Tabakanbau in Mecklenburg : Plötzlich wird alles anders

Tabak aus Deutschland ist fast frei von Pflanzenschutzmitteln.
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Tabak aus Deutschland ist fast frei von Pflanzenschutzmitteln.

Wie sich die Lage der Tabakanbauer von der Wende bis 2015 verändert

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07. August 2015, 12:00 Uhr

1990 wurde der Tabakpflanzerverband Mecklenburg Vorpommern-Brandenburg mit 3305 Mitgliedern gegründet. Infolge einer geänderten EU-Verordnung entstand 1993 die Erzeugergemeinschaft (EZG) Nordost-Tabak. Durch diesen Zusammenschluss wollten die Erzeuger die Vermarktung ihres Rohtabaks gemeinsam betreiben. Ab 1999 schlossen sich alle Tabakpflanzer der ehemaligen DDR im Verband Ost-Tabak e.V. zusammen.

Der Verband vereinbarte Anbauverträge mit Pflanzern und garantierte den Absatz des Tabaks. Die Marktbedingungen und die Anbaubedingungen veränderten sich mit der Wende völlig. Statt dem bisher angebauten Zigarrentabak Geudertheimer war nun Rohstoff für Zigaretten gefragt. Diese Tabaksorten konnten nicht mehr in der Scheune trocknen. Sie erforderten industrielle Trockenanlagen. Hohe Investitionen wurden notwendig. Die Qualitätsanforderungen veränderten sich. Die traditionelle, gemeinsame Arbeit im Familienverband verschwand auch in Mecklenburg-Vorpommern.

In Sukow und Krakow am See endete der Tabakanbau 1990. Die letzten Eintragungen im grünen Arbeitsbuch des Tabakberaters Friedrich Lindemann aus Plate datieren ebenfalls aus diesem Jahr. Die folgenden Seiten in den alten Arbeitsunterlagen bleiben leer. Die Tabakanbaufläche verringerte sich stetig. Das Statistische Monatsheft Mecklenburg-Vorpommern 1997/2 beziffert die Anbaufläche der subtropischen Pflanzen im Jahr 1996 lediglich noch mit drei Hektar. Im gesamten Nordosten Deutschlands schrumpfte die Tabakpflanzung auf kleine Restflächen zusammen. Zur Erhaltung des traditionellen Tabakanbaus in Deutschland, der mit der „Konkurrenz“ auf dem Weltmarkt – insbesondere den USA und China, die gewaltige Anbauflächen und niedrige Lohnkosten haben – nicht mithalten konnte, zahlte die Europäische Gemeinschaft anfänglich eine qualitätsbezogene Rohtabakprämie. Trotzdem meldet die Märkische Oderzeitung am 31.3.2009: „Immer weniger Tabakbauern – Erzeugergemeinschaft gibt auf“. Gemeint ist die EZG Nordost-Tabak. Pflanzer aus Mecklenburg-Vorpommern sind zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr dabei. 2010 stellt die Europäische Union die Förderung des Tabakanbaus ein. 2012 gibt es noch sieben landwirtschaftliche Betriebe in der Prignitz und der Uckermark sowie in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oberspreewald-Lausitz. 2013 sprechen sich die Agrarexperten der EU dafür aus, Verbraucher endlich besser über die Gefahren des Rauchens aufzuklären. Die EU-Staaten einigen sich auf ein Anti-Rauch-Gesetz. Sven Plaeschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Tabakpflanzer, lobt die deutschen Tabakerzeugnisse: Sie seien fast frei von Pflanzenschutzmitteln. Aufgrund des geringen Nicotingehaltes und hohen Zuckergehaltes werden sie hauptsächlich zu Wasserpfeifentabak verarbeitet. Er spricht im November 2014 von vier Betrieben, die in Brandenburg Tabak pflanzen. Je ein Tabakpflanzer produziert in der Prignitz und in Vierraden bei Schwedt. Von der Geschichte des Tabakanbaus, der für viele Menschen in Mecklenburg Teil ihrer Lebensgeschichte ist, erzählen Museen wie das „Krumme Haus“ in Bützow und das Tabakmuseum in Vierraden.  

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