Für herzogliche Verwaltung : Papier von höchster Güte

Eine alte Spitzfeder auf einem Schreibheft von 1880
Eine alte Spitzfeder auf einem Schreibheft von 1880

Vor den Toren Sternbergs und zu Neustadt wurden Papiermühlen errichtet

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15. Januar 2016, 00:00 Uhr

Neben der Buchdruckerei ließ auch die Zunahme der fürstlichen Verwaltung den Papierbedarf im 16. Jahrhundert enorm in die Höhe schnellen. Anfangs importierte Mecklenburg das benötigte Material unter anderem aus Hamburg, Lübeck und Berlin, denn die Papierherstellung war ein aufwendiges Verfahren. So wurden damals Pflanzenfasern von Leinen, Hanf und auch Baumwolle durch Mahlen, Kochen, Bleichen, Pressen und Leimen zu einem sogenannten Lumpen verfilzt.

Die Herstellung oblag meist den Bauern, die sich hiermit ein Zubrot verdienten. Dann wurden die Lumpen an Papiermacher verkauft und in den Papiermühlen mit Wasser zu einem Brei vermengt. Jener wurde dann meist auf ein Metallband gegossen, unter Hämmern gestampft, entwässert und flach gepresst, um anschließend über dampfgeheizten Trommeln getrocknet und geglättet zu werden.

Jeder Hersteller hatte seine eigene Methode, die entscheidend für die Qualität in Bezug auf Helligkeit und Festigkeit als Schreibunterlage war. Anfangs verwendeten die Papiermacher noch kleine Handpapiermühlen. Doch dann entwickelten findige Handwerker Mühlenstampfen, die mit Wasserkraft betrieben wurden und ab der Mitte des 14. Jahrhunderts die Produktion größerer Mengen in kürzerer Zeit ermöglichten.

Dennoch war Papier ein kostbares und teures Gut, das die Staatskasse enorm belastete. Alsbald erkannten die Herzöge Heinrich und Albrecht, dass sie den Bedarf aus heimischer Produktion kostengünstiger decken konnten. So schlossen sie 1519 mit den Papiermachern Kaspar Vischer und Blasius Grün einen Vertrag über den Bau und Betrieb einer Papiermühle vor den Toren Sternbergs. Jene sollte acht Bottiche und 38 Stampfen umfassen, auch wurde ein Haus mit zwei Böden zum Aufhängen des Papiers errichtet. Das benötigte Inventar wurde durch die Herzöge finanziert, so unter anderem ein Kessel von fünf Tonnen, eine Presse, eine Anzahl Filze, drei Paar Formen.

Die Überwachung des Baus übernahmen die Papiermacher, die kurz zuvor aus Süddeutschland übergesiedelt waren. Der Vertrag galt zunächst 20 Jahre und die jährliche Pacht betrug 40 Gulden, die halbjährlich an die herzogliche Kasse zu entrichten waren. Registereintragungen aus dem 17. Jahrhundert belegen, dass der Betrieb der Sternberger Papiermühle gedeihlich verlief. Im selben Jahr wurde auch das Projekt einer Papiermühle zu Neustadt erörtert. Allerdings verliefen die Planung und der Bau nicht so reibungslos wie in Sternberg. So befindet sich in den Stadtakten von Neustadt ein herzogliches Schreiben vom 4. Oktober 1519, das vom schwierigen Unterfangen Zeugnis ablegt.

Zunächst unterbreitete ein Papiermacher fragwürdiger Herkunft den Herzögen einen Kostenvoranschlag über den Betrieb der Mühle. Jener berechnet an Kosten für das Material jährlich 159 Gulden. Dann benötigte er vier Gesellen, die neben der Verpflegung jährlich 80 Gulden erhalten sollten.

Der Papiermacher wollte zunächst jährlich für 400 Gulden Papier herstellen und die Produktion später erweitern. In seinem Gutachten hatte er das Zubehör wie Klammern, Nägel, Stricke aufgeführt, ohne deren genauen Betrag zu beziffern. Der veranschlagte Reinertrag von 100 Gulden ließ das ganze Gutachten und den Papiermacher zwielichtig erscheinen. Sein Angebot wurde abgelehnt.

Die Papiermühle zu Neustadt wurde dennoch errichtet und 1558 an Michel Wolther verpachtet. Jener erhielt das Holz aus herzoglichen Wäldern und musste dafür jährlich 30 Ries Schreibpapier an die Kammer liefern. Im Falle eines Mehrbedarfs wollte die Kammer das Ries Papier zu einem Vorzugspreis von 14 Schilling ankaufen. Alsbald lief Wolthers Produktion auf Hochtouren und die hohe Qualität seines Papiers bescherte ihm einen hervorragenden Ruf sowohl innerhalb als auch außerhalb Mecklenburgs. Die herzogliche Verwaltung bediente sich bevorzugt seines Papiers, und im Jahre 1592 wurde dann eine Lieferung von jährlich 25 Ries für den Hof von Herzog Ulrich bindend. Da der Ruhm der mecklenburgischen Fabrik weit drang, bat Herzog Ernst Ludwig von Pommern zu Stettin im Dezember 1579 den Herzog Ulrich, ihm einen Papiermacher zu empfehlen, um in Pommern eine Papiermühle zu errichten. Doch Ulrich konnte keinen Fachmann entbehren. Dem Amtmann zu Neustadt wurde befohlen, ein wachsames Auge auf den Papiermüller zu haben, denn die Fabrikation sollte keinen Schaden erleiden.

1595 verstarb Wolther, und seine Witwe bemühte sich, den Betrieb fortzusetzen. Doch sie war überfordert, die Produktion litt. So entschloss sich Frau Wolther, die Leitung der Papiermühle ihrem Sohn Michel zu übergeben. Jener gab sich große Mühe, den alten Ruf wiederherzustellen. Doch dann wurde ihm plötzlich die Pacht gekündigt. Er hegte den Verdacht, dass der Grabower Papiermacher ihn verleumdet hatte.

Doch die Qualität seines Papiers hatte sich dermaßen verschlechtert, dass sich die Beschwerden häuften. Trotz einer Schonfrist konnte der junge Mann seine Ware nicht verbessern, ihm wurde endgültig gekündigt. Danach erhielt der Papiermacher aus Grabow den Zuschlag für die herzogliche Papierlieferung.
Im Jahre 1621 übernahm der Papiermacher Heinrich Severin die Neustädter Papiermühle und führte die Arbeit mit Erfolg fort.

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