Gedenken I. Weltkrieg : Mecklenburger vor Verdun

1916 zogen deutsche Soldaten erstmals mit Stahlhelm in die Schlacht.  Repro: Richter
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1916 zogen deutsche Soldaten erstmals mit Stahlhelm in die Schlacht. Repro: Richter

Reserve-Jäger-Bataillon erlitt vor 100 Jahren bei Angriff in der Höhe von Fleury große Verluste

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24. Juni 2016, 00:00 Uhr

Mit etwa 300 Tagen Dauer war die Schlacht bei Verdun zwischen deutschen und französischen Truppen eine der längsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkrieges. Die Schlacht, die im Februar 1916 begonnen hatte, strebte in den Sommermonaten ihren Höhepunkten im Kampf um wichtige Geländeabschnitte zu. Neben dem Fort Vaux, welches nach dem Fort Douaumont im Juni 1916 durch deutsche Truppen erobert wurde, stand das Dorf Fleury im Fokus der deutschen Feldherrn.

Heute gehört Fleury zu den Orten des Ersten Weltkrieges, die zwar noch einen Bürgermeister haben – eine französische Tradition, aber oberirdisch nur noch durch Bodenerhebungen oder Gedenktafeln zu erkennen sind. Das französische Dorf wurde in den damaligen Kämpfen buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Mit der Einnahme von Fleury sollte die Ausgangslage zum Sturm auf die Stadt Verdun geschaffen werden, denn nur noch ein Hügel und wenige Kilometer trennten die deutschen Angreifer von ihrem Ziel.

Mit der Schlacht von Verdun veränderte sich auch die Ausrüstung und Ausstattung der deutschen Soldaten. Neben der Vereinfachung der Uniform – quasi zu einer Art Funktionsbekleidung – wurden den Infanteristen Werkzeuge wie große Schaufeln, Seitenschneider und Zangen an die Hand gegeben, um Geländeverstärkungen des Gegners zu überwinden. Die Einführung des deutschen Stahlhelms bildete jedoch die bedeutendste Veränderung – auch in der äußeren Erscheinung der Soldaten. Dieser Stahlhelm sollte die Gestalt des deutschen Soldaten im 20. Jahrhundert prägen.

Im Gegensatz zu Franzosen und Briten, die bereits 1915 einen Helm als Kopfschutz für ihre Soldaten einführten, konnte das deutsche Militär erst 1916 nachziehen. Allerdings war der deutsche Stahlhelm den alliierten Vergleichsmodellen in allen Belangen überlegen. Seine Form und der verwendete Chromnickelstahl schützten deutlich besser Gesichts-, Nacken- und Schläfenpartien des Kopfes. Mit diesem Helm zogen nun auch die mecklenburgischen Reserve-Jäger in das Gefecht:

„Die zum erstenmal benutzten Stahlhelme boten einen guten Schutz, sonst wären unsere Verluste weit größer gewesen“, schreibt Heinrich Feldmann in „Das Großherzogliche Mecklenburgische Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 14 im Weltkrieg 1914/18“.

„Am 22. Juni nachmittags erhielt das Bataillon den Befehl … am folgenden Tage an dem Angriff auf die Höhe von Fleury teilzunehmen. Über Brule-Schlucht und Fort Douaumont rückten die Kompagnien vor. Im Laufschritt und Gänsemarsch stürmte eine Kompagnie nach der anderen aus dem Fort heraus – in stockdunkler Nacht. Immerfort hörte man das Stöhnen und Wimmern von Verwundeten, die rechts und links vom Wege lagen; auch vernahm man das unterirdische Rufen von Verschütteten – aber zum Helfen war keine Zeit. Vor uns, hinter uns, rechts und links von uns platzten die Schrapnells und schlugen Granaten ein – eine Nacht des Schreckens!“

Am frühen Morgen erstürmt das Bataillon mit anderen deutschen Truppen unter großen Verlusten den Ort Fleury. Weiter schreibt der Autor: „In der erreichten Zielstellung brachte uns zunächst wieder die eigene Artillerie schwere Verluste bei. Ihr Feuer, das bereits seit 8.20 Uhr auf den Raum südlich unseres Zieles überspringen sollte, zwang uns, unsere Linie 100 m zurückzunehmen; auch hier trafen uns noch viele Einschläge der schweren Mörser.“

Die Mecklenburger Reserve-Jäger haben in den Tagen ihres Einsatzes vom 22. bis 25. Juni 1916 hohe Verluste: 11 Offiziere und 244 Jäger fallen oder werden verwundet; 98 Jäger sind vermisst.

Während der Schlacht von Verdun wechselte die Ortschaft in den Kämpfen insgesamt 16-mal den Besitzer. Heute ist das Museum von Fleury Bestandteil des Areals um das berühmte Gebeinhaus von Verdun, das an die Schlacht von Verdun erinnert und an die Toten mahnt. Am 28. Mai 2016 gedachten der französische Staatspräsident Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel der Gefallenen der Schlacht auf der deutschen Kriegsgräberstätte Consenvoye bei Verdun.  

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