Konsummarken in der DDR : Sammeln, kleben und kassieren

Ein kleiner Konsumladen im Jahr 1957
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Ein kleiner Konsumladen im Jahr 1957

Konsummarken lösten bei DDR-Bürgern eine wahre Sammelleidenschaft aus

svz.de von
12. Mai 2018, 00:00 Uhr

Rabattmarken waren schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Mittel zur Kundenbindung. Es gab sie als selbstklebende Papiermarken oder als Aluminium-Chips.

Während in der alten Bundesrepublik Rabattmarken in den 1970er-Jahren allmählich verschwanden, entwickelten die Menschen diesseits der Elbe beim Einkleben von Konsummarken eine wahre Sammelleidenschaft. In der DDR gab es nur ein Rabattsystem und das hatte die Konsum-Genossenschaft, kurz „Konsum“ genannt. Durch Zahlung einer Mitgliedsgebühr konnten Konsum-Kunden einen Anteil der Gesellschaft erwerben. Anschließend waren sie berechtigt, für jeden Einkauf Rabattmarken zu erhalten, deren Wert einmal jährlich bar ausgezahlt wurde.

Typische Konsummarken
Typische Konsummarken

Lisa Harms, geborene Klink aus Heiddorf, erinnert sich, dass sie als damalige Leiterin der Jugendverkaufsstelle bis 1953 die Vergütungen der Genossenschaftsmitglieder noch nach Feierabend über die Kassenbons errechnen musste. Das war sehr mühselig und die sich daraus ergebenden Klagen erreichten schließlich auch den Konsum-Vorstand. Dieser ließ im gleichen Jahr zunächst lokale Klebemarken zum schnelleren Verrechnen der Rückvergütung für mehrere mitgliederstarke Genossenschaften ausgeben.

Mit dem 1. Januar 1954 kamen dann Umsatzwertmarkenhefte und Umsatzwertmarken im Wert von 20 Pfennig, 1 DM, 5 DM und 20 DM in Umlauf, die farblich regional verschieden mit Zahlen- oder Buchstabenkennungen versehen waren.

Einheitliche Umsatzwertmarken für die gesamte DDR kamen dann ab 1956 zum Einsatz und blieben bis zum Ende des Systems fast unverändert in Gebrauch. Von 1956 bis 1964 waren sie noch mit der Währungsbezeichnung „DM“ und von 1965 bis 1968 mit der Abkürzung „MDN“ (Mark Deutscher Notenbank) bedruckt. Ab 1968 zierte sie nach der seinerzeit eingeführten Mark der DDR das „M“. Eine weitere Änderung folgte um 1975, als die 10-Mark-Marke den Wert zu 20 Mark ablöste, während die 20-Pfennig-Marken gänzlich verschwanden.

Da die Rabattmarken nur Mitglieder der Konsumgenossenschaft erhielten, war in den meisten Haushalten mindestens ein Familienangehöriger Mitglied. Zum Jahresende hin zahlte der Konsum schließlich die Rückvergütung auf die durch die Kunden getätigten Umsätze. Das bedeutete, dass in den meisten Familien kurz vor dem Abgabetermin ein „Klebeabend“ angesagt war.

Selbst erinnert sich der Autor, dass bei dieser Tätigkeit auch die „reifen“ Kinder zu einem Großeinsatz gerufen wurden. Das war immer eine aufregende Beschäftigung, denn hunderte Konsummarken, die sich im Laufe des Jahres angesammelt hatten, mussten selbstverständlich unter Aufsicht der Mutter nach Werten sortiert in das bereitliegende gelbe A-6-Marken-Heftchen eingeklebt werden. Jedes der Kinder wollte gern die langen Reihen-Marken einkleben. Mühevoll gestaltete sich zum Ende das Einkleben der Einzelmarken. Für die häufig angefallenen Einer und Fünfer brauchte man meist noch zusätzliche Blätter, die ganz hinten in das Markenheftchen lose eingelegt wurden. Hatte die durchschnittliche Jahresvergütung pro Mitglied 1956 nur 30 Mark betragen, so war die Kaufkraft bis 1980 auf bis zu 100 Mark gestiegen, so dass zusätzlich eine 50-Mark-Umsatzwertmarke ausgegeben werden musste.

Die mit den Rabattmarken nachgewiesenen Umsätze wurden im zuständigen Konsum-Geschäft abgegeben und von dort an die Konsumzentralen weitergereicht. Nach der Überprüfung erhielt das Konsummitglied zu einem zuvor bekannt gegebenen Termin in „seiner Verkaufseinrichtung“ eine Rückvergütung ausgezahlt.

Die Höhe der Rückerstattung war regional verschieden und betrug etwa 1,5 bis 1,8 Prozent vom Umsatz. Diese Rückerstattung war für jeden Haushalt eine willkommene Zusatzeinnahme und ermöglichte unter Einrechnung des jährlich zu zahlenden Genossenschaftsbeitrages in Höhe von 50 Mark oftmals die Erfüllung eines langersehnten Wunsches.

Im Jahr 1989 machten übrigens noch 4,6 Millionen Konsummitglieder von dieser Art der Rabattgewährung Gebrauch.
 

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