„Jeder stirbt für sich allein“ : Neue Filmfassung des letzten Fallada-Romans

Die Schauspieler Emma Thompson und Daniel Brühl bei der Vorstellung des Films „Alone in Berlin“.
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Die Schauspieler Emma Thompson und Daniel Brühl bei der Vorstellung des Films „Alone in Berlin“.

Der Germanist Manfred Kuhnke recherchierte zahlreiche Fakten zur Geschichte von „Jeder stirbt für sich allein“

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08. März 2016, 09:51 Uhr

In der diesjährigen Berlinale wurden neben zahlreichen bemerkenswerten ausländischen Streifen auch der Film „Alone in Berlin“ im Wettbewerb in einer deutsch-französisch-englischen Koproduktion mit Brendan Gleeson und Emma Thompson in den Hauptrollen gezeigt. Der Film entstand nach der inzwischen berühmten Romanvorlage „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada, die dieser ein Jahr vor seinem Tode im Jahre 1946 nach geheimen Akten in nur 24 Tagen niederschrieb.

Der Erfolgsautor von „Kleiner Mann, was nun?“ und weiterer zeitgeschichtlicher Romane, der 1893 in Greifswald als Rudolf Ditzen geboren wurde, war mit seinem letzten Roman 2010 auch in den USA und im englischsprachigen Raum bekannt geworden. Der Leiter eines kleinen USA-Verlages hatte sich jahrelang erfolglos bemüht, Falladas Werke als Taschenbuch herauszugeben. Danach war der Chef des Verlagshauses Melville, Dennis Johnson, auf den deutschen Autor aufmerksam gemacht worden. Die englischsprachige Übersetzung erschien dann 2009 als Roman unter dem Titel „Every Man Dies Alone“ in den USA mit großem Verkaufserfolg. In Großbritannien kam dieser Fallada-Roman über das Schicksal des Ehepaars Quangel unter dem Titel „Alone in Berlin“ heraus, unter dem auch der gegenwärtige Film läuft. So wurde die Geschichte der Berliner Eheleute,dort als Anna und Otto Quangel benannt, die im Dritten Reich 1940 nach dem Tode ihres einzigen Sohnes an der Westfront mit einer Postkartenaktion ihren individuellen Widerstand gegen das Regime dokumentierte. Verfilmungen gab es in Deutschland bereits mehrfach: 1970 von der DEFA als Mehrteiler mit Erwin Geschonnek und 1975 als Kinofilm unter der Regie von Alfred Vohrer mit Hildegard Knef und Carl Raddatz in den Hauptrollen.

Der Germanist, Referent und Pädagoge Manfred Kuhnke, der auch im Abspann des Films erwähnt wird, hat sich mit der wahren Geschichte hinter diesem Roman beschäftigt, der auf Gestapo-Akten aus den Jahren 1940 bis 1943 basiert. Johannes R. Becher hatte die Unterlagen mit dem Schicksal des Ehepaars Hampel , das am 8.April 1943 hingerichtet wurde, dem Schriftsteller Fallada nach Ende des Krieges in Berlin zukommen lassen.
Kuhnke, der auch fast zehn Jahre bis 2004 Leiter des Fallada-Hauses und des Museums in Carwitz war, hat in einer akribischen Recherche „Falladas letzter Roman. Die wahre Geschichte“ vor einigen Jahren viele Fakten zum Schicksal von Elise und Otto Hampel zusammengetragen, hat viele Zeitzeugen befragt und stellte ebenso die Tatsachen zum literarischen Text des Romans in ein Verhältnis. Dort ist auch nachzulesen, wo und wie viele dieser Postkarten mit Aufrufen zum Widerstand in Berlin in den vier Jahren von den beiden in der Öffentlichkeit „abgelegt“ wurden. Die Neuauflage des Romans erschien seit 2011in erweiterter Textfassung in mehreren Auflagen im Aufbau-Verlag.

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