Gustav Lierow : Lohmens dichtender Pfarrer

Das Innere der Lohmener Kirche um 1900
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Das Innere der Lohmener Kirche um 1900

Von Fritz Reuter bis Ludwig Reinhard: Gustav Lierow pflegte Kontakte zu zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit

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14. April 2018, 00:00 Uhr

Wenn für den Gottesdienst in der Dobbertiner Klosterkirche ein Vertreter gebraucht wurde, war für die Klosterdamen eins klar: Der Herr Pfarrer Lierow soll es machen. Denn der konnte so schön predigen! Lierow hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Wirkungsort in Lohmen, wo er durch seine Freundlichkeit und seinen Humor zu einer beliebten Persönlichkeit geworden war. Nur mit dem Plattdeutschen hatte er es nicht so – aber was machte das schon?

Dabei waren die Lohmener Bauern anfangs skeptisch gewesen, als auf den 1838 gestorbenen Pastor Heinrich Zander ein so junger Mann folgte, noch dazu, weil man ihnen mit Lierow einen Sohn des Gutsherrn aus dem kleinen Nachbarort Spendin auf die Kanzel stellte. Aber der Dobbertiner Klosterhauptmann Carl Peter Baron von Le Fort setzte sich durch. Hatte doch das Kloster seit 1234 das Archidiakonatsrecht auch über die Kirche zu Lohmen inne, zu dem neben allen baulichen Angelegenheiten auch die Bestallung und Bezahlung der Pastoren gehörte. Außerdem gewöhnten sich die Lohmener schnell an Lierow, gewannen ihn lieb und behielten ihn 53 Jahre lang bis zu seinem Tode. Denn nach mecklenburgischer Tradition meinten auch die Alteingesessenen: „Wat wie hebben, dat weiten wi, oewer wat wi kriegen, dat weiten wi nich.“

Wer aber war nun dieser Mann, der in so jungen Jahren Pastor wurde? Gustav Lierow wurde am 30. Januar 1813 in Spendin geboren. Sein Vater Hartwig Christoph Lierow hatte das nördlich von Dobbertin gelegene Klostergut gepachtet. Von seinen drei Söhnen sollte einer Pastor, einer Beamter und einer Landwirt für die Gutsnachfolge werden – waren die Lierows doch schon mehr als 70 Jahre Gutspächter in Spendin. Die Kinder erhielten Privatunterricht beim Hauslehrer Zander und dem Klosterpastor im Dobbertiner Klosteramtshaus. Täglich gingen sie den zwei Kilometer langen Feldweg von Spendin aus in Holzpantoffeln nach Dobbertin.

Nach dem Gymnasium 1828 in Güstrow und dem Theologiestudium in Berlin legte Gustav an der Universität in Rostock 1835 sein Examen ab. Dort kam es auch zu den ersten Begegnungen mit John Brinckman, der später vier Jahre Hauslehrer beim Klosterhauptmann Baron von Le Fort sein sollte. Nach Ende des Studiums und einer Hauslehrerstelle in Ruthen bei Lübz wurde Gustav Lierow zum Pastor in Lohmen bestellt. Zu diesem Zeitpunkt war sein älterer Bruder schon zwölf Jahre als Amtsschreiber und Amtsactuar beim Klosterhauptmann in Dobbertin tätig gewesen.

Der Scherenschnitt zeigt  Gustav Lierow, einen Mann von vielen Talenten.
Der Scherenschnitt zeigt Gustav Lierow, einen Mann von vielen Talenten.
 

Als Dorfpastor konnte sich Lierow im großen Pfarrgarten und am Lohmer See schriftstellerisch betätigen. 1842 brachte er seinen ersten Gedichtband „Lyrische Gedichte“ heraus. Ein Exemplar gelangte sogar in die Schweriner Großherzogliche Privatbibliothek der Großherzogin Alexandrine. Es befindet sich heute in der Mecklenburgischen Landesbibliothek zu Schwerin.

Als der kränkelnde John Brinckman im Mai 1842 aus Amerika zurückkehrte, fand er bei seinem Studienfreund Gustav Lierow im Lohmener Pfarrhaus erste Aufnahme in Mecklenburg. Der Heimkehrer konnte sich dort gut erholen und gemeinsam arbeiteten beide schriftstellerisch am „Mecklenburgischen Album“, das John Brinckman danach herausgab. Lierows „Christliche Zeitlieder“ mit Gedichten christlichen Inhalts erschienen noch 1842. Der Pastor pflegte in diesen Jahren zahlreiche Kontakte zu Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Fritz Reuter und Ludwig Reinhard.

Auch als Baumeister seiner Kirche und des Pfarrhauses machte sich Lierow einen Namen. In den Jahren 1872 bis 1874 gaben die Dobbertiner Klostervorsteher die umfassende Innenrestaurierung der Lohmener Patronatskirche in Auftrag. Dabei wurden alte Gewölbe- und Wandmalereien entdeckt. Der Geheime Archivrat Lisch reiste aus Schwerin an und weitere Experten nahmen sich der Restaurierung der Malereien an. Schließlich kam sogar Großherzog Friedrich Franz II. persönlich, um sich die Lohmener Bilder anzusehen. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 18. Juni 1874.

Nur wenige Monate später, im November, ereilte den Pastor ein großes Unglück. Bei einem Brand des Pfarrhauses wurden neben seinen Liedern und Gedichten auch alle handschriftlichen Aufzeichnungen zur Geschichte der Kirche und der bis 1874 erfolgten Restaurierung vernichtet. Wieder wurde Pastor Lierow Bauleiter – und schuf mit den Handwerkern des Dobbertiner Klosterbauhofs das heutige Pfarrhaus mit beiden Pfarrscheunen.

Als Kirchenrat starb Gustav Lierow 79-jährig am 22. Februar 1891 in Lohmen, wo sich seine gepflegte Grabstätte auf dem Friedhof befindet.
 

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