Friedrich August Rudloff : Regierungsrat schreibt Geschichte

Eine Liste aller Besteller des Handbuchs – der so genannten Subscribenten – ist dem Band vorangestellt.
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Eine Liste aller Besteller des Handbuchs, der so genannten Subscribenten, ist dem Band vorangestellt.

Friedrich August Rudloffs Handbuch zur Historie Mecklenburgs bestellten mehr als 800 Personen. Die Liste ist ein Spiegel ihrer Zeit.

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01. Dezember 2017, 11:01 Uhr

Wer im Besitz der drei Teile des „Pragmatischen Handbuchs der Mecklenburgischen Geschichte“ ist, kann sich über eine vollständige Ausgabe der zwischen 1780 und 1824 erschienenen Bücher freuen. Dennoch bleibt es als Gesamtwerk ein Fragment: Teil drei endet bei der Jahreszahl 1621, dem Jahr der Güstrower Landesteilung, und nicht wie versprochen 1775.

Wegen des langen Entstehungszeitraums über eine Dauer von 44 Jahren und wegen der wechselnden Buchdrucker und Verleger sind selten alle drei Teile zusammen anzutreffen. Teil eins erschien 1780 in Schwerin, gedruckt bei dem herzoglichen Hofdrucker Wilhelm Bärensprung. Teil zwei kam in vier Abteilungen im Verlag der Bödnerschen Buchhandlung in Schwerin, Wismar und Bützow heraus. Lange warten mussten die Nutzer auf Teil drei, der erst 1821/22 in der Stillerschen Hofbuchhandlung Rostock und Schwerin veröffentlicht wurde. 1822 starb der Verfasser Friedrich August Rudloff, womit die weitere Herausgabe endete.

Als Sohn eines Gutsbesitzers und Juristen aus Moisall bei Bützow trat Rudloff im Jahre 1774 in den herzoglichen Staatsdienst ein. Im Verlaufe der Jahre verlief seine Karriere vom Steuerrat über den Hofrat und den Geheimen Legationssecretär bis zum „Wirklichen Regierungsrat“. Die Universität Rostock verlieh ihm 1813 den Titel eines juristischen Ehrendoktors. Am 1. September 1817 wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Sein Hauptverdienst dürfte der von ihm geschaffene „Herzoglich-Mecklenburg-Schwerinsche Staatskalender“ sein. Erschienen 1776, war er mehr als 100 Jahre das Amtliche Regierungsblatt des Landes Mecklenburg-Schwerin.

Die von Rudloff verfasste Geschichte Mecklenburgs ist noch heute leicht lesbar. Es ist eine enorme Fleißarbeit, wobei der Rückgriff auf den Fundus aus der Bibliothek des Vaters, der in zehn Bänden Urkunden zur Geschichte Mecklenburgs gesammelt hatte, wohl nicht unerheblich gewesen sein dürfte.

Eine Besonderheit des Werks ist das im ersten Teil von 1780 erschienene Verzeichnis der Subscribenten, also jener, die sich nach dem Erscheinen des Buches zur Abnahme verpflichteten. Aufgeführt sind in dieser Liste mehr als 800 Namen. Davor befindet sich auf einer ersten Seite noch die Widmung für Herzog Friedrich. Dieser wird mit allen Titeln genannt, dazu kommen die Zeilen „Hochergeben ersterbe ich in unverbrüderlicher Verehrung unterthänigst=treugehorsamer Friedrich August Rudloff“.

So nimmt es nicht wunder, dass den acht „Herzoglichen Durchlaucht“ im Verzeichnis der Subscribenten eine Extra-Seite gewidmet ist, um alle herzoglichen und hochfürstlichen Titel aufführen zu können. Die weiteren Personen sind auf 23 Seiten, unterteilt auf 36 Orte, in Kleinbuchstaben aufgeführt. Allerdings gibt es auch hier noch eine Abstufung: Ihre Exzellenzen, der Herr Hofmarschallrat und der Wirkliche Geheime Rat und Kanzlei-Präsident zu Mecklenburg-Strelitz sowie weitere fünf Persönlichkeiten werden mit Titel und jeweils drei Zeilen aufgeführt. Was die anderen betrifft, müssen sich selbst Adlige auf eine einzeilige Stufe mit Bürgermeistern, Advokaten und Predigern stellen.

Aufgeführt sind 36 Bestellorte. Die Mehrzahl mit mehr als 100 Vorbestellungen entfällt auf Schwerin und Rostock. Bützow fällt mit rund 60 Bestellungen aus der Reihe, während aus ähnlichen Kleinstädten wie Malchin, Gnoien oder Gadebusch gerade ein Dutzend Interessenten genannt wurden. Ein Grund dafür ist sicher die Universität Bützow, die von 1760 bis 1789 bestand. Interessant wäre zu erforschen, wie die als Bestellorte aufgeführten Dörfer Grubenhagen, Pritzier und Boitin auf die Liste kamen, da es dort wohl kaum eine Buchhandlung gab. Verständlich sind dagegen die Bestellungen aus dem kleinen Gutsdorf Moisall, ca. zehn Kilometer von Bützow entfernt. Neben der Nähe zur Universität dürfte der Hauptgrund wohl der Wohnsitz der Familie des Verfassers Rudloff gewesen sein. Hier befinden sich unter den 31 Bestellern auch solche aus naheliegenden Dörfern, vielfach sind es Prediger. Dazu kommen Interessenten aus Dassow, Grevesmühlen und Krakow und als Besonderheit ein Herr Willebrandt, Legationsrath und Agent im russischen St. Petersburg.

Die Subscribenten-Aufstellung erlaubt aber auch einen Blick in die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse. In Schwerin und Neustrelitz, den herzoglichen Regierungsorten, erscheint eine Vielzahl von Personen in Staatsdiensten. Angefangen von Hofräten bis zu Geheimen Kanzleiräten über Stallmeister, den Schlosshauptmann bis zum „Pagen-Informator“, worunter man sich wohl einen Ausbilder für „Lehrlinge“ vorstellen kann.
Zwischen all diesen Staatsdienern befindet sich kein einziger Handwerker oder Ackerbürger. So mutet ein Herr Kaufdiener Hinze aus Schwerin wie ein Fremdkörper an – neben 110 Predigern, 50 Doktoren und 25 Advokaten. Außer den drei in Großbuchstaben erwähnten Prinzessinnen sind lediglich vier Frauen verzeichnet.

Übrigens: Ganz vergessen ist der Autor auch heute nicht. Im Personenlexikon „Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern“ von Grete Grewolls findet sich zu ihm ein Vermerk. Die Schweriner Landesbibliothek verwahrt noch eine Reihe von Werken des Verfassers, so auch alle erschienenen Teile des „Pragmatischen Handbuchs der Mecklenburgischen Geschichte“.
 

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