Pfaffenteichterrasse in Schwerin : „Schöne Aussicht mit Kultur“

Flottes Pfaffenteichkonzert im Jahr 1950
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Flottes Pfaffenteichkonzert im Jahr 1950

Pfaffenteichterrasse am Schweriner Südufer ist 110 Jahre alt und Ort zahlreicher Veranstaltungen

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26. November 2015, 09:56 Uhr

Es gibt wohl keinen Schweriner, der nicht schon mal den herrlichen Ausblick am Pfaffenteich genossen oder eine der unzähligen kulturellen Veranstaltungen am einst künstlich angelegten Teich besucht hat.

Alles begann am 19. September 1925. Es war der Tag, an dem Mann und Frau erstmalig hier dem Müßiggang frönen konnten. Eine Steinterrasse mit Windrosenmuster, eine hölzerne Balustrade, dazu Blumenkästen, was will man mehr. Die moderne Pfaffenteichterrasse war geboren. Bis dato ging man höchstens zum Waschpavillon an den Teich. Hier tauschten die Einwohner Neuigkeiten aus, weshalb die Location im Volksmund auch „Klatschzentrale“ hieß.

Doch im Jahr 1924 hatte der umtriebige Gastwirt August Lau das Potenzial des Platzes erkannt. Die Menschen besaßen nun Zeit und Geld für Amüsement, dem ein zweigeschossiger gastronomischer Pavillon Rechnung tragen sollte. Riesige Mengen Erde wurden durch dampfbetriebene Feldbahnen vom Kläterberg und aus Ostorf angefahren. Doch so pfiffig die Idee war, ihre Umsetzung überforderte den Investor. Da saßen unsere Stadtväter nun vor einem riesigen Berg im Schlamm versinkenden Sandes und mussten aus der Not eine Tugend machen. Zunächst wurde im April 1925 das Ufer mit Betonquadern befestigt und im Juni die Terrasse angelegt. Als dann auch noch einen Monat später die Arsenalstraße verbreitert wurde, war alles gut. Damit hatte Schwerin endlich einen zentral gelegenen Festplatz. Erst die ständig wachsende Einwohnerzahl seit Beginn der Industrialisierung, Anfang der 60er Jahre, zwang zu einer Umgestaltung. So wurde von November 1966 bis August 1967 der die DDR Zeit überdauernde Platz geschaffen. Zudem ließ seine jetzige Größe viel Raum für sportliche und politische Veranstaltungen, wie Jugendtanz, Radrennen, Konzerte... für jeden war etwas dabei. Und auch die „Oberen“ ließen sich bejubeln – auf einer Ehrentribüne beim Pfingstreffen der FDJ. Sportlicher Höhepunkt war sicherlich der Sieg von Jan Ullrich, der 1997 im traditionellen Radrennen über 45 Runden um den Pfaffenteich siegte. Es war übrigens das Jahr, in dem er auch die Tour de France gewann.

Doch das DDR-Outfit war mit der Wende überaltert. Es wurde Zeit, sich dem Wasser zu öffnen. Die jetzige Treppenanlage gründeten Bauleute auf 45 Stahlbetonbohrpfählen mit Längen bis zu 22 Metern. Am 2. Mai 1998 konnten die Schweriner ihre neue Terrasse mit einem Treppenfest in Besitz nehmen.  

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