Rückblick auf 65 Jahre Rügen-Radio : Rügen-Radio sendete emsig Angehörigen-Grüße an Seeleute

Rügenradio mit der Empfangsstelle Glowe, 1990
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Rügenradio mit der Empfangsstelle Glowe, 1990

Küstenfunkstelle blieb bis in die 1990er Jahre leistungsstark

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26. November 2015, 10:50 Uhr

Die Küstenfunkstelle Rügen-Radio war 1932 nach Verlegung einer Betriebsstelle von Swinemünde auf die Insel Rügen in Betrieb genommen worden. Die Empfangsstelle wurde in Glowe, die Sendestelle in Lohme errichtet. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitete Rügen-Radio nur auf Mittelwelle (410-535 kHz) und auf der Grenzwelle (1,3 MHz). Die Kriegsmarine führte bis 1945 von Glowe aus Funkaufklärung durch, in den letzten Kriegstagen kam der Befehl, alle Dienstgebäude und technischen Anlagen in Glowe und Lohme zu sprengen. Erhalten blieb nur das Wohnhaus der Beamten.

Mit der Indienststellung der ersten Fischkutter im Fischkombinat Saßnitz im Jahr 1949 musste wieder eine
Küstenfunkstelle betrieben werden. Das Fischkombinat strebte eine eigene Küstenfunkstelle an. Die damalige Hauptverwaltung Funk der Deutschen Post der DDR entschied sich jedoch für den Verbleib des Funkmonopols bei der Post. Den Anfang machte ein Grenzwellen-Sender in Lohme im September 1949. 1950 kam der Empfangsplatz im ehemaligen Beamten-Haus in Glowe dazu.
Anfang der 50er-Jahre entstanden neue Dienstgebäude und Antennenanlagen an beiden Orten. Seit 1953 besteht das eigenständige Funkamt Rügen-Radio. Im selben Jahr gab es erstmals Funkverkehr auf Kurzwelle, 1964 gelang der Aufbau einer UKW-Sprechfunkanlage für die Schifffahrt im Nahbereich.

Einmal im Monat grüßten Angehörige ihre Seeleute auf großer Fahrt aus dem Funkhaus Rostock über die Antennen von Rügen-Radio. Bis in die 1980er-Jahre hinein wurde Rügen-Radio zu einem leistungsfähigen Funkamt des Küstenfunkdienstes in allen Dienstzweigen des terrestrischen Küstenfunks ausgebaut. Die Spitzenwerte lagen bei 280 000 Funktelegrammen im Jahr, mit über 200 Mitarbeitern und 700 Verbindungen zu den auf allen Meeren fahrenden DDR-Schiffen. Rügen-Radio konnte zu dieser Zeit mit allen anderen Küstenfunkstellen in Europa konkurrieren.

Nach der Wende erfolgte, um die einheitliche Führung aller deutschen Küstenfunkstellen zu sichern, im Jahr 1990 die Eingliederung in die Deutsche Bundespost/Telekom und fachliche Zuordnung zum Funkamt 6 Hamburg. Verbunden war damit die Eingliederung von Rügen Radio in ein Gesamtkonzept zur Entwicklung der deutschen Küstenfunkstellen. Heute ist die Entwicklung im Seefunk geprägt durch den Satellitenseefunk im Weitverkehr (Wegfall der Kurzwelle) und den Ausbau der Mobilfunknetze entlang der Küsten sowie den Verkehrsrückgang infolge der Reduzierung der Besatzungsstärken.

Das führte zum Rückgang bei allen deutschen Küstenfunkstellen. Rügen-Radio stellte 1992 den Kurzwellenbetrieb ein, am 31. Dezember
1993 folgte die Einstellung des Mittelwellenbetriebes (Seenotfunkdienst). In den Jahren 1993 bis 1995 wurden aufgrund des Gesamtkonzepts Küstenfunk noch umfangreiche Sanierungen der Gebäude und technischen Anlagen in Glowe und Lohme durchgeführt. Rügen-Radio übernahm am 1. Januar 1995 die Dienste der Küstenfunkstelle Kiel-Radio – Kiel-Radio wurde daraufhin geschlossen). Glowe bediente das gesamte UKW-Netz Ostsee mit Rügen-Radio, Arkona-Radio, Fischland-Radio, Rostock-Radio, Lübeck-Radio, Kiel-Radio und Flensburg-Radio.

Die Verkehrsrückgänge konnten nicht aufgehalten werden und führten am 31. Januar 1997 zur Schließung der Betriebszentrale Glowe und zur Verlagerung des UKW-Netzes Ostsee nach Norddeich-Radio. Das war das endgültige Aus für Radio Rügen.
 

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