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DDR-Museum Schildfeld : Mit Waschmaschine eingeweckt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Besuch im kleinen DDR-Museum Schildfeld weckt Erinnerungen an das Alltagsleben vor der Wende

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 12:00 Uhr

„Ich fand es hier sehr interessant und es war schön anzusehen, wie die Menschen früher gelebt haben“, steht in etwas ungelenker Schrift auf den vorderen Seiten im Besucherbuch des Museums. Nein, es handelt sich nicht um eine Ausstellung archäologischer Funde. Die Exponate stammen aus einer Epoche, die erst 27 Jahre zurückliegt. Das Museum trägt den Namen „Das kleine DDR-Museum Schildfeld“. Schildfeld liegt in der idyllischen Landschaft bei Vellahn und gehört zum Amt Zarrentin.

Elke Meyer, natürlich aufgewachsen in der DDR, räumte nach der Wende ihre Schränke auf und fand viele Dinge zu schade zum Wegwerfen. Etliche Erinnerungen hingen daran. Auch Plakate aus dem Dorfkonsum hatte sie aufgehoben. „1995 wurde unser Konsum im Ort abgerissen. Dort habe ich einige Werbematerialen gerettet. Darunter das Material des Backwarenherstellers Kathi „Die sieben Regeln der Verkaufskultur“ und ein bemerkenswertes Hinweisschild, dass die „Schalen von Südfrüchten nicht zum Verzehr geeignet“ seien.

Die Plakate brachte sie nach einem entsprechenden Zeitungsaufruf in das Museum Lenzen. Einige Zeit später fuhr die Schildfelderin mit ihrem Nachbarn nach Lenzen, um „ihre“ Ausstellungsstücke im Museum anzusehen. „Wir fanden alle unsere Exponate in der Ausstellung“. Auf der Rückfahrt bremste der Nachbar plötzlich scharf. Aufgeregt sagte er: „Schau mal Elke, dort liegt eine alte Konsumwaage im Sperrmüll!“. Tatsächlich lugte aus einem Haufen alten Hausrates eine Waage hervor. Elke Meyer durchzuckte der Gedanke: „Das kann man doch nicht wegwerfen!“ Der Nachbar wendete das Auto und lud die Waage ein. „Das war die Geburt unseres Museums in Schildfeld.“

Auch nach mehr als 27 Jahren verströmen die Seifen den typischen Geruch von damals.
Auch nach mehr als 27 Jahren verströmen die Seifen den typischen Geruch von damals. Foto: Grossert
 

Der Sperrmüll-Fund avancierte zum ersten Exponat des Privatmuseums. „2003 konnte ich einen kleinen Ausstellungsraum in der Schildmühle Schildfeld einrichten. Drei Jahre späte wurde das technische Denkmal verkauft. Die Sammlung musste ausziehen. Das neue Domizil wurde ein Anbau an unserem Haus, der eigentlich als Werkstatt geplant war. 2010 empfing unsere Familie, zu der Ehemann Wernfried und zwei Kinder gehören, hier die ersten Besucher.“ Heute erstreckt sich das Museum über zwei Etagen. Elke Meyer sammelte Spielzeug, Haushaltsgeräte, Alltagsgegenstände, Uniformen und Schilder. Am Eingang warnen die Schilder „Achtung Staatsgrenze“ und „Sperrgebiet“. Sie erinnern daran, dass nur wenige Kilometer entfernt die Welt der „normalen“ DDR-Bürger zu Ende war. Die ausgebildete Zootechnikerin erzählt, dass sie in ihrer Lehrzeit für die Mopedfahrt zur Ausbildungsstätte einen Passagierschein benötigte. Der Lehrbetrieb lag westlich von Schildfeld im Sperrgebiet. Die Berechtigung zum Betreten der „5-km-Sperrzone“ entlang der deutschen Grenze stellte der Abschnittsbevollmächtigte (ABV) aus. Er gehörte zur Volkspolizei. Seine Uniform, das Telefon und die Schreibmaschine aus seinem Büro sowie das Schild mit Angabe der Sprechzeiten können in der oberen Etage des Museums besichtigt werden.

Aber zunächst zieht Kinderspielzeug den Besucher in seinen Bann. Da sind sie, die fast vergessenen, einst heiß geliebten Indianer aus Hartgummi, die im Sandkasten gegen die weißen Besatzer in Palisadenforts kämpften. Ganz nach dem Vorbild der DEFA-Indianerfilme. Auf den Schränken stehen Puppenstuben. Diese Exemplare standen noch auf Dachböden und wurden der leidenschaftlichen Sammlerin angeboten. In den Schränken findet man Mini-Haushaltsgeräte. Der Spielzeug-Kochherd hat einen Elektroanschluss. „Mit so einem Herd haben meine Freundin und ich Eier gebraten und Schokolade geschmolzen. Heute wäre so ein Spielzeug aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulässig“, berichtet die 54-Jährige. Auch die Spielzeug-Waschmaschine war einst funktionstüchtig. Natürlich gibt es daneben echte Waschgeräte. Schleudern aus den 60er-Jahren beispielsweise. „Die Gäste erzählen uns oft, wie die Schleuder beim Windelschleudern vom Tisch gesprungen ist oder der Gummiring, der zur Dämmung unter die Schleuder gelegt wurde, sich selbstständig machte und plötzlich durch den Raum flog.“

Die Waschmaschine WM 66 ist auf dem Lande auch heute noch gefragt. Sie diente nicht nur zum Wäschewaschen und Einwecken, sondern auch als perfektes Gerät um Gänse abzubrühen, um sie anschließend rupfen zu können. Viele Küchengeräte wie der unverwüstliche Mixer RG28 oder ein Sahnesyphon werden aufbewahrt. Eisbecher aus Plastik erinnern an die legendären Mokka-Milch-Eis-Bars. Sogar für Computerfreaks ist etwas dabei: ein PC1715 von Robotron.

Das kleine DDR Museum Schildfeld. An der Schildmühle 8. 19260 Schildfeld,Tel.: 038843/ 21540

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