Osterbräuchen in MV : Pascheier, Lichtbräuche und mancher Aberglaube

Ostereier und Oserhase gehören zu Ostern. In der Vergangenheit gab es viele weitere Bräuche.
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Ostereier und Oserhase gehören zu Ostern. In der Vergangenheit gab es viele weitere Bräuche.

Bei Osterbräuchen in mecklenburgischen Dörfern vermischten sich oft christliche und heidnische Traditionen

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08. April 2017, 00:00 Uhr

Kein anderes christliches Fest ist so eng mit der Natur verbunden wie das Osterfest. Bis in die heutige Zeit verflechten sich alte heidnische Bräuche und christliche Traditionen und geben den Osterfeiertagen einen besonderen Charakter.

Mit Ostern feiern auch heute noch viele Menschen den Beginn des Frühlings. Die Natur erwacht, die Tage werden heller. Das Leben regt sich. Nach dem Osterfest beginnt auch die eigentliche Schaffenszeit der Bauern. Besonders auf den mecklenburgischen Dörfern gab es eine Vielzahl von Bräuchen, die sich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hielten. Sie variierten, so können nur einige genannt werden. Dem Karfreitag, auch „Stiller Fridag“ genannt, wurde eine besondere Kraft zugesprochen. An diesem Tag, so glaubte man, gedachte auch die Natur des Heilands. Es hieß, dass das Licht der Sonne schwächer und der Tag oft voller Dunst sei. Die Heiligkeit des Karfreitags wurde streng gewahrt. Mensch und Tier durften keine Arbeit verrichten. Brachen Menschen diese Regel, wurden sie bestraft, wie Volkssagen berichten. Kartenspieler würde der Teufel persönlich holen. Selbst der Kirchgang erfolgte in vielen Gegenden per pedes.

In der Rehna-Ratzeburger Gegend legten die Familien am Karfreitag stets ihre Trauer- und nicht ihre Festtagstracht an, um des Todes Jesu zu gedenken. Es gehörte in vielen Gemeinden zum guten Ton, beim Läuten der Glocken zu weinen – ob das beide Geschlechter taten, ist nicht überliefert.

Kam man dann aus der Kirche, wurde nicht geschlemmt, oft gab es Fisch, aber keinesfalls Hecht, denn er trug „die Leiden Christi im Kopf“. Auch der Oster- oder Karsonnabend wurde auf den mecklenburgischen Dörfern still begangen und endete mit einem Gottesdienst nach dem Sonnenuntergang. Osterfeuer wurden mit Beginn der Dunkelheit entzündet. Dieser Brauch stammt aus heidnischer Zeit, er gehört zu den Lichtbräuchen, die den Winter vertreiben sollen. Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser Brauch fast ausgestorben, fand aber nach 1989 wieder Verbreitung. Am frühen Morgen des Sonntags schöpften die Mädchen in den Dörfern „Osterwasser“ aus den Bächen, welches eine schöne Haut geben und gegen Sommersprossen helfen sollte. Das Wasser galt als besonders gesund. Allerdings durften die Mädchen nicht gesehen werden und mussten den Rückweg schweigend zurücklegen, sonst verlor das Wasser seine Wirkung.

Die Ostereier, in Teilen Mecklenburgs früher auch „Pascheier“ genannt, spielen noch heute eine große Rolle im österlichen Brauchtum. Ursprünglich gehörten sie als Teil zum Lohn und wurden den Knechten gereicht. In der Gegend um Mirow kochten die Ochsenknechte in der Osternacht Eier und rieben mit dem Kochwasser die Hälse der Ochsen ein. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre das morgendliche Eiersuchen der Kinder. Das Verstecken der Eier übernahm im österlichen Glauben der Osterhase, Sinnbild der Fruchtbarkeit schlechthin. Aber auch das Ei gilt als Symbol der Fruchtbarkeit, dessen Kraft in Mensch und Erde übertragen werden sollte.

Am Ostersonntag, nach dem Kirchgang, der in der Festtracht der Gegend absolviert wurde, tafelte die Hausfrau ein opulentes Ostermahl auf. Natürlich entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine „Osterindustrie“. Süßigkeiten in Hasen- und Eierform begannen ihren Siegeszug.
 

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