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Adolf Friedrichs : Mecklenburger Herzog als Gouverneur in Togo

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Afrika-Erfahrungen Adolf Friedrichs waren bei der Leitung der Kolonie gefragt

von
erstellt am 24.Sep.2016 | 00:00 Uhr

Nach seinen großen Afrika-Expeditionen erhielt Adolf Friedrich zu Mecklenburg zahlreiche Auszeichnungen und viel Aufmerksamkeit. Das lag auch an den Büchern, die er am Südufer des Schweriner Sees in Raben Steinfeld geschrieben hatte. 1912 waren die Erfahrungen des Herzogs erneut gefragt: Er erhielt den Posten des Gouverneurs im westafrikanischen Togo, einer kleinen Kolonie, die er bis 1914 leitete.

Zum Zeitpunkt des Dienstantritts Adolf Friedrichs zu Mecklenburg war die Kolonie bereits ein geordneter und entwickelter „kleiner Staat“. 30 Jahre zuvor, als das Deutsche Reich Togo in Besitz genommen hatte, hatte dort noch die Sklaverei geherrscht und die Lage im Fadenkreuz englischer und deutscher Handelsinteressen für Spannungen gesorgt. Als der Landeshäuptling starb, kam es zu erheblichen Unruhen. Die Bevölkerung wandte sich an Kaiser Wilhelm, der Gustav Nachtigal entsandte, Land und Bevölkerung unter deutschen Schutz zu stellen. Eine positive Wirtschaftsentwicklung trug Togo den Beinamen „Musterkolonie“ ein.

Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg wurde in der Hauptstadt Lome begeistert empfangen. Die Infrastruktur war, wie bereits erwähnt, gut. Es gab Schulen für die Einheimischen, Ingenieure trieben den Bau von Straßen und Eisenbahnen voran, was bei den Einheimischen durchaus mit Wohlwollen betrachtet wurde – im Gegensatz zu manch anderen Kolonien, wovon Deutschland ja noch drei in Afrika hatte. Aufgrund seiner Erfahrungen mit Afrikanern und seinem unvoreingenommenen Umgangsstil machte sich der Schweriner Herzog schnell beliebt. Noch bis heute ist sein Name in Togo bei vielen bekannt. Adolf Friedrich unternahm des Öfteren Reisen ins Hinterland, besuchte Dörfer und machte die Bekanntschaft mit Häuptlingen, wovon er sich so manchen zum Freund machte. Aufgrund der Kleinheit Togos war es natürlich viel einfacher, persönliche Kontakte zu pflegen und Entwicklungsprojekte zielstrebig voranzutreiben. Die Jahre des Herzogs in Lome waren die letzten der deutschen Kolonialzeit, denn noch während seiner Amtszeit brach der 1. Weltkrieg aus, in dessen Folge Deutschland sämtliche Kolonien verlor.

In diesen beiden Jahren gab es viele wirtschaftliche Erfolge: Mehrere Eisenbahnlinien waren fertiggestellt worden, dazu eine Funkstation, die Afrika mit Deutschland verband. Der gesamte Binnenhandel blieb in den Händen der Togolesen, die über die Bahnlinien, die sogenannte Kakao- und Kokosnussbahn, ihre Erzeugnisse zügig an die Küste bringen konnten. Der Außenhandel lag jedoch in den Händen der Europäer.

Gleich nach Kriegsausbruch 1914 meldete sich der Herzog zu Mecklenburg zum Wehrdienst und kam zunächst an die Westfront. Später wurde er nach Persien versetzt, wo er aufgrund seiner frühen Orientreise sich gut einleben konnte. Gegen Kriegsende diente er in Rumänien und Bulgarien. 1918 heiratete er Feodora Prinzessin Reuss-Gera, die bei der Geburt der Tochter starb. 1924 heiratete er Elisabeth Prinzessin von Stolberg-Rossla.

Togo blieb der Herzog auch nach seinem Abschied als Gouverneur verbunden. Eine besondere Überraschung gab es in den sechziger Jahren, als eine Delegation von togolesischen Häuptlingen nach Eutin reiste, um den Afrikaherzog noch einmal zu besuchen. Der hohe Besuch kam in voller Montur mit traditioneller Kleidung. Es war ein emotionales Wiedersehen nach all den Jahrzehnten. Es zeugt aber auch von der menschlichen Wärme, die unter den Senioren herrschte und der Dankbarkeit dem ehemaligen Gouverneur gegenüber.

Armin Püttger-Conradt

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