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Hermann Koch : Maler vortrefflicher Frauenporträts

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hermann Koch stammte aus Mecklenburg und machte später in Bayern Karriere

Die Künstlerchronik von Frauenchiemsee, dem bayerischen Meer, verwahrt unter anderem eine Zeichnung von August Wilhelm Dieffenbacher (1858-1940). Im Bilde steht auf der kleinen Insel eine lange Gestalt und schaut, offenbar nicht erfreut, hinüber zum Schiffssteg. Dort naht ein neuer Gast, ein Maler! – Im ersten Frühjahr als Maler noch allein Herr des ganzen Gebietes zu sein, mag wohl viel Angenehmes haben und so lässt es sich begreifen, wenn Hermann Koch die Ankunft seines Kollegen Dieffenbacher, der die Einsamkeit zu stören versucht, nicht allzu freundlich begrüßt: „Jessas! Da kommt schon wieder a Moler!!“ Dieffenbacher rächte sich später mit der Zeichnung an dem Freund, dessen hochgewachsene Figur allerdings nicht im richtigen Verhältnis zur kleinen Insel steht.

Der dargestellte Maler Hermann Koch, dem Dieffenbacher auf der Bildunterschrift bayerischen Dialekt in den Mund legt, war ein Mecklenburger. Geboren wurde der am 22. November 1856 in Dömitz und am Neujahrstage des Jahres 1857 in der alten Johannes-Kirche des Elbestädtchens auf den Namen Friedrich August Herrmann, mit zwei „r“, getauft. Hermann Koch war der Sohn des Architekten Friedrich Koch und seiner Ehefrau Theodore Sophie Elisabeth Böttcher. Der mecklenburgische Staatskalender gibt Auskunft über den in Diensten des Großherzogs stehenden Vater. 1844 wird Friedrich Koch als Bauconducteur in (Bad) Sülze, 1851 in Wismar und 1853 in Lübtheen genannt, 1856, im Geburtsjahr von Hermann, ist er Districtbauconducteur in Dömitz, vier Jahre später Baumeister der Badeanstalten in (Bad) Doberan, 1859 in Dargun und seit 1864 Landbaumeister in Güstrow. Am 2. November 1894 stirbt der inzwischen zum Baurat ernannte Dr. phil. Friedrich Koch in Schwerin.

Der eher „zufällig“ in Dömitz geborene Hermann Koch verlebte also seine Kindheit und Jugend in Doberan, Dargun und Güstrow. Frühzeitig erkannte und förderte Vater Koch das künstlerische Talent des Sohnes. So empfing Hermann Koch in Güstrow die erste zeichnerische Ausbildung durch den Vater. Als dieser ihm nichts mehr beizubringen vermochte, entschloss sich Hermann Koch, ein Studium aufzunehmen.

Er verließ Mecklenburg und begab sich nach Bayern. 1875 nahm Hermann Koch ein Studium bei August Kreling (1819-1876) als Bildhauer an der Nürnberger Kunstschule auf. Die Bildhauerei muss nicht so recht sein Fach gewesen sein, denn bereits am 12. Oktober 1877 ließ sich Hermann Koch unter der Nummer 3454 als Malschüler für das Kunstfach „Naturklasse“ an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste zu München immatrikulieren. Hier waren Professor Ludwig Löfftz (1845-1910) und der Historienmaler Wilhelm Lindenschmit (1829-1895) seine Lehrer.

Der Einfluss Lindenschmids ist dann auch unverkennbar bei Hermann Kochs erstem größeren Gemälde: „Tintoretto, die Leiche seiner Tochter malend“. Mit diesem ausdrucksvollen Bild debütierte Koch 1883 auf der Münchener Internationalen Ausstellung im Glaspalast. Das Bild ging über in den Besitz der Art Gallery Sunderland in England.

Hermann Koch ließ sich in München nieder, heiratete und wurde Vater zweier Kinder. Die Familie bezog eine Wohnung in der Theresienstraße. Als Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft beschickte Hermann Koch vornehmlich die Glaspalast-Ausstellungen. Zwischen 1883 und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 entstanden seine wichtigsten Arbeiten, die immer wieder durch Holzschnittproduktionen in Zeitschriften wie „Gartenlaube“, „Leipziger Illustrierte Zeitung“ und „Über Land und Meer“ weite Verbreitung fanden. Neben den Ausstellungen in München war Hermann Koch in den Galerien in Berlin, Dresden, Düsseldorf und Wien vertreten. Von seinen frühen Gemälden sind zu nennen „Ingeborg am Meer mit dem Falken auf der Schulter“ (1886) und „Das Echo. Lauschende jungfräuliche Gestalt im Walde“ (1888), die beide 1888 auf der III. Internationalen Kunstausstellung in München gezeigt wurden. Die Bilder verkauften sich gut. „Ingeborg“ ging an die Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898), die durch kitschige Filme bekannte „Sissi“, und „Das Echo“ erwarb die mecklenburgische Kunstsammlung in Schwerin. Seit 1945 wird dieses Gemälde in Schwerin als Kriegsverlust geführt. Hermann Koch wird der kunstgeschichtlichen Epoche der „Münchener Schule“ zugerechnet und war besonders durch die Historienmalerei des Karl Piloty (1826-1886) beeinflusst. Deshalb herrschen in seinen Bildern kirchliche und geschichtliche Motive vor. Am bekanntesten sind die Arbeiten, die während seines Studienaufenthaltes auf der Fraueninsel im Chiemsee entstanden.

Hermann Koch war ein sehr fleißiger Maler und Zeichner. Er malte Historien und Genres, auch eine ganze Reihe vortrefflicher Frauenporträts und Blumen- und Früchtestillleben. Umso mehr muss es verwundern, dass Zeugnisse seiner Kunst heute kaum noch auffindbar sind. Von Hermann Kochs Hauptwerken, außer den hier genannten, die in seiner Chiemsee-Zeit entstanden, konnte der heutige Verbleib nicht nachgewiesen werden. Was mag aus den Bildern der Kaiserin von Österreich oder des Prinzregenten von Bayern geworden sein? Wo ist heute das Eigentum der „Münchener Künstlergenossenschaft“, das 1939 die Nationalsozialisten beschlagnahmten? All diese Fragen blieben bisher unbeantwortet.

Nur noch einmal, 1979, tauchte in München ein Ölgemälde von Hermann Koch auf: „Liebespaar im Frühling“ mit dem Panorama der Fraueninsel im Hintergrund. Ein Kunsthändler ersteigerte das Bild für 4700 D-Mark. Nachweislich stellte Hermann Koch 1922 letztmalig im Glaspalast aus. Dann wurde es still um den Maler, der, einst hochgeehrt und dann vergessen, am 19. Juli 1939 in München starb.

Hartmut Brun

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