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Ölmühle Wiligrad : Lass knacken die Walnuss!

vom
Aus der Onlineredaktion

André Lenz lockt mit seiner Ölmühle seit drei Jahren Walnusssammler und Genießer aus nah und fern an

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Was haben André Lenz und ein Eichhörnchen gemeinsam? Sie sind hübsch anzusehen? Okay, das mag sein. Doch die korrekte Antwort lautet: Beide sind irrsinnig vernarrt in Walnüsse. Der eine wie der andere. In den vergangenen Tagen und Wochen haben sie die dickschaligen Hülsenfrüchte geknackt wie die Weltmeister. Wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise.

Seine Zähne sind André Lenz dafür jedenfalls zu schade. Gott gibt die Nüsse, aber er knackt sie nicht auf, lautet ein Zitat vom großen Dichterfürsten Goethe. Der junge Mann aus Wiligrad am Schweriner See bestand diesen göttlichen Intelligenztest. Er legte sich eine spezielle Technik zu, mit der er sekundenschnell Hunderte von Nüssen knacken kann. 30  000 Euro war ihm die Sache wert. Den Preis sieht man den Maschinen, die Lenz in einem Bauwagen unterge-bracht hat, überhaupt nicht an. Karo einfach wirkt das Ganze. In einem Kasten werden die Nüsse zertrümmert. Anschließend wandern sie auf einem Fließband in ein weiteres Gehäuse, wo ein Luftstrom die Schalen wegpustet. Übrig bleiben die begehrten Kerne, die André Lenz zu feinstem kaltgepressten Öl verarbeitet.

Walnussöl aus der eigenen Ernte kommt gut an.
Walnussöl aus der eigenen Ernte kommt gut an.
 

Dieses goldgelben Schatzes wegen pilgern Leute aus allen Teilen des Landes zu ihm – säckeweise Walnüsse im Gepäck. In seiner Ölmühle, die der Mecklenburger seit drei Jahren in der Schlossgärtnerei Wiligrad betreibt, soll er das Beste aus ihren Baumfrüchten herausholen. „Es ist das gleiche Prinzip wie bei den Apfelmostereien“, erklärt Lenz das Prozedere. „Die Kunden kommen mit ihrer eigenen Ernte, im Schnitt sind es zehn Kilo Nüsse, und nehmen dann Flaschen mit bestem Öl mit nach Hause. Also bei zehn Kilo in etwa zwei Liter. Über die übrig gebliebenen harten Schalen freuen sich später die Tiere auf dem Hof.“

Mostereien gibt es inzwischen jede Menge in der Region. Eine Ölmühle, wie Lenz sie betreibt, ist noch äußerst selten in Deutschland. Eine harte Nuss war es für den studierten Landwirt, jemanden zu finden, der ihm zeigt, wie’s geht. In Süddeutschland hatte er Glück. Dort lässt sich, im Gegensatz zum Norden, sogar noch die eine oder andere Walnussplantage oder Walnussallee entdecken. Richtig interessant wird es dann Richtung Italien und Frankreich, wo Nüsse in der Küche eine große Rolle spielen. In unseren Supermärkten gesellen sich zu den französischen Nüssen noch riesige Exemplare aus Kalifornien. Heimische Sorten spielen so gut wie keine Rolle. Dabei hat die Walnuss in Mecklenburg lange Tradition. Eine Adventszeit ohne Nüsse gab es nicht. Die energiereiche Baumfrucht vergoldete die Wartetage bis Weihnachten. Der stattliche, schattenspendende und langlebige Walnussbaum findet sich noch heute in zahlreichen Gärten der Region. Seine vielen Früchte lassen sich oft gar nicht alle über den Winter verputzen. Und so hängen für gewöhnlich noch viele Säcke vom Vorjahr auf den Dachböden. „Macht nichts“, sagt André Lenz, „in den vergangenen Wochen haben wir vor allem diese Nüsse zu Öl gepresst. Die frisch gesammelten trudeln erst jetzt ein, nachdem sie Zeit zum Trocknen hatten.“

Doch nicht jeder wird seine frische Ernte los. Erst müssen die Nüsse den Test bestehen. André Lenz greift sich welche, knackt sie und probiert. „Hmm!“, schwärmt er meistens, „die enthalten genügend Öl und schmecken wunderbar.“ Allerdings völlig unterschiedlich. Um herauszufinden, in welcher Region die schmackhaftesten Bäume wachsen, hat er angefangen aufzuschreiben, woher die Leute ihre Nüsse bringen. In den nächsten Wochen kann er seine Walnusskarte weiter vervollständigen, denn bis Weihnachten herrscht nun Hochkonjunktur in der Ölmühle. Mitunter liefert André Lenz am 24. Dezember das letzte Öl ab. Bis März hält das Geschäft mit der Mecklenburgischen Nuss an, das der junge Mann unbedingt noch verfeinern möchte durch ein letztes, fehlendes Maschinenstück. „Damit ließe sich noch das härtere Häutchen im Inneren der Kernhälften entfernen“, erzählt er. „Die Nussmasse, aus der wir das Öl gepresst haben, könnten wir dann weiterverarbeiten zu Mehl. Dieses Mehl duftet wunderbar und lässt sich zur Weihnachtszeit bestens zum Kekse und Kuchen backen verwenden.“ Will André Lenz so weit gehen und alles an der Walnuss verarbeiten, muss er umplanen. Denn für ein weiteres Maschinenteil ist der Bauwagen zu klein.

 Im Frühling möchte er auf dem Gelände der Schlossgärtnerei, das sich im Besitz der Familie Lenz befindet, eine Ölmühlen-Werkstatt errichten. Inmitten von Kräutergarten, Gartencafé, Kunsthandwerk und rau-wolligen pommerschen Landschaften soll die gläserne Werkstatt heranwachsen. André Lenz’ großer Wunsch wäre es, hier einmal behinderte Menschen zu beschäftigen, die die Produktion komplett selber in der Hand halten. Die Ölmühle wäre dann eine Station, ein Projekt von vielen, auf dem Hof, auf dem sich alles um regionale Produkte dreht. Es, reizt ihn, seine Mitmenschen anzupieksen, ihnen zu zeigen, wie schön es sein kann, wieder etwas selber zu machen, statt alles im Supermarkt zu kaufen. Sieht er Kunden, die mit leuchtenden Augen mit dem Öl ihrer eigenen Nüsse vom Hof rollen, fällt ein Stück Schale von ihm ab. Dann gönnt sich der nimmermüde Mühlenbesitzer vor Freude auch mal einen Löffel von seinem flüssigen Gold. Am liebsten auf Vanilleeis.

Ölmühle Wiligrad, Andrè Lenz, lenz@schlossgaertnerei-wiligrad.de, Telefon: 0176-23950604

 

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