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Denkmalpflege : Sehnsuchtsort Burg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Deutsche Burgenvereinigung engagiert sich für die Erhaltung von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 11:15 Uhr

Stolz auf einem Hügel thronend, mit Zinnen, Bergfried und Fahnen – Burgen sind für viele Menschen Sehnsuchtsorte. Nicht immer sind sie so spektakulär wie aus dem Bilderbuch, deshalb aber noch lange nicht weniger interessant. In Mecklenburg und Vorpommern gibt es viele Relikte aus der Zeit mittelalterlichen Bauens, als mit dem Bauwerk auch der Machtanspruch untermauert wurde. Nicht immer sind sie auf den ersten Blick sichtbar, auf den zweiten dagegen schon: In Lübz zum Beispiel steht ein mittelalterlicher Wehrturm mitten in der Stadt, in Galenbeck in der mecklenburgischen Seenplatte erinnert eine Ruine an raue Zeiten und in Neustadt-Glewe prunkt sogar noch eine richtige Burganlage, die in Mecklenburg zu den am besten erhaltenen zählt. „Natürlich existieren in Mittel- und Süddeutschland heute weit mehr Burgen als im Nordosten“, sagt die Schweriner Architekturhistorikerin Sabine Bock. „Aber auch hierzulande gab es einst eine hohe Burgendichte.“

Sie muss es wissen. Die Denkmalpflegerin engagiert sich seit Jahren in der Deutschen Burgenvereinigung (DBV), leitete viele Jahre die Landesgruppe MV. Ziel des Vereins, dem neben Eigentümern Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche und zahlreiche Interessierte angehören, ist es, historische Wehr- und Wohnbauten zu erhalten. Denn längst gilt die Aufmerksamkeit neben Burgen auch Schlössern und Herrenhäusern, wie es inzwischen die Unterzeile des Vereinsnamens besagt.

Die deutsche Burgenvereinigung ist die älteste überregionale „Bürgerinitiative“ für den Denkmalschutz in Deutschland. Sie wurde 1899 von Hofbaurat Bodo Ebhardt gegründet. Dieser Ebhardt machte sich einen Namen, indem er Burgen restaurierte und teils aus Ruinen wieder aufbaute. Der romantische Historismus war zu dieser Zeit en vogue und auch Kaiser Wilhelm II. war von Ebhardt und dessen Arbeit angetan. Diese Sympathie ging so weit, dass der Monarch dem Architekten die Marksburg am Mittelrhein zum Kauf anbot. Ebhardt schlug ein – und die von ihm gegründete Deutsche Burgenvereinigung erwarb das damals marode Gemäuer für 1000 Mark. Die einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein ist noch heute Eigentum des Vereins, der sie restaurierte und als Museum unterhält.

Natürlich gilt die Aufmerksamkeit der rund 3000 Mitglieder nicht nur der Marksburg. Exkursionen ins In- und Ausland locken, außerdem Tagungen, Vorträge, Ausstellungen. 13 Landesgruppen ermöglichen einen Austausch unter Gleichgesinnten, der dank des Netzwerks vieler Spezialisten fachlich fundiert ist. Ein eigenes Institut – das Europäische Burgeninstitut – bietet Wissenschaftlern eine Plattform für die Erforschung von historischen Wehr- und Wohnbauten. „So stehen wir zum Beispiel vor der Frage: Haben die Menschen wirklich permanent auf den Burgen gelebt? Denn die meisten Adligen hatten auch noch ein Stadthaus“, sagt Sabine Bock. Kein Wunder: So romantisch die Burgen heute auch erscheinen, so unbequem waren sie: zugig, komfortfrei, militärische Zweckbauten eben.

Wer das Land beherrschen wollte, brauchte die Burg und wenn ein Herzog Vasallen belehnte, machten sich diese daran, ihre Herrschaft zu verteidigen. „Das Netz von Burgen wird dichter, je näher man sich der Grenze oder wichtigen Handelswegen nähert“, sagt Sabine Bock. Sie hat versucht, die Stellen zu restaurieren, an denen es in Mecklenburg-Vorpommern einst Burgen gegeben hat. Das Ergebnis: Im Mittelalter betrug die Entfernung zwischen zwei Burgen nicht mehr als 10 bis 20 Kilometer. Von vielen fehlt heute nur deshalb jede Spur, weil zahlreiche Steine, die einstmals Burgmauern formten, in Herrenhäusern und anderen Wohngebäuden stecken – Recycling eben.

Eine der Burgen, die sich im Laufe des Jahrhunderts immer wieder verändert hat, ist heute die größte Sehenswürdigkeit Schwerins. Als Hausherr im Schloss ist auch der Landtag von MV Mitglied der Deutschen Burgenvereinigung, als einziger Landtag in der Bundesrepublik übrigens. Außerdem gehören zu den rund 30 Mitgliedern in der Landesgruppe verschiedene Vereine, wie der Burgverein Stargard oder der Förderverein der Wasserburg Quilow (Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Letztgenanntes Bauwerk soll jetzt saniert werden: Wirtschaftsminister Harry Glawe übergab Anfang Juni den Fördermittelbescheid. Und die Burgenvereinigung trug durch einen für sie neuen Weg dazu bei, dass der Förderverein, der auch Mitglied in der DBV ist, über die notwendigen Eigenmittel verfügen kann.

Sabine Bock ist inzwischen eines von fünf Vorstandsmitgliedern der Deutschen Burgenvereinigung. Den Vorsitz der Landesgruppe hat Neidhardt Krauß übernommen, und das kleine Mecklenburg-Vorpommern bringt sich bundesweit ein: So holte die Landesgruppe zum Beispiel die Mitgliederversammlung 2009 – verbunden mit verschiedenen Exkursionen – nach Stralsund. Und wenn auch die Burgen in Mecklenburg-Vorpommern dünner gesät sind als anderswo, so gilt das ganz bestimmt nicht für Schlösser und Herrenhäuser: Mehr als 2000 werden hier gezählt.

Aber was macht nun wirklich die Faszination der alten Bauwerke aus? „Burgen regen besonders die Phantasie an. Es war die Romantik, die uns den Sehnsuchtsort Burg beschert hat“, sagt Sabine Bock und fügt hinzu: „Und auch bei Schlössern gucken wir alle gern durchs Schlüsselloch und stellen uns glamouröse Welten vor.“

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