Carl v. Bassewitz-Levetzow : Minister kämpfte um neue Verfassung

Ein adliger Reformer: Carl von Bassewitz-Levetzow
Ein adliger Reformer: Carl von Bassewitz-Levetzow

Carl v. Bassewitz-Levetzow scheiterte in dem Bemühen, in Mecklenburg ein modernes Staatswesen einzuführen

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11. Dezember 2013, 19:12 Uhr

Sie waren honorige Ehrenmänner und opportunistische Hochstapler, mutige Reformer und ultrakonservative Landadlige, hoch gebildete Akademiker und einfache Handwerker, engstirnige Parteiideologen und lebenslustige Vollblutpolitiker. Sie alle hatten als Minister wesentlichen Einfluss auf die Geschichte der mecklenburgischen Lande. In loser Folge porträtieren wir einige dieser Persönlichkeiten, die zwischen der Reichsgründung 1871 und der Auflösung des Landes Mecklenburg 1952 gewirkt haben.

Mit Carl v. Bassewitz-Levetzow wurde im Oktober 1901 ein Mann in das Amt des Präsidenten des Staatsministeriums von Mecklenburg-Schwerin berufen, der im Gegensatz zu den meisten seiner Ministerkollegen weder einen Studienabschluss noch eine Karriere im Staatsdienst aufweisen konnte.

Am 3. März 1855 wurde er in Schwerin als Sohn eines Leutnants a.D. und Gutsbesitzers geboren. Nach einem abgebrochenen Jurastudium in Heidelberg trat er 1876 in Berlin in den Militärdienst ein. Vier Jahre später übernahm er die Bewirtschaftung der Familiengüter in der Altmark sowie der mecklenburgischen Güter Glasow, Grube, Tessenow und Bristow, das seit seiner Eheschließung mit Margarethe von der Schulenburg im Juli 1885 zum Sitz der jungen Familie geworden war und auf dem später auch ihre sechs Kinder aufwuchsen.

Als Angehöriger der Ritterschaft zeigte v. Bassewitz starkes Interesse an der Arbeit des Landtages und nahm regelmäßig an den Sitzungen dieses Gremiums teil. Nach seiner Wahl 1893 zum Deputierten der Ritterschaft in den Engeren Ausschuss, der die Geschäfte der Stände zwischen den Landtagen wahrnahm, war er an der Ausarbeitung von Landtagsvorlagen und an Verhandlungen mit dem Landesherrn beteiligt und hat hierbei auch an der Anpassung des Bürgerlichen Gesetzbuches für Mecklenburg mitgearbeitet. Mit seiner Wahl zum Landrat des Herzogtums Güstrow 1899 wurde v. Bassewitz vom Vertreter der Stände zum Mittelsmann zwischen ihnen und dem Landesherrn.

Im Juli 1901 verstarb sein Onkel, der amtierende Staatsminister Alexander v. Bülow. Der erst drei Monate regierende Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin bemühte sich um eine schnelle Neubesetzung und bat seinen Favoriten, den Gutsbesitzer auf Bristow, telegrafisch zu einer Besprechung in die Landeshauptstadt. So reiste v. Bassewitz am 23. August als Landrat nach Schwerin und kehrte als neuer Staatsminister nach Bristow zurück. Seine offizielle Amtseinführung durch den Großherzog erfolgte am 1. Oktober 1901. Darüber hinaus wurde v. Bassewitz auch zum Minister für die auswärtigen Angelegenheiten und Bevollmächtigten beim Bundesrat sowie zum Minister des Innern und des Großherzoglichen Hauses ernannt. In seiner Amtszeit widmete er sich der Förderung der Landwirtschaft und der Vieh- und Pferdezucht sowie zahlreicher Verkehrsprojekte in Mecklenburg. Er wirkte an der Realisierung der Eisenbahnfährverbindung von Warnemünde nach Gedser mit, die im September 1903 in Anwesenheit des dänischen Königs und des Großherzogs Friedrich Franz IV. als bis dahin größtes Unternehmen dieser Art in Europa ihrer Bestimmung übergeben wurde. Als Außenminister vertrat er das Land u.a. bei den Verhandlungen über die Rückführung von Wismar aus der hundertjährigen Verpfändung an Schweden. Unter seiner Ägide wurden das Landeskulturamt und die Handelskammer gegründet und die Kliniken Sachsen- und Lewenberg in Schwerin, in Gehlsheim sowie das Krankenhaus der Universität Rostock errichtet. Außerdem erhielt das Geheime und Hauptarchiv 1911 einen Neubau in der Graf-Schack-Allee.

