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Tag des offenen Denkmals : Mühle öffnet für Entdeckungen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Industriekomplex in Bad Kleinen ist eines von 270 Denkmalen im Land, die am 11. September einladen

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2016 | 12:00 Uhr

„Gemeinsam Denkmale erhalten.“ Dieser Satz steht als Leitspruch über dem Tag des offenen Denkmals 2016 und Hans Kreher aus Bad Kleinen findet, dass er ganz wunderbar passt. Denn wenn der Gemeindevertreter und Vorsitzende des Tourismusausschusses am Sonntag um 10 Uhr mit seinen Mitstreitern die alte Mühle aufschließt, liegen hinter allen schon mehrere Arbeitseinsätze. Arbeitseinsätze, bei denen die vielen Vereine des Ortes zusammenkamen, bei denen Biker und Kleingärtner, Angler und Tourismusförderer anpackten, um das alte Industriegebäude zum Denkmaltag vorzeigbar zu machen.

Die Getreidemühle zwischen Schweriner See und Bahndamm eröffnete vor genau 100 Jahren als größte und modernste Getreidemühle Norddeutschlands. 1910 hatte sich der Schweriner Kaufmann Janssen an diese Investition gewagt. Die Voraussetzungen waren gut: Bad Kleinen verfügte dank der Bahnstrecke über eine gute Infrastruktur. Es gab Strom und der An- und Abtransport war kein Problem. Ein Großteil des Getreides gelangte über den Schweriner See zur Mühle. Nach der Enteignung Janssens 1946 wurde die Produktionsstätte zum Kombinatsbetrieb VEB Mühlenwerke Bad Kleinen. Noch im Jahr 1989 stellten hier 72 Beschäftigte 22 000 Tonnen Mehl im Jahr her. Nach der GmbH-Gründung 1990 verkaufte die Treuhand den Betrieb 1994 an ein schwedisches Unternehmen, das lediglich das Ziel verfolgte, einen Konkurrenten vom Markt zu drängen: Die Mühle wurde stillgelegt, das Gebäude verfiel. Seit 2012 ist es Eigentum der Gemeinde.

Die hat inzwischen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die Zukunftschancen für Bad Kleinens Mühle ausloten soll und während des Denkmaltags präsentiert wird. Hans Kreher, bis 2014 selbst Bürgermeister, weiß, dass die Gemeinde ein wie immer geartetes Projekt nicht allein stemmen kann. Trotzdem ist es ihm und vielen anderen wichtig, das Gebäude in prominenter Lage nicht dem Verfall preiszugeben, sondern im Gegenteil davon vielleicht sogar touristisch zu profitieren. „Es fragen immer wieder Gäste, ob sie mal in die Mühle kommen“, sagt Brigitte Bullerjahn vom Tourismusverein Schweriner Seenland. Und Andreas Kelch, sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Tourismus, bezeichnet die Entwicklung des Geländes als eines der wichtigsten Projekte für Bad Kleinen.

Mit Ausnahme des in späteren Jahren entstandenen, 5000 Tonnen Getreide fassenden Vorratssilos steht das ganze Ensemble unter Denkmalschutz. Hans Kreher weiß, dass so mancher Einwohner diesen Status kritisch sieht – zu oft werde ein Denkmal noch mit etwas „besonders Schönem“ assoziiert. „Dabei ist es nicht Aufgabe eines Denkmals, schön zu sein, sondern Geschichte zu erzählen, das ,Denk mal drüber nach‘ zu fördern“, sagt Kreher. In der industriellen Geschichte Bad Kleinens und ganz Norddeutschlands hat die einstige Janssen-Mühle eine wichtige Rolle gespielt.

Wer heute das Gebäude betritt, muss auf seine Füße genauso achten wie auf den Kopf. Doch zwischen den Stolperstellen gibt es viel zu staunen: Die alte Sackrutsche, auf der die Mehlsäcke aus dem Haus flutschten, ist noch da – wenn auch verrostet. Wie neu scheinen dagegen die hölzernen Deckenbalken und Einschütttrichter. Der Schutzvorhang der Eingangsschleuse, alte Mehlsäcke und Gerätschaften – die Zeit in der Mühle ist stehengeblieben. Obwohl: Die Uhr im Hauptturm tickt noch unverdrossen.

Zur vollen Stunde, das letzte Mal um 16 Uhr, werden am Denkmaltag Führungen durch die Mühle angeboten, die sonst nicht zugänglich ist. Außerdem öffnet das Silogebäude, das Besucher nach der Überwindung von mehr als 100 Treppenstufen mit einem wunderbaren Blick belohnt, der über das Schweriner Seenland bis in die Landeshauptstadt sowie gen Norden bis nach Wismar reicht. Zuvor findet um 10 Uhr in Bad Kleinen die offizielle Eröffnung des Denkmaltages für den Landkreis Nordwestmecklenburg statt.

In Deutschland steht der Denkmaltag seit 1993 am zweiten Sonntag im September im Kalender, koordiniert wird die Aktion von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ziel ist es, Menschen für das kulturelle Erbe zu begeistern und sie so für dessen Erhalt zu interessieren. Oft öffnen Denkmale, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind. Die Mühle in Bad Kleinen ist in diesem Jahr zum vierten Mal dabei – und eins von rund 270 Objekten in Mecklenburg-Vorpommern, die am Tag des offenen Denkmals Besucher einladen.

>> Diese Stätten machen mit beim Tag des offenen Denkmals

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