zur Navigation springen

Der letzte Finanzbeamten in Dobbertin : Küchenmeister – ein gefragter Job im Kloster

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geschäftsführung erforderte fähige Angestellte: Erinnerungen an die letzten Finanzbeamten in Dobbertin

Die Küchenmeister im Kloster Dobbertin hatten mit einem Maitre de Cuisine nichts zu tun – ihnen oblagen die Finanzgeschäfte des säkularisierten Klosters. Von den letzten vier und wohl bekanntesten Küchenmeistern soll hier berichtet werden.

Johann Christoph Behrens war von 1825 bis zu seiner Erblindung 27 Jahre als Küchenmeister im Amt. Jahrzehntelang spielte er jeden Sonntag als Organist in der Klosterkirche die Orgel. 1845 zog er mit seiner Familie in das neu erbaute heutige Küchenmeisterhaus und erhielt nach seiner Pensionierung für sich und seine fünf unverheirateten Töchter eine mietfreie Wohnung mit nötiger Feuerung und einen Garten.

Am 1. Mai 1852 wurde der erst 34-jährige Wilhelm Heinrich Schultz aus Lübz Küchenmeister. In Dobbertin waltete er 37 Jahre „mit seltener Pflichttreue und zur vollsten Zufriedenheit“ seines Amtes als Küchenmeister.

Sein Nachfolger wurde Gustav Schulze, Sohn eines Rostocker Advokaten. Ihn hatte der Klosterhauptmann Landrat Thedwig von Oertzen unter 25 Bewerbern ausgewählt und 1889 zum Küchenmeister bestellt. Mit seiner Frau, den fünf Töchtern und einem Sohn wohnte Gustav Schulze bis 1916 im Dobbertiner Küchenmeisterhaus. Als liebevoller und vorbildlicher Vater sprach er seine Töchter nur mit den Kosenamen Dati, Mönch, Daus, Maus und Liki an.

Auf den Landtagen lobten ihn die Klostervorsteher mehrfach für seine akkurate Arbeit, musterhafte Treue und Pünktlichkeit. Während eines Besuches des Großherzogs Friedrich Franz IV. am 25. Juli 1908 im Kloster Dobbertin wurde Gustav Schulze der Titel Rechnungsrat verliehen, seine Frau erhielt von der Großherzogin Alexandra eine große Brosche.

Über Gustav Schulze wurde auch berichtet, dass er ein freundlicher Mensch war, der zuweilen auch einen guten Tropfen genießen konnte. Auf einer Gesellschaft stellte sich ihm zu vorgerückter Stunde ein Neuankömmling mit dem Namen Beduhn vor. Worauf Schulze verschmitzt lächelnd geantwortet haben soll: „Ick oock en bäten.“

Im Alter von 71 Jahren ging Schulze in Pension. Auf die 1916 ausgeschriebene Stelle gingen 112 Bewerbungen, teils mit Fotos und mit der Schreibmaschine geschrieben, im Klosteramt ein. Darunter waren neben Rechtsanwälten, Geschäftsführern, Prokuristen, Bürovorstehern auch Mitarbeiter des Landgestüts Redefin und der Kornbrennerei Richtenberg. Sogar Staatssekretäre und Regierungsräte meldeten sich, denn die Stelle war landesweit begehrt.

Aus dieser großen Zahl von Bewerbern wurde der 39-jährige Mecklenburger Karl Reckling ausgewählt. Als Marine-Intendatur-Sekretär war er schon ein höherer Verwaltungsbeamter in der militärischen Behörde in Kiel. Die Recklings kamen aus Wendisch Priborn, südlich von Plau am See gelegen.

Recklings Vater August war Großherzoglicher Musikdirektor in Schwerin und bekannt durch zahlreiche Kompositionen und Märsche. Seine letzten Jahre verbrachte August Reckling bei seinem Sohn im Kloster Dobbertin, wo er fast 80-jährig am 30. Dezember 1922 an einer Lungenentzündung starb und in seinem Geburtsort Wendisch Priborn bestattet wurde.

In Dobbertin endete nach Auflösung des Klosteramtes 1923 ein weiterer Teil der wechselvollen Klostergeschichte.

Horst Alsleben


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen