Rudolf Bartels : Maler des Lichts

Die „Obstbaumblüten“ malte Rudolf Bartels im Jahr 1914. Das Bild befindet sich im Bestand der Kunstmühle Schwaan, in der zahlreiche Werke des Malers zu sehen sind.
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Die „Obstbaumblüten“ malte Rudolf Bartels im Jahr 1914. Das Bild befindet sich im Bestand der Kunstmühle Schwaan, in der zahlreiche Werke des Malers zu sehen sind.

Einer der wichtigsten Mecklenburger Künstler: Heute jährt sich der Todestag des Schwaaners Rudolf Bartels zum 75. Mal.

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16. Februar 2018, 00:00 Uhr

Der Name von Rudolf Bartels steht auf der Liste der Persönlichkeiten der Stadt Schwaan. Hier trug der Mecklenburger zum Ruf der Malerkolonie bei, hier schuf er Stillleben, Porträts und zahlreiche Landschaften, denen allerdings zu seinen Lebzeiten die große Anerkennung versagt blieb. Heute gehört Bartels wegen seiner Formklarheit, seines Abstraktionsvermögens und seines koloristischen Könnens zu den bedeutendsten Künstlern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mecklenburg wirkten. Zahlreiche Kunstwissenschaftler haben sich mit dem Wirken Bartels’ beschäftigt. Besondere Verdienste bei der Erschließung seines Werkes erwarben nach Johann Joachim Bernitt in den 50er-Jahren Ruth Negendanck und Lisa Jürß.

Rudolf Bartels wurde am 10. November 1872 in Schwaan geboren. Sein Vater Carl übernahm nach 1860 eine Töpferei in der Bergstraße von Schwaan. Er produzierte hauptsächlich Geschirr sowie Ofenkacheln und erbaute für seine wachsende Familie in der heutigen Bützower Straße 51 ein neues Haus. Sohn Rudolf, der noch vier Geschwister hatte, absolvierte eine Lehre als Dekorationsmaler und ging ab 1892 für einige Jahre quer durch Deutschland bis in die Schweiz auf Wanderschaft. Nach seiner Rückkehr machte er die Bekanntschaft von Franz Bunke, der ebenfalls aus Schwaan stammte, an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar als Lehrer wirkte und mit seinen Studenten regelmäßige Sommerkurse in seiner Heimatstadt abhielt. Andere Kunstinteressierte wie Bartels gesellten sich zu diesem Kreis und bildeten bald die Schwaaner Malerkolonie. Bunke war von der Begabung des Dekorationsmalers beeindruckt, empfahl ihm ein Kunststudium in Weimar. Danach weilte der junge Mann ab 1900 rund acht Jahre in Weimar, wo er vor allem durch Theodor Hagen geprägt wurde.

Bartels folgte in der Herangehensweise und Naturbezogenheit seinem Lehrer, gehörte in den Sommerwochen oft an der Seite Bunkes mit intensiven Naturstudien zur Schwaaner Malerkolonie. 1908 kehrte der Hagenschüler dann in seine Vaterstadt zurück, wirkte fortan als freischaffender Künstler und wurde Mitglied der „Mecklenburgisch-Pommerschen Künstlervereinigung“.

In seiner künstlerischen Entwicklung machte er große Fortschritte. Nach der tonigen Freilichtmalerei der frühen Jahre übernahm er nun die Eigenheiten des Impressionismus. Das führte „zu einer flächigen Malweise mit faszinierender Leuchtkraft“ und ungewöhnlichen Bildgestaltungen, die nur von wenigen Kunstfreunden verstanden wurden. Die Personalausstellung von 1912 in Rostock, auf die seine Hoffnungen für den Durchbruch ruhten, war deshalb eine Enttäuschung. Dann kam der erste Weltkrieg. Bartels wurde Soldat. Seine Mutter starb. Die Bartelskinder verkauften 1917 das Elternhaus. Der Maler zog danach nach Rostock, wo er mit Zugeständnissen an den Kunstgeschmack mehr Käufer für seine Bilder erreichen wollte.

In den Goldenen Zwanzigern fand er bei intellektuellen Kunstfreunden mehr Verständnis bis hin zur Finanzierung einer Studienreise nach Süddeutschland, Tirol und Italien, wo ihn die Farbenpracht und das südliche Licht begeisterten. Dieses Erlebnis inspirierte ihn neu. Doch nach der Teilnahme an der 22. Jahresausstellung der Rostocker Künstler 1931 endete der kurze Höhenflug. Die Machtergreifung der Nazis, die er ablehnte, sorgte für weiteren Verdruss. Einige Bilder von Bartels galten als „entartet“. Da der Künstler strikt den Hitlergruß verweigerte und sich kritisch äußerte, kam er kurzzeitig in Haft. Er stand jetzt mit seiner Malerei im Abseits, lebte zuletzt ohne Atelier in der Grubenstraße 29a und wurde zudem von einem Nervenleiden heimgesucht. Bartels starb am 16. Februar 1943 in Rostock. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Neuen Friedhof. Das Grab wurde um 1960 eingeebnet.

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