zur Navigation springen

Fritz Reuter : Sieben Jahre in Gefangenschaft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fritz Reuter verarbeitete seine Erlebnisse aus der Haftzeit in seinem Werk „Ut mine Festungstid“

Fritz Reuter hatte sich als Burschenschaftler nicht an den Krawallen der Studenten beteiligt. Jedoch allein seine Mitgliedschaft bei der radikalen „Germania“ machte den gebürtigen Mecklenburger in den Augen der preußischen Justiz verdächtig. Am 31. Oktober 1833 wurde er in Berlin verhaftet und verhört. In der Stadtvogtei hatten die Gefangenen nicht einmal einen Strohsack zum Schlafen. Doch das war nur der Anfang einer Odyssee durch mehrere Gefängnisse. In der Festung Silberberg in Schlesien war seine Zelle dunkel, kalt und feucht. Hier am 12. November 1834 eingeliefert, erhielt er erst drei Jahre später das Urteil: Der Student Reuter sei wegen burschenschaftlichen Verbindungen in Jena und wegen Majestätsbeleidigung mit der Einziehung seines Vermögens (er hatte gar keins) zu bestrafen und „mit dem Beil vom Leben zum Tod zu bringen“. Gleichzeitig kam die Begnadigung zu 30 Jahren Festungshaft. Nächster Aufenthalt war Magdeburg, wo sich aufgrund der furchtbaren Haftbedingungen seine Augenprobleme verschlimmerten, er drohte zu erblinden. Am 15. März 1838 wurde er von Magdeburg in die Festung Graudenz verlegt. Der Festungskommandant war Generalmajor von Toll, der ein gewisses Verständnis für die Gefangenen zeigte und für Hafterleichterungen sorgte. So durfte Reuter endlich wieder malen. Sein Vater bemühte sich um seine Verlegung nach Mecklenburg. Er hatte Erfolg. So kam Reuter am 20. Juni 1838 nach Dömitz an der Elbe. Mit dem Kommandanten, Oberstleutnant von Bülow, spielte er Schach, und dessen Töchtern gab er Unterricht in Chemie und Zeichnen. Am 25. August 1840 wurde er entlassen. In „Ut mine Festungstid“ beschreibt er die Schwierigkeiten beim Neuanfang: „Wat was ick? Wat wüsst ick? Wat kunn ick? Rein gor nicks!“ Schließlich wurde er Landwirtschaftslehrling, „Strom“ genannt. Was wiederum in einen Roman mündete. „Ut mine Stromtid“ erschien erstmals 1862 und wurde in viele Sprachen übersetzt.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen