Ludwigsluster Casino-Gesellschaft : Skat, Bier und Illustrierte

Gesellschaftsraum im Hotel de Weimar, dem Sitz der Casino-Gesellschaft
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Gesellschaftsraum im Hotel de Weimar, dem Sitz der Casino-Gesellschaft

Die Ludwigsluster Casino-Gesellschaft diente der Unterhaltung ihrer Mitglieder – im Einklang mit guten Sitten

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04. November 2017, 00:00 Uhr

Die Zugehörigkeit zur gebildeten Klasse und ein unbescholtener Ruf: Das waren Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der Ludwigsluster Casino-Gesellschaft. Diese wurde im Jahre 1831 gegründet, hatte zivilen Charakter und den Zweck, Mitglieder anspruchsvoll zu unterhalten.

Die Gesellschaft hatte ihren Sitz in der Schlossstraße Nr.15 gleich links mit separatem Eingang neben dem Hotel de Weimar. Mitglied konnte jeder Ludwigsluster Einwohner und Auswärtiger werden, der die oben genannten Voraussetzungen erfüllte. Die Mitglieder teilten sich in ordentliche und auswärtige Mitglieder. Die ordentlichen zahlten ein einmaliges Eintrittsgeld von 5 Mark. Der jährliche Beitrag wurde auf 16 Mark festgelegt. Bei Auswärtigen betrugen die Eintrittsgelder 3 Mark und der Jahresbeitrag 8 Mark.

Allen Mitgliedern standen die Casinoräume in den Wintermonaten von 8 Uhr früh, in den Sommermonaten von 7 Uhr früh zur Verfügung. Den Schluss der jeweiligen Veranstaltungen in den Räumen bestimmte der Vorstand zusammen mit dem Wirt.

Dieser Bierkrug erinnert an das einstige Clubleben in der Lindenstadt.
Martens
Dieser Bierkrug erinnert an das einstige Clubleben in der Lindenstadt.

Wie sah es nun mit dem Zeitvertreib aus? Verboten waren das Glücksspielen und das Mitbringen von Hunden. Das Lesen von ausliegenden Büchern, Zeitschriften und Zeitungen war nur in den Räumen der Casino-Gesellschaft erlaubt. Wer dennoch Schriften mitnahm, musste mit einer Geldstrafe rechnen. Mit Genehmigung des Vorstandes konnten jedoch ältere Zeitschriften und Zeitungen, die in den Schränken aufbewahrt wurden, bis zur Dauer von zwei Wochen gegen Quittung entliehen werden.

Das Offizierskorps des 1. Großherzoglichen Mecklenburgischen Dragoner-Regiments Nr.17 gehörte der Casino-Gesellschaft in corpore – also in Gesamtheit – an. Jedes Mitglied hatte das Recht, Gäste in das Gesellschaftslokal einzuführen, musste aber die Verantwortung für das angemessene Benehmen des Gastes übernehmen.

Bei andauernden Verstößen gegen die Satzungen oder durch ein Verhalten, das mit den Anschauungen der Mitglieder der Casino-Gesellschaft über gute Sitte und Anstand in Widerspruch stand, war der Vorstand verpflichtet, den Kommandeur des Regiments oder dessen Stellvertreter zu einer Sitzung einzuladen. Gegebenenfalls hatte der Vorstand dem beanstandeten Mitglied anheimzustellen, seinen Austritt aus der Casino-Gesellschaft binnen dreier Tage dem Vorstand anzuzeigen.

Beschwerden über den Vorstand oder einzelne Mitglieder hinsichtlich ihrer Amtsführung waren für die ordentliche Generalversammlung schriftlich zur Tagesordnung einzureichen. Ein Exemplar der Satzungen musste sich stets in den Casinoräumen befinden.

Das Material für diesen Bericht stammt aus der Hinterlassenschaft des ehemaligen Majors Hans von Bodecker, der als Rittmeister zu Beginn des 1. Weltkrieges mit seiner Eskadron durch falsche Versprechungen völlig unerwartet und unvorbereitet in die Schlacht von Halen verwickelt wurde. Seine Eskadron musste große Verluste an Menschenleben hinnehmen, er selbst geriet verwundet in Gefangenschaft.

In einem handschriftlichen Brief, den er zwei Monate vor seinem Tod verfasste, erläuterte von Bodecker die Entstehung der Ludwigsluster Casino-Gesellschaft bis zu deren Ende. Er schreibt: „Die Verlegung des Regiments von Grabow nach Ludwigslust im Jahre 1840 brachte dem Flecken Ludwigslust einen Zuwachs von 1000 Einwohnern.

Durch den daraus entstandenen Zuwachs von 25 Offizieren ist der zivile Charakter der Casino-Gesellschaft nicht geändert worden. An jedem Mittwoch nach 8 Uhr abends traf man sich im Club, unterhielt sich, spielte Skat oder Schach, trank Bier oder Grog und las in den vielen Jagd-, Sport-, illustrierten- und Tageszeitungen.“ Hans von Bodecker, der viele Jahre dem Vorstand der Casino-Gesellschaft angehörte, berichtete weiter: „Als im letzten Weltkriege die Reichskohlenstelle das Hotel de Weimar beschlagnahmte, musste die Casino-Gesellschaft auch ihre beiden Zimmer räumen. Ich habe alle Möbel, Bücher und Zeitschriften bei verschiedenen Bekannten in der Stadt untergestellt. Durch die spätere Besetzung der Stadt durch Amerikaner und Russen ist leider alles verloren gegangen.“ Er erklärte, dass die Casino-Gesellschaft nie einen militärischen Charakter gehabt und er selbst keiner Nazi-Partei angehört habe, sondern deren scharfer Gegner gewesen sei. So beschreibt von Bodecker am 19. September 1949 das Ende des Bestehens der Ludwigsluster-Casino-Gesellschaft.
 

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