1. Weltkrieg : Mecklenburger Reservisten in Tirol

Ein Jäger des 1915 aufgestellten Alpenkorps  Repro: Richter
Ein Jäger des 1915 aufgestellten Alpenkorps Repro: Richter

Wie ein Bataillon aus dem flachen Norden seinen Dienst im Hochgebirge antrat: Soldaten waren in mitunter verlustreiche Kämpfe verwickelt

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26. November 2015, 11:14 Uhr

Im Zeitalter der Millionenheere bildete die Wehrpflicht eines der wesentlichen Instrumente, um einen großen Teil der männlichen Bevölkerung militärisch auszubilden. Das andere Element stellte das System der Reserve dar, das in den europäischen Großmächten sehr unterschiedlich zur Ausprägung kam. Es diente dazu, aktive Truppenteile auf die sogenannte Kriegsstärke zu bringen und nichtaktive Einheiten zu mobilisieren, das heißt mit Soldaten der Reserve aufzufüllen.

Im Kaiserreich umfasste die Zeit zur Ableistung des Wehrdienstes vor dem Ersten Weltkrieg je nach Truppengattung zwei bis drei Jahre. Während ein junger Mann bei der Infanterie nach zwei Jahren seiner Pflicht als Soldat Genüge getan hatte, diente er zum Beispiel bei der kaiserlichen Marine drei Jahre. Bis zum 35. Lebensjahr gehörten die Männer dann zur Reserve, jederzeit war eine Einberufung zur aktiven Truppe möglich. Danach folgte die Überstellung zur „Landwehr“ bis zum 45. Lebensjahr, womit die Wehrpflicht formal endete. Im Anschluss wurde der Reservist im „Landsturm“ weiter in der Wehrüberwachung erfasst.

Das deutsche Reich mobilisierte zu Kriegsbeginn zahlreiche nichtaktive Regimenter und Bataillone. Zu ihnen gehörten das mecklenburgische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 90 und das mecklenburgische Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 14. Im Frieden bestand das Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 14 nur aus zwei Offizieren und 35 Unteroffizieren und Mannschaften. Diese „Rumpfmannschaft“ war dem aktiven mecklenburgischen Jäger-Bataillon Nr. 14 in Kolmar zugeordnet. Mit Kriegsbeginn erfolgte die Mobilmachung des Bataillons, wobei aufgrund der spannungsreichen Lage das gesamte Material per Bahn von Kolmar nach Neu-Breisach in Baden gebracht wurde.

Wie beim aktiven Jäger-Bataillon Nr. 14 erfolgte zunächst der Einsatz des Reserve-Jäger-Bataillons an der Vogesenfront und bis Frühjahr 1915 in Nordfrankreich. In der Zwischenzeit war auch in der Alpenregion eine neue Front zwischen Österreich-Ungarn und Italien entstanden. Italien, das vor Kriegsbeginn Mitglied des sogenannten Dreibundes war, ein Bündnis dem außerdem Österreich-Ungarn und Deutschland angehörten, wechselte auf die Seite der Entente. Deutschland unterstützte Österreich an dieser schwierigen Hochgebirgsfront mit speziellen Truppen, dem sogenannten „Alpenkorps“. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte man auf die Aufstellung deutscher Gebirgstruppen verzichtet. Doch die großen Verluste der österreichischen Gebirgstruppen in Galizien änderten die Lage. Da nun Truppen fehlten, war Österreich im Tiroler und Kärntner Alpenraum gegen den neuen Gegner Italien in große Bedrängnis geraten. Wenige Tage vor dem Übertritt Italiens zur Entente wurde die Aufstellung des Alpenkorps am 15. Mai 1915 verfügt. Das Deutsche Alpenkorps setzte sich aus Truppen zusammen, die besonders für den Kampf im gebirgigen Gelände ausgebildet wurden. Diesem Verband teilte man auch das Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 14 zu. Am 20. Mai 1915 wurden die Mecklenburger Reserve-Jäger aus Nordfrankreich nach Bayern verlegt. In wenigen Tagen wurde das Bataillon nach den schweren Kämpfen in Nordfrankreich wieder aufgefüllt und für den Krieg im Hochgebirge vorbereitet. Am 27. Mai folgte der Abtransport an die Tiroler-Front. Dazu schreibt der Chronist Heinrich Feldmann in dem Buch „Das Großherzogliche Mecklenburgische Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 14 im Weltkrieg 1914/18“: „Wir waren stolz darauf, dass ausgerechnet Mecklenburger Jäger, die außer den Vogesen noch kein Gebirge gesehen hatten, zur Verwendung im Hochgebirge auserwählt waren. Am 27. Mai verließen wir unsere schönen, bayerischen Dorfquartiere; …Das Verladen ging glatt von statten, und um 7 Uhr abends fuhren wir schon durch München, weiter nach Rosenheim. Am 28. Mai erreichten wir im Morgengrauen Innsbruck. Welche Augen machten wir Norddeutschen, als wir zum ersten Mal eine Hochgebirgslandschaft vor uns hatten! … In brausender Fahrt ging es wieder bergab durch unzählige Tunnels über Gossensaß, Sterzing nach Franzensfeste, weiter durch das Eisack-Tal über Brixen, Klausen nach Bozen. Den ganzen Tag über begegneten uns Züge mit Flüchtlingen von der italienischen Grenze; … wir wurden abends in Auer ausgeladen. … Bei strömendem Regen marschierten wir auf steiler Serpentinenstraße nach dem 700m hoch gelegenen Montan, wo wir um Mitternacht eintrafen und uns müde auf unser Heulager warfen.“

Die Soldaten wurden noch einige Wochen in ihrem neuen Einsatzgebiet ausgebildet. Bis zum Oktober 1915 zogen sich für die Mecklenburger Reservisten die mitunter verlustreichen Kämpfe im Tiroler Hochgebirge hin. Die Kriegslage erforderte im Winter 1915/16 die Verlegung an die serbische Front.  

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