Kunst aus Schwerin : Lange Kerle beim Strammstehen

Detailgetreu hielt Carl Georg Christian Schumacher die Parade in Öl fest.
Detailgetreu hielt Carl Georg Christian Schumacher die Parade in Öl fest.

Gemälde von Carl Georg Christian Schumacher zeigt die Parade der Mecklenburg-Schweriner Infanterie am 17. September 1846

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08. März 2016, 09:00 Uhr

Das Staatliche Museum Schwerin führt dieses Gemälde in seinem reichen Bestand. Es zeigt große Teile des Mecklenburg-Schweriner Militärs. Vor allem die Infanterie, nur wenige Jahre, bevor sie in die Kämpfe der Jahre 1848 und 1849 einbezogen wurde. Damals lautete die Bezeichnung des Bildes: „Parade der vier Infanterie-Bataillone aus Schwerin, Wismar und Rostock vor Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog Friedrich Franz II. am 17. September 1846 gelegentlich der bundesbeschlußmäßigen Inspizierung durch den Königlich Preußischen Generalleutnant von Wrangel, den Königlich Württembergischen Generalleutnant von Brandt und den Herzoglich Nassauischen Generalmajor von Preen“.

Die genannte turnusmäßige Inspektion fand anlässlich militärischer Übungen der Mecklenburg-Schweriner Truppen in der Umgebung Schwerins in der Zeit vom 7. bis zum 23. September jenen Jahres statt. Die Truppen hatten ein Zeltlager am Haselholz bei Schwerin bezogen. Bald darauf schuf der Hofmaler Carl Georg Christian Schumacher (geb. 14. Mai 1797 in Doberan, gest. 22. Juni 1869 in Schwerin) dieses Gemälde. Schumacher studierte von 1819 bis 1821 in Dresden. Von ihm stammen auch Vorlagen zu den Fenstern mit Bildern mecklenburgischer Herzöge und Großherzöge im unteren Saal des Schweriner Schlosses. Auf dem Gemälde sind links im Vordergrund zwei berittene Gendarmen der Landesgendarmerie und dahinter einschwenkend die Spielleute und Hoboisten des Grenadier-Garde-Bataillons mit dem Stabshoboisten Friedrich Johann Heinrich Bontemps (1796 – 1875) dargestellt. Dieser galt mit einer Körperlänge von über zwei Metern seinerzeit als größter Mann der Residenzstadt Schwerin. In der Bildmitte hat eben der Kommandeur der Brigade, gefolgt von dem Generalstabsoffizier der Brigade und den beiden Brigadeadjutanten die Front des Grenadier-Garde-Bataillons abgeritten. Im Vordergrund rechts stehen neben einem die Richtung anzeigenden Fähnlein in den mecklenburgischen Farben drei junge Menschen. Bei dem sich direkt neben dem Fähnlein befindenden jungen Mann in Uniform mit Tschako handelt es sich um einen Kadetten. Es ist der Angehörige der Schweriner Militärbildungsanstalt Friedrich Ludwig Georg Demetrius Arius Richard Kossel. Den rechten Bildrand entlang sind neben dem zuschauenden Publikum mehr zu erahnen als genau zu erkennen: Großherzog Friedrich Franz II., die sein Truppenkontingent inspizierenden Generale von Wrangel, von Brandt und von Preen und weitere Offiziere sowie in einem Wagen die fürstlichen Damen. An der Spitze des Grenadier-Garde-Bataillons reitet sein Kommandeur Major August Emil Leopold von Plessen, begleitet an der rechten Seite durch den Adjutanten des Bataillons, Premierleutnant August Adolf von der Lühe. Dem Grenadier-Garde-Bataillon folgen das I. und II. Musketier- sowie das Leichte Infanterie-Bataillon. Links ist das für die Dauer der Übungen errichtete Zeltlager zu sehen. Uniformkundlich ist für dieses Gemälde festzuhalten, dass bereits die gesamte Mecklenburg-Schweriner Infanterie die mit Brigadebefehl vom 1. Mai 1845 nach preußischem Beispiel eingeführten Waffenröcke trägt. Interessant ist, dass die erst mit einer Entscheidung des Großherzogs vom 23. Februar 1848 zur Einführung bestimmten Helme preußischen Musters zu diesem Zeitpunkt bereits probeweise aufgesetzt worden sind – erkennbar vorn rechts beim Grenadier-Garde-Bataillon. Diese Helme waren von hoher und schwerer Form mit eckigem Vorderschirm, gelben Beschlägen und dem mecklenburgischen Wappen mit goldener Sonne. Es ist die Uniform, mit der die Mecklenburg-Schweriner Truppen schließlich in die Feldzüge der Jahre 1848 und 1849 zogen.

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