Argrarwissenschaften : Nestor der Pflanzenzüchter

Professor Lembke prüft das Saatgut.  Repro: Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG
Professor Lembke prüft das Saatgut. Repro: Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG

Hans-Georg Lembke von der Insel Poel war ein international bekannter Agrarwissenschaftler

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08. März 2016, 09:47 Uhr

Im Ort Malchow auf der Insel Poel steht auf dem Gelände der „Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG (NPZ)“ eine Bronzeplastik. Sie stellt Hans Lembke dar, der als Pflanzenzüchter von der Insel Poel aus mit seiner Arbeit internationale Bekanntheit erlangte. Damit erreichte er auch über seinen Tod vor 50 Jahren hinaus eine beträchtliche Nachwirkung. Seine pionierhaften Erkenntnisse, die ihn in die erste Reihe berühmter Männer der Landwirtschaft katapultierten, besitzen auch heute noch Gültigkeit und gereichen nicht nur Mecklenburg-Vorpommern zum Vorteil.

Hans Lembke entstammte einer alteingesessenen Poeler Bauernfamilie, die seit 1627 den Erbpachthof in Malchow auf Poel bewirtschaftete. Auf dem rund 50 Hektar umfassenden Hof wurde der Junge am 28. Mai 1877 geboren. Sohn Hans offenbarte schon früh seine naturwissenschaftlichen Inte-ressen, wurde darin von seinen Eltern gefördert und besuchte zunächst die Realschule in Wismar. Nach einer Landwirtschaftslehre auf einem fremden Gut, der Verwaltertätigkeit auf dem Gut Wohlenhagen bei Klütz und einem autodidaktischen Wissenserwerb in landwirtschaftswissenschaftlichen Fragen kehrte der Junior 1897 voller Tatendrang auf den elterlichen Hof in Malchow zurück. Vom ersten Tag an sorgte er mit seinen pflanzenzüchterischen Überlegungen für neue Impulse. Damit nahm seine Züchterlaufbahn ihren Lauf. Lembke begann mit Winterraps und Winterrüben, die er als „Lembkes Originalzüchtun-gen“ auf den Markt brachte. Diese Züchtungen sorgten für über 30 Prozent mehr Ertrag und fanden zunächst in Deutschland und dann in ganz Mitteleuropa Verbreitung. Als zweiter Schwer-punkt ist die Futterpflanzenzüchtung überliefert. Lembke nahm die Neuauslese in seinen Zuchtgärten grundsätzlich aus mehrjährigen Beständen vor. Das Ergebnis waren Sorten mit höherer Widerstandsfähigkeit und größerer Ausdauer.

Wie schon bei den Ölfruchtsorten hatte er auch hier Erfolg. Seine neuen Futterpflanzen hießen „Lembkes Rotklee“, „Lembkes Deutsches Weidegras“ und Lembkes Glatthafer“. Es folgten Züchtungen mit dem Getreide und die Kreuzungszüchtung bei Kartoffeln. Dabei nahm er als Grundlage immer „Poeler Landsorten“, die er dann vervollkommnete. Züchtung, Saatguterzeugung und Pflanzguterzeugung bildeten bei ihm eine Einheit. Dazu kamen eine verbesserte Humuswirt-schaft und eine gezielte Mineraldüngung. Das war ergebnisorientierte Pionierarbeit, die ihm größte Anerkennung, Auszeichnungen und ein wachsendes Einkommen bescherte. 1905 heiratete der aufstrebende Pflanzenzüchter Luise Wesenberg, eine Arzttochter aus Plau.

Mitten im I. Weltkrieg widmete sich Lembke zusätzlich noch der Forstpflanzenzüchtung. Er experimentierte mit Erfolg und brachte auch in diesem Metier neues und wesentlich besseres Pflanzgut auf den Markt. Fast nebenbei gelang ihm zudem eine Intensivierung seiner Viehwirtschaft. Lembke war im Bereich der Land- und Forstwirtschaft in aller Munde, pflegte regen Gedankenaustausch mit der Versuchsstation in Rostock, wurde während des I. Weltkrieges in viele staatliche Gremien berufen und war für das Ernährungsministerium in Berlin angesichts der Ernährungsnotlage im Gefolge der Blockade der Ententemächte unverzichtbar. Seinen Gewinn legte der Züchtungspionier zielgerichtet an.

Seinen Erbpachthof, der zum Landgut und vorbildlichen Saatzuchtbetrieb gediehen war, ergänzte er durch die Domäne Christinenfeld mit 540 Hektar und das Gut Neu-Buslar in Hinterpommern mit 260 Hektar. Die Neuerwerbungen wurden umstrukturiert und seinen Betriebserfordernissen angepasst. Damit konnte er seine Erträge erheblich steigern. Der Züchtungspionier, dem 1925 die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock verliehen worden war, entwickelte sich so zum Großgrundbesitzer, der auch im II. Weltkrieg mit seinen Züchtungen und Erträgen ein bedeutender Versorgungsfaktor war. Mit Folgen nach 1945. Lembke wurde entschädigungslos enteignet, zunächst von seinem Besitz verwiesen und dann nach wenigen Wochen zurückgeholt. Nicht als Besitzer, sondern als Leiter des Saatzuchtbetriebes mit dem Auftrag, sein Lebenswerk als Angestellter fortzusetzen.

Lembke nahm an, sorgte für neue Erfolge und wurde schon 1946 zusätzlich als Professor mit Lehrstuhl für Pflanzenzüchtung an die Universität nach Rostock berufen. Zu den weiteren Zuchterfolgen im staatlichen Saatzuchtbetrieb Malchow kamen nun die Vorlesungen und Seminare in Rostock, wo er zum maßgeblichen „Mentor einer neuen Generation von akademisch ausgebildeten Pflanzenzüchtern und züchterisch interessierten Landwirten“ gedieh.

Der Staat dankte ihm sein Engagement mit zahlreichen Ehrungen. Das reichte von der Mitgliedschaft in einigen Wissenschafts-Gesellschaften, einer weiteren Ehrendoktorwürde der Universität Halle sowie der Ernennung zum Ehrensenator der Universität in Rostock bis zum DDR-Nationalpreis und den Vaterländischen Verdienstorden. Dazu kamen auch Auszeichnungen der Bundesrepublik. Mit 83 zog sich der Züchter und Lehrer ins Privatleben zurück. Er wohnte fortan dauerhaft in Rostock und starb am 7. März 1966. Seine letzte Ruhe fand der Nestor der Pflanzenzüchter in Mecklenburg in Kirchdorf auf Poel.

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