rau von Herzog August d. J. : Mecklenburgerin verhalf Braunschweig zur Blüte

Sophie Elisabeth von Mecklenburg- Güstrow Repro: Landesbibliothek M-V
1 von 1
Sophie Elisabeth von Mecklenburg- Güstrow Repro: Landesbibliothek M-V

Es war die Prinzessin Sophie Elisabeth von Mecklenburg-Güstrow, die sich als dritte Frau von Herzog August d. J. buchstäblich zur Mutter des „Musenhofes“ entwickelte.

svz.de von
11. Dezember 2013, 19:01 Uhr

Braunschweig und Wolfenbüttel erlebten nach dem Niedergang während des Dreißigjährigen Krieges eine ungewöhnliche kulturelle Blüte. Davon waren das Theater, die Hofmusik und das gesamte geistige Leben betroffen. Wolfenbüttel wurde zum „Musenhof“ mit Beispielwirkung für ganz Deutschland. Als Schlüsselgestalt für diesen geistig-kulturellen Aufschwung ist eine Mecklenburgerin überliefert. Es war die Prinzessin Sophie Elisabeth von Mecklenburg-Güstrow, die sich als dritte Frau von Herzog August d. J. buchstäblich zur Mutter des „Musenhofes“ entwickelte.

Sie war überaus gebildet, schuf eigene Dichtungen sowie Kompositionen und zog viele Berühmtheiten bis hin zu Heinrich Schütz an den Hof. Damit schrieb sie Kulturgeschichte. Sophie Elisabeth wurde am 20. August 1613 in Güstrow geboren. Sie war die Tochter des reformierten Herzogs Johann Albrecht II. von Mecklenburg-Güstrow, der die Güstrower Linie stiftete, Enkelin des musikalisch begabten Herzogs Christoph von Mecklenburg und Ururenkelin des poetischen Herzogs Albrecht von Preußen. Ihre Mutter, Margarete Elisabeth, starb bereits 1616. Anschließend erlebte Sophie Elisabeth noch zwei Stiefmütter: Elisabeth von Hessen-Kassel und Eleonora von Anhalt- Bernburg, die ihre musische Erziehung stark förderten. Das reichte von der Sprachpflege über die Dichtkunst bis zum Erlernen mehrerer Instrumente und ersten eigenen Kompositionen.

Die Prinzessin sprach bald fließend Latein, Italienisch sowie Französisch, beherrschte das Lauten- sowie Gambenspiel und wurde Mitglied einer „Damensozietät“. Großen Anteil an dieser Ausprägung hatte auch William Brade, ein englischer Komponist, der nach Güstrow kam, wo er als herzoglicher Kapellmeister fungierte und den Unterricht für die musikalisch begabte Prinzessin Sophie Elisabeth übernahm. Beide verband ein produktives Lehrer-Schüler-Verhältnis. Daran konnte auch ein Schreiben des Grafen Ernst III. von Schaumburg nichts ändern, der vor Brade warnte als „muthwilligen, frevelhaften Gesellen“, der durch „Streikandrohung“ Gehaltserhöhung erpresst habe. Brade aber erwies sich in Mecklenburg als trefflicher Musikus, der in Güstrow gute Arbeit leistete und dem Sophie Elisabeth lebenslang verbunden blieb.

Doch diese Güstrower Idylle wurde jäh gestört, als der Dreißigjährige Krieg nach Norden kam. Nach der kaiserlichen Belehnung Wallensteins mit Mecklenburg erhob der siegreiche Feldherr der katholischen Liga Güstrow zu seiner Hauptstadt und vertrieb die herzogliche Familie. Die exilierte Prinzessin Sophie Elisabeth fand bis 1631 bei Moritz von Hessen Zuflucht, dem Vater einer ihrer Stiefmütter, der den Beinamen „Moritz der Gelehrte“ hatte. In dessen Obhut erweiterte sie ihre Bildung. Am 13. Juli 1635 wurde sie dann mit Herzog August von Braunschweig-Wolfenbüttel verheiratet, dem zuvor nach dem Aussterben des mittleren Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel das Fürstentum Wolfenbüttel zugefallen war. Der Fürst war 34 Jahre älter, das zweite Mal verwitwet und Vater von drei Kindern. Er galt damals „unter den frommen Fürsten als der gelehrteste und unter den gelehrten als der frommste Fürst“. Ihr Mann brachte bei Fortsetzung seiner vorherigen Studien und dem Ausbau seiner riesigen Bibliothek seinen Staat auf Vordermann. Sein liebster Aufenthalt aber war seine Bibliothek, die über 180 000 Bände zuzüglich der vielen Handschriften umfasste, eine der bedeutendsten Büchersammlungen der Welt. Seine junge Frau gebar ihm drei Kinder und ergänzte seinen musischen Anspruch am Hofe zunächst in Braunschweig und dann in Wolfenbüttel.

Herzogin Sophie Elisabeth prägte das Hofleben vor allem musikalisch. Da die Herzogin auf deutschsprachige Tradition achtete und die verbreitete Überbetonung des Fremden an ihrem „Musenhof“ stark einschränkte, wurde sie als erste Frau in die „Fruchtbringende Gesellschaft“ aufgenommen, der maßgeblichen deutschen Sprachgesellschaft des 17. Jahrhunderts. Als besonders musische Fürstin wurde sie damit ungeachtet der ausufernden Wirren und Nachwehen des Dreißigjährigen Krieges zu einer Beispielgestalt.

Nach dem Tod ihres Mannes 1666 zog sich die Herzogin-Witwe nach Lüchow im Wendland zurück, wo sie einen kleinen Hof unterhielt, sich für die Sozialfürsorge engagierte und Glaubensflüchtlingen Asyl gewährte. Sie dichtete und komponierte bis zuletzt und starb am 12. Juli 1676 in Lüchow, ihrem Alters- Refugium. Ihre letzte Ruhe fand die Fürstin in der Kirche Beatae Mariae Virginis in Wolfenbüttel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen