzanlagen der DDR die Existenz des Ferienparadieses. Die östliche Schaalseeregion und der Strangen liegen nun in der Sperrzone und die Stadt Zarrentin wird auf den Landkarten nicht mehr kartographiert.

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