Flaggschiff der Hanse : „Lastesel der Hanse“ auf Zeitreise

Zeitreise im wahrsten Sinne des Wortes: die „Wissemara“ auf großer Fahrt
Zeitreise im wahrsten Sinne des Wortes: die „Wissemara“ auf großer Fahrt

Förderverein „Poeler Kogge“ vermittelt spannende Einblicke in die traditionelle Seefahrt

svz.de von
07. Juli 2018, 00:00 Uhr

Sie war das Flaggschiff der Hanse und sorgte für einen florierenden Seehandel. So befuhren die großräumigen Koggen kühn und unerschrocken die Nord- und Ostsee und bildeten die Grundlage für den in der Hansezeit so typischen Seetransport von Massengütern. Die Schiffe waren im Schnitt 25 Meter lang, acht Meter breit und besaßen eine enorme Tragfähigkeit.

Die Kogge war als ein reines Transportschiff konzipiert. Allerdings war sie nur bedingt wendig, sobald sie mit Waren voll beladen war. Denn das Schiff besaß kaum Kiel, ließ sich schwer navigieren und konnte nur mit dem Wind fahren. Jedoch konnte es bei Ebbe „trocken“ fallen, ohne umzukippen. Damals wurden die Koggen auch „die Lastesel der Hanse“ genannt.

Die Fertigung einer Kogge war im Vergleich zu anderen Schiffstypen der damaligen Zeit eher einfach. So wurden Baumstämme mithilfe einer Säge in Streifen geschnitten und zu Planken weiterverarbeitet. Auf diese Art konnte der Großteil des wertvollen Rohholzes verbaut werden.

Taucher finden in den Tiefen der Ostsee noch heute Wracks, die diese effektive Bauweise aufzeigen. Eines wurde 1997 vor der Insel Poel gesichtet und zwei Jahre später erfolgreich geborgen. Der Fund aus dem 14. Jahrhundert war eine spezielle Variante einer Kogge, die in einem sehr guten Zustand erhalten war. Untersuchungen zeigten, dass das Schiff um das Jahr 1354 aus geschlagenem Kiefernholz gebaut wurde. Es hatte eine Länge von 31 Metern und besaß eine Ladekapazität von mehr als 200 Tonnen. Ob es als Beleg für die Existenz einer „baltischen Kogge“ gewertet werden kann, ist jedoch in Expertenkreisen strittig.

Der Fund löste in Wismar große Begeisterung aus, im Jahre 2000 wurde der Förderverein „Poeler Kogge“ gegründet, der im Jahre darauf den Nachbau des Seglers beschloss. Peter Samulewitz, inzwischen erster Kapitän und Büroleiter des Vereins, erinnert sich an den hoffnungsvollen Aufbruch. Andere Koggennachbauten, Wrackfunde und historische Quellen wurden studiert, Geld gesammelt und schon im Jahre 2006 war der stolze Segler fertig. Getauft wurde er auf den Namen „Wissemara“. „Mit einer Länge von 31,5 Metern, einer Segelfläche bis zu 276 Quadratmetern und einer Ladekapazität von 230 Tonnen gehört sie zu den großen Schiffen“, betont der Kapitän.

Der Förderverein vermittelt bei den angebotenen Besichtigungen im Alten Hafen von Wismar Fakten zur historischen Koggenbautechnik, zur maritimen Traditionspflege und zum Segeln eines Traditionsschiffes. Heute hat der Verein, der 325 Mitglieder zählt, drei Kapitäne, die die Kogge durchs bewegte Meer steuern dürfen. Gerhard Stranz ist seit Januar 2017 dabei, in zwei Jahren hat der ehemalige Bootsmann der Hochseefischerei die Ausbildung absolviert.

Er wollte nach Eintritt in den Ruhestand eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung finden, berichtet der stolze Seemann. „Eine Kogge hat ganz besondere Seeeigenschaften, sie ist schwierig, aber zu beherrschen und macht letztlich das, was sie soll.“ Ein Abenteuer bleibt jede Ausfahrt trotzdem. Genau wie damals, als die Koggen der Hanse zu ihren Handelsfahrten aufbrachen. Stürme, Piraten, Zwistigkeiten mit den Landesherren ließen so manch eine Kogge nicht am Ziel ankommen. Sie wurden gekapert, verschleppt oder erlitten Schiffbruch. Aber die Erbauer hatten auch die Wehrhaftigkeit bedacht.

So wurde die Kogge unterhalb der Mastspitze mit einem „Krähennest“ versehen, hinten mit dem Achternkastell ausgerüstet, und vorne hatte manch ein Frachter noch ein Bugkastell. So vermochten die Schiffer das Meer weit zu überblicken und Gefahren rasch zu erkennen. Die Kogge war ein wertvolles Objekt, ihr Betrieb war teuer und aufwendig. Aber ihre hohe Ladekapazität, die Bauchigkeit sowie der geringe Tiefgang machten die Koggen damals zum Erfolgsmodell.

Die „Wissemara“, die dem vor der Insel Poel gesunkenen Schiff nachempfunden ist, zeigt in einzelnen Konstruktionselementen deutliche Parallelen zu den Schiffen der Wikinger und Slawen. Sie gilt heute als der größte in Europa vorhandene Nachbau einer mittelalterlichen Kogge. Wer einmal das besondere maritime Flair erleben möchte, kann mit der „Wissemara“ einen Segeltörn unternehmen. Mehrmals wöchentlich starten vom Wismarer Hafen aus die Ostseefahrten.
 

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