Winter in MV : Natur im Winterschlaf versunken

Aufgeplustert schaut die Amsel den tänzelnden Schneeflocken zu.  Fotos: Erich Hoyer
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Aufgeplustert schaut die Amsel den tänzelnden Schneeflocken zu. Fotos: Erich Hoyer

Im Januar haben es alle Tiere schwer, genügend Nahrung zu finden. Futterplätze bei Schnee regelmäßig nachfüllen

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22. Januar 2016, 00:00 Uhr

Im ersten Monat des Jahres hält die Natur tiefsten Winterschlaf. Die Vogelarten, die nicht in den warmen Süden geflogen sind, haben nun Mühe, genügend Nahrung zu finden, besonders dann, wenn eine hohe Schneedecke das Land einhüllt oder Eisregen und Raureif das Herankommen an Körner, Früchte oder Kleintiere unter der Baumrinde und im Boden sehr schwer machen.

Den Wildtieren im Wald, Reh, Rothirsch und Wildschwein helfen jetzt die Förster und Jäger. Sie füllen die Futterraufen mit Heu und streuen Eicheln und Kastanien aus, die ihnen im Herbst von den Kindern gesammelt wurden. Bei Schnee und Eis dürfen wir nicht vergessen, unsere Vogelfutterstelle am Fenster oder im Garten mit Futter zu versorgen. Denn wenn sich die Meisen, Finken, Kernbeisser und Amseln einmal an den Futterplatz gewöhnt haben, können sie bei plötzlichem Wintereinbruch mit tiefen Temperaturen, wie wir es gerade jetzt, Anfang Januar 2016, erleben, nicht so schnell neue Futterquellen finden.

Schnee kann bei sehr tiefen Temperaturen sehr wichtig für die Natur, für die Gärten, Parks und die Landwirtschaft sein. Die sich übereinanderlegenden Schneeflocken schließen unzählige Luftkämmerchen zwischen sich ein, die eine hohe Isolierfähigkeit besitzen. Diese Isolierung verhindert weitgehend das tiefe Eindringen des Frostes in die Erde und verhindert auch die Wärmeabgabe der Erde. So sind die Wurzelbereiche der Pflanzen und freilich auch die Versorgungsleitungen menschlicher Siedlungen weitgehend geschützt. Ein kalter Winter ganz ohne Schnee ist gefährlich für die Pflanzenwelt. Mit Schnee darf es ruhig kalt sein im Januar.

Was sagt eine alte Bauernregel: „Januar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken.“ Nicht zuletzt ist der Schnee auch ein wichtiger Wasserspeicher. Von der Ergiebigkeit des Frühjahrstauwetters hängt die Entwicklung der Vegetation und der Füllungsgrad der Flüsse, Seen und Kleingewässer ab. In unserer ausgeräumten Feldlandschaft, mit einem dichten und perfekten System der Wasserableitung in Rohrleitungen unter der Erde fließen die Tauwässer viel zu schnell ab und sehr bald stellt der zu trockene Acker ein Problem für die Landwirte dar. Die Bäume geraten bei kaltem Wetter und Trockenheit wenig in Bedrängnis. Sie haben sich schon im Herbst ihrer Wasserverschwender, der Blätter, entledigt.

Im Herbst beginnen sie auch schon wieder, die Versorgung mit Nährstoffen zu sichern und bilden bereits Knospen aus. Auch die Frühjahrsblüher im Wald müssen die Kälte nicht fürchten. Sie haben durch die Nährstoffanreicherung in ihren Wurzelknollen vorgesorgt und überstehen gut die Winterruhe. Die tierischen Winterschläfer haben es da schon schwerer. Sie überstehen nur knapp einen sehr kalten Winter.

Inzwischen ist es auch klar, dass das Tier des Jahres 2016, der Feldhamster, dort, wo er überhaupt noch vorkommt, nur selten einen kalten und langen Winter übersteht. Einfach deshalb, weil durch die schnellen und gründlichen Produktionsprozesse der industriellen Landwirtschaft diese Tiere überhaupt nicht mehr eine Chance haben, genügend Vorräte in ihren unterirdischen Bauen anzusammeln und sie verhungern somit im Laufe des Winters.

Bei einem Waldspaziergang sind trotz der Ruhe, die jetzt herrscht, vielfältige Spuren der Waldbewohner zu entdecken. In Astgabeln geklemmte Kiefern- oder Fichtenzapfen und darunter eine Menge bearbeiteter Zapfen zeugt von der Tätigkeit der Spechte. Wir haben eine „Spechtschmiede“ entdeckt. Sind viele Vogelfedern um einen Baumstubben verstreut, hat ein Habicht oder ein Sperber seine gefiederte Beute vor dem Verzehr gerupft.

Einige Vogelfedern können wir mit nach Hause nehmen - vielleicht bekommen wir heraus, zu welcher Vogelart sie gehörten. An Baumstämmen sehen wir, dass Wild, meist Rehe oder Hirsche, die Rinde abgeschält haben. Der Mangel an sonstiger Nahrung zwingt sie dazu. Wird der Schaden allerdings zu groß, so geht der Baum ein.

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