Das Leben des Erich Bentrup : Reutergeld, Kino und ein übergroßes Gutshaus

Bentrup-Grab Fotos: Stender
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Bentrup-Grab Fotos: Stender

Erich Bentrup gehörte in Schwerin zu den gefragten Architekten. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof

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08. März 2016, 09:10 Uhr

Mitte der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts bezog der Architekt Erich Bentrup sein Haus in der Schweriner Robert-Koch-Straße. Die Skulptur einer Putte an der Fassade ist Sinnbild für den Bewohner: In der einen Hand hält der Knabe einige Bögen Papier, in der anderen einen Zirkel. Zu seinen Füßen steht das Modell eines Säulengebäudes.

Der Name des Architekten ist heute allerdings wenigen bekannt, seine Bauwerke sind es umso mehr. 1891 in Aachen geboren, ließ sich Erich Bentrup 1921 als Architekt in Schwerin nieder. Man muss schnell auf ihn aufmerksam geworden sein, denn nur so ist es zu verstehen, dass er zu den fünf Auserwählten gehörte, die Anfang der 1920er Jahre mit der Gestaltung des so genannten „Reutergeldes“ beauftragt wurden. Für zwölf Städte in Mecklenburg lieferte er Entwürfe für das inflationsbedingte Notgeld. Sie zeigen zumeist ortstypische Gebäude. Charakteristisch für Bentrup sind die Rahmen, die er in expressionistischer Manier um seine Motive zog. Ein solches Dekor verwendete er auch bei der 1927 erneuerten Fassade des Zigarrenhauses Preussler in der Schweriner Friedrichstraße 6. Die ausdrucksstarken Stuckornamente auf blauem Grund verfehlten nicht ihre Wirkung auf die Vorübergehenden. So erfüllte die Fassade auch eine Werbefunktion für das heute noch existierende Fachgeschäft für Tabakwaren.

Im Jahre 1933 wechselte der Zeitstrom seine Richtung. Die Moderne galt in Deutschland nichts mehr. Andere Bauherren bestimmten den Trend. Deren Vorliebe für konventionelle Bauformen und Baumaterialien musste ein Architekt zwar nicht teilen, konnte sich aber den Wünschen der Auftraggeber nicht entziehen. Erich Bentrup versuchte, sich mit Anstand anzupassen. Als 1936 das Filmtheater „Capitol“ in Schwerin gekonnt eine Baulücke füllte, trug es seine Handschrift. Auf den ersten Blick glaubt man kaum, dass sich hinter der bescheiden wirkenden Backsteinfassade das seinerzeit modernste Kino Deutschlands verbirgt. Der große Kinosaal mit seinem eleganten Beleuchtungsoval als Teil einer freitragenden Decke spricht auch heute noch die Besucher an.

Nach dem Ende des Dritten Reiches konnte Bentrup sein Büro weiterführen. Der Zeitstrom änderte erneut seine Laufrichtung. Neue architektonische Impulse waren im östlichen Teil Deutschlands nicht zu erwarten. Angesagt war nun ein sozialistischer Neoklassizismus. In diesem Stil entwarf Bentrup ein monumentales Kulturhaus für das sozialistische Musterdorf Mestlin. Mit seinem Walmdach erinnert es, abgesehen vom mächtigen Bauvolumen, an ein wohlproportioniertes mecklenburgisches Gutshaus.

Erich Bentrup ruht seit 1968 auf dem Alten Friedhof in Schwerin. Der Förderverein Alter Friedhof hat sich seines Grabes angenommen und pflegt damit auch das Andenken an einen vielseitigen Architekten. Die Grabstelle befindet sich hinter der Kreuzung Neuer Weg/Birkenweg auf der linken Seite zum Grimke See.  

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