Der Minister engagierte sich zudem in verschiedenen Vereinen, war Vorsitzender des Landesvereins des Deutschen Roten Kreuzes, 1906 Mitbegründer und Präsident des Heimatbundes Mecklenburg und bis zu seinem Tod auch Mitglied des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, dem er viele Jahre als Präsident vorstand.

Ein ungelöstes Problem, das v. Bassewitz über seine gesamte Regierungszeit verfolgen sollte und Ende 1913 zum Rücktritt des Kabinetts führte, war die Reformierung der alten landständischen Verfassung, die der Integration des Landes in das Deutsche Reich und der Einführung einer modernen Staatsverwaltung entgegenstand. Der Minister hatte sich im Verfassungskonflikt zwischen dem Großherzog und den Ständen „nach schweren innern Kämpfen“ dazu entschlossen, dem Großherzog im Ringen um eine mecklenburgische Verfassungsreform „zur Seite zu stehen“. Seit 1905 war er intensiv in die Ausarbeitung einer zeitgemäßen Verfassung und die Verhandlungen mit den Ständen involviert. Im Mittelpunkt standen dabei u.a. die Reformierung des Wahlrechts, des Finanzsystems, die Bildung eines einheitlichen Staatsvermögens, einer neuen Landesvertretung sowie die Klärung der künftigen Stellung der Stände. Die auf den außerordentlichen Landtagen in Schwerin 1908 und 1913 vom Großherzog vorgelegten Verfassungsentwürfe wurden jedoch nach zähen Debatten und wechselseitigen Blockaden von der Ritter- und Landschaft abgelehnt.

Das Scheitern der Reformbemühungen empfand v. Bassewitz auch als eine persönliche Niederlage, und so reichte er dem Großherzog sein Rücktrittsgesuch ein, in dem es hieß: „Fünf Jahre hindurch habe ich meine ganze Kraft eingesetzt, das von Ew. Königl. Hoheit übernommene Verfassungswerk zur Durchführung zu bringen, in ganz besonderer Weise in den letzten Stadien der Verhandlungen mit den Ständen. Das Resultat war ein Mißerfolg“. Friedrich Franz IV. lehnte das Gesuch zunächst ab, bat ihn dann aber, bis Ende März 1914 noch im Amt zu bleiben und dankte v. Bassewitz „für die treue und aufopfernde Hingabe, mit der Sie Mir bei dem …, leider bisher noch erfolglos gebliebenen Werke der Änderung unserer Landesverfassung … zur Seite gestanden haben.“ Und die Rostocker Zeitung schrieb, v. Bassewitz habe sich „mit ehrlichem Wollen und ehrlichem aufrichtigen Streben für die Verfassung eingesetzt, ohne sich von Standesinteressen zurückhalten zu lassen, wie es ihm als Ritter hätte naheliegen können ... Die Rechte und Selbständigkeit des Einzelnen wohlverstehend, handelte er als bundesstaatlicher Vertreter im modernen deutschnationalen Geist.“

Auch sein Amtsnachfolger Adolf Langfeld sollte an der Verfassungsfrage scheitern, die erst mit der Novemberrevolution 1918 gelöst werden konnte.

Am 23. Februar 1921 starb Carl von Bassewitz-Levetzow kurz vor Vollendung seines 66. Lebensjahres an Herzversagen auf seinem Gut in Bristow.

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