Mecklenburgische Hofoper : Singen war sein Lebenselixier

Eni Kraze kam als junger Heldentenor nach Schwerin.  Repro: Zänger
Eni Kraze kam als junger Heldentenor nach Schwerin. Repro: Zänger

Eni Kraze hatte am Hoftheater in Schwerin mit dem Tamino aus Mozarts „Zauberflöte“ eine Paraderolle

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19. Juni 2018, 10:30 Uhr

Er kam als junger Heldentenor an das Schweriner Hoftheater und sang hier später mit dem Tamino aus Mozarts „Zauberflöte“ seine Glanzpartie: „Eni“ Heinrich Kraze. Der Großherzoglich Mecklenburgische Hofopernsänger wurde am 18. Juni 1874 als Sohn des renommierten Heldenbaritons Heinrich Kraze und der Sängerin Lenke Aglaë geboren. Getauft wurde Eni auf den Namen Heinrich. Um aber Verwechselungen mit seinem Vater auszuschließen, trat er später mit dem Namen Eni vor die Öffentlichkeit.

Vater Heinrich war Großherzoglicher und Königlicher Hofopernsänger, mit seinem Stimmumfang von drei Oktaven gefeiertes Mitglied des Mannheimer Theaters und dem Sohn sicherlich Vorbild für seine Künstlerlaufbahn.

1900, mit 26 Jahren, ging Eni an die Königliche Hofoper in Berlin und war hier als Tenor bis 1903 engagiert. In der Hauptstadt kam es auch zur ersten Begegnung mit seiner späteren Frau Margaret, die am 16. Januar 1871 als Tochter des Musikkritikers und Dichters Josef Gruenstein in Berlin geboren wurde. Schon mit fünf Jahren erhielt Margaret bei bedeutenden Pianisten Klavierunterricht und war im Jahre 1885 bereits selber lehrend und zur Weiterbildung in Berlin erfolgreich tätig. 1896 gründete sie zusammen mit dem Hofpianisten Alfred Sormann in Berlin-Steglitz eine Höhere Schule für Klavierspiel, Violine, Viola-Cello und Gesang, die von ihr nach kurzer Einführungsphase mit großem Erfolg in eigener Verantwortlichkeit weiterentwickelt wurde.

Eni und Margaret heirateten 1901 in Berlin. Margaret gab bald danach ihr Konservatorium auf und ging fortan mit ihrem Mann gemeinsam auf Konzertreisen. Im Jahr 1904 kam Eni Kraze als erster lyrischer Tenor und junger Heldentenor an das Hoftheater in Schwerin. Hier erwarb er sich auch als Oratorien- und Liedersänger einen großen Ruf.

Kraze zeigte sich auch als hervorragender Mozartsänger. Drei Jahre lang war er in Schwerin Bühnenpartner der bekannten Sopranistin Frieda Hempel (1885-1955). Die illustrierte Halbmonatsschrift „Die Musik“, Jahrgang 1905, schreibt: „Mit einer vortrefflichen Aufführung der ,Zauberflöte’ unter Prills Direktion wurde die Spielzeit (1905/06) eingeleitet. Als Königin der Nacht führte sich die neue Koloratursängerin Frl. Hempel aufs Vorteilhafteste ein. In den ,Lustigen Weibern’, ,Rigoletto’, ,Traviata’ und den ,Hugenotten’ sowie in ,Alessandro Stradella’ erzielte auch der lyrische Tenor Heinrich (Eni) Kraze, mit dem sie gemeinsam auftrat, beachtenswerte Erfolge.“ Kraze gab 1914 dem Goldgräber Trin in der drei Jahre nach der Uraufführung an der Metropolitan Opera in New York in Schwerin aufgeführten Puccini-Oper „Das Mädchen aus dem goldenen
Westen“ seine Tenorstimme. Neben dem Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ gehörten Manrico in Verdis „Troubadour“ und der Faust in „Margarete“ von Gounod zu Krazes Schweriner Glanzrollen. Dann aber bereitete eine Allergie seiner Stimme zunehmend Probleme, so dass er sein festes Engagement am Hoftheater im Jahre 1917 beenden musste. Von 1918 bis 1921 war er noch einmal als Spielleiter tätig.

Bei ihrer Übersiedlung nach Schwerin im Jahre 1904 wohnten die Krazes zunächst in der Münzstraße 24, bezogen dann aber bald eine geräumigere Wohnung in der Gustavstraße 25, der heutigen Severinstraße, die Platz für ihre zwei Konzertflügel bot. Als Mitglied des Musikpädagogischen Verbandes Berlin erteilte Margaret hier Klavierunterricht, während Eni sich als Lieder- und Oratoriensänger ein zweites Standbein schuf.

Die nationalsozialistische Machtübernahme brachte für das Ehepaar Kraze eine völlig neue Situation. Margaret Kraze-Gruenstein hatte jüdische Eltern – was allerdings zu ihrem Glück erst sehr spät wahrgenommen wurde. Diese Tatsache brachte beide dennoch in existenzielle Nöte. Um einem Auftrittsverbot zuvorzukommen, hatte sich Eni Kraze beim Landeselektrizitätswerk in der Lohnbuchhaltung eine Anstellung beschafft. Durch diese Tätigkeit und Margarets Einkünfte als Klavierpädagogin war für beide eine bescheidene Existenz möglich. Auf dem Alten Friedhof in Schwerin fanden Eni Kraze, gestorben am 5. Dezember 1956, und Margaret, gestorben am 27. November 1965, ihre letzte Ruhe.

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