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Seehandel in Mecklenburg : Mit eigenen Schiffen Korn und Speck transportiert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Herzoglicher Seehandel sorgte für Zwist mit den Hansestädten Rostock und Wismar

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 14:11 Uhr

Einst oblag der Seehandel in Mecklenburg vor allem den Hansestädten Wismar und Rostock. Doch im 16. Jahrhundert begannen die Herzöge zur Erweiterung ihres Außenhandels in den Besitz eigener Schiffe zu gelangen. 1517 verzeichneten erstmals Register zwei herzogliche Schiffe. Zwar war die Beschaffung ein leichtes Unterfangen, doch die Verschiffung der Waren auf hoher See erwies sich als schwierig. Freibeuter, Fehden, Schiffbruch und die Hanse erschwerten das fürstliche Begehren nach eigenem Seehandel.

So erlitten die beiden Schiffe schon kurz nach dem Kauf auf der Lübecker Reede vor Travemünde Schiffbruch. Doch dessen ungeachtet schickte Herzog Heinrich 1519 eine Schiffsladung Roggen nach Danzig. Ein anderes Schiff fuhr mit Getreide an Bord westwärts, gelangte aber nicht ans Ziel. Es wurde durch Friesen, Holländer und Burgunder entführt. Rasch eruierten die Häscher der Herzöge, dass sich das Schiff in Amsterdam befand und der Inhalt dort sogar öffentlich versteigert werden sollte. Erbost wandte sich Herzog Heinrich an den Rat der Stadt Amsterdam und forderte die Herausgabe des Schiffes samt Inhalt respektive den Ersatz in Geld.

Des Weiteren führten die Herzöge Beschwerde gegen den Herzog Karl von Burgund, den späteren Kaiser Karl V. (1519 - 58), und gegen die Stadt Enkhuizen, deren Bürger ebenfalls am Schiffsraub beteiligt waren. Doch die Klage schlug fehl. Weder wurde das Schiff herausgegeben noch der Geldwert erstattet. Dennoch kauften die Herzöge voller Zuversicht auf üppige künftige Einnahmen im Mai 1526 ein Schiff für 154 Gulden von einem Bürger zu Nästved auf Seeland. Allerdings wurde hingegen im gleichen Jahre ein von dänischen Ausliegern mit Waren beladenes Schiff Herzog Albrechts beraubt. Jener hatte in den nordischen Wirren für den entthronten König Christian II. von Dänemark für ihn Partei ergriffen. Die Bemühungen des Herzogs Albrecht, das geraubte Gut wiederzuerlangen, waren vom Erfolg gekrönt. So befahl Kaiser Karl X. dem neuen dänischen Herrscher Friedrich III., das Schiff samt Inhalt zurückzugeben.

Währenddessen geschah im Lande des Herzoges Ungemach. Rostocker Bürger erdreisteten sich, 1526 ein herzogliches Schiff zu rauben. Dann ließ Wismar aus dem Klipphafen bei Golwitz auf Poel ein fürstliches Schiff einholen. Nun entbrannte ein offener Kampf mit den Seestädten Lübeck, Rostock und Wismar, denn jene sprachen den Herzögen das Recht ab, Klipphäfen anzulegen. Doch jene fuhren unbeirrt mit ihrem Vorhaben fort und ließen am Klipphafen Golwitz ein festungsähnliches Gebäude errichten.

Der Landesfürst erwarb inzwischen ein größeres Schiff für 800 Gulden, ließ 1528 sogar ein weiteres Schiff bauen und dehnte den herzoglichen Kornhandel bis nach Schweden aus. So brachte der Schiffer Klaus Wernow zu Travemünde Roggen, Mehl und Malz nach Malmö. 1533 sollte der Hamburger Kaufmann Heinrich Wapensticker vertragsgemäß Roggen verschiffen. Jedoch verweigerte Wismar das Auslaufen der drei Schiffe, und so reiste Wapensticker nach Antwerpen, um beim Herzog von Cleve die Durchfahrt in Hamburg zu erwirken. Die Zwistigkeiten wurden 1534 vorläufig beigelegt, da Herzog Albrecht die Hilfe der Städte beim Erwerb der schwedischen Königskrone brauchte und die Städte wiederum um Hegemonie im Handel bemüht waren. So stimmten Herzog Albrecht und Heinrich den Städten zu, ihre alten Privilegien behalten zu dürfen. Sie entsagten sich den Handel mit Dänemark. Der Warenverkehr des Adels dorthin wurde somit unterbunden.

Doch der herzogliche Seehandel wurde alsbald fortgeführt. So wurden 1534 zwei hamburgische Schiffe bei Golwitz mit dem Korn der Landesherren beladen. Dagegen protestierten Rostock und Wismar. Ein Jahr später nutzte der Herzog Albrecht die Zeit der Grafenfehde zu Handelsgeschäften in Kopenhagen und verkaufte dort Korn. 1538 nahmen die Landesherren den Handel mit den Niederlanden wieder auf und verkauften über Gottschalk Remlingradt Speck und Mehl. Daraufhin wurden auf den Versammlungen der wendischen Städte von 1538 und 1539 Herzog Albrecht und der Schiffer Remlingradt des Seeraubes bezichtigt. Es mehrten sich Hinweise, dass der Herzog sich sogar am Freibeuterwesen beteiligt hatte, um wohl die im dänischen Kriege erlittenen Verluste auszugleichen. So fand sich auf einem der gekaperten Schiffe Kupfer aus dem Eigentum der Kaufmannssippe Fugger aus Augsburg, das auf das Ersuchen ihres Prokurators zu Danzig wieder herausgegeben wurde.

1546 schienen die Landesherren in der Hafenfrage gegenüber Rostock und Wismar die Oberhand zu erlangen. Kaiser Karl V. billigte ihnen auf dem Regensburger Reichstag das Privileg zu, einen Hafen bei Golwitz und den anderen bei Ribnitz anzulegen. Doch Herzog Albrecht starb 1547 und die Baupläne der beiden Häfen gerieten in Vergessenheit.


 

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