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Festung Dömitz : Klosterhauptmann auf Abwegen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Johann Dietrich von der Osten landete im 18. Jahrhundert wegen betrügerischen Konkurses in der Festung Dömitz

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erstellt am 21.Jul.2017 | 13:36 Uhr

Ein Geschäftsführer mit Geldproblemen, Festungshaft, Verbannung und heimliche abendliche Treffen unter Eheleuten sind nur einige Episoden aus der Lebensgeschichte des Klosterhauptmanns Johann Dietrich von der Osten auf Karstorf. Dieser von der Osten war in seiner Rolle als Klosterhauptmann Geschäftsführer im Dobbertiner Klosteramt, das ein Wirtschaftsunternehmen mit umfangreichen Besitztümern war. Mehr als 25 000 Hektar Land gehörten dazu, außerdem zeitweise 132 Dörfer, 26 Klostergüter und 17 Pachthöfe, weiterhin Forstämter, Pfarrkirchen, Schulen, Mühlen, Dorfkrüge, Schmieden und Ziegeleien. Bis zur Auflösung des Klosteramtes 1918 hatten in 360 Jahren 34 Klosterhauptmänner das Kloster Dobbertin zum größten und reichsten Wirtschaftsunternehmen in Mecklenburg gemacht.

Doch es gab auch eine unrühmliche Zeit. Viel ist darüber in den Kloster- und Gerichtsakten nicht zu finden, wollte man die Angelegenheit doch am liebsten unter Verschluss halten. Die spärlichen Informationen jedoch lassen eine wilde Geschichte rund um den ursprünglich auf Karstorf und Hohen Demzin nahe Burg Schlitz ansässigen Johann Dietrich von der Osten ahnen. Der wurde im Alter von 40 Jahren am 11. April 1750 als neuer Provisor des Klosteramtes eingeführt. Die Dobbertiner Einrichtung war nach der Auflösung des Nonnenklosters 1572 in ein adliges Damenstift zur „christlich ehrbaren Auferziehung inländischer Jungfrauen“ umgewandelt worden. Von der Osten arbeitete erst als Provisor und übernahm am 12. August 1762 den Posten des Klosterhauptmanns. Bis 1768 übte er das Amt recht unauffällig aus. Doch durch diverse undurchsichtige Finanzgeschäfte schien es mit seinem persönlichen Vermögen nicht zum Besten zu stehen. Von Schuldverschreibungen, die sein Vermögen um das Anderthalbfache überstiegen, von Krediten und von Zahlungsunfähigkeit war des Öfteren zu hören. Als er im Sommer 1768 nicht mehr im Kloster auftauchte, ließ man ihn ab 11. Oktober 1768 wegen betrügerischen Konkurses steckbrieflich suchen. „Bei dem debilen Wesen des Closterhauptmann von der Osten treten gantz besondere Umstände ein, die einer Bestrafung würdig sind“, ließ das Hof- und Landgericht zu Güstrow Herzog Friedrich wissen. Dazu gehörten Zahlungsunfähigkeit, Schuldverschreibungen und Bankrott. Das Schreiben beinhaltete den Wunsch, von der Ostens Aufenthaltsort zu „erkundigen“, um ihn in „gefängliche Haft“ zu bringen.

Den Gesuchten konnten die Behörden allerdings erst drei Jahre später in Stralsund in „Verwahrsam“ nehmen. Am 20. März 1771 wurde er im Postwagen mit einem Unteroffizier und vier Mann nach Bützow in das dortige Gefängnis gebracht. Einen Tag später lieferte man ihn auf der Hauptwache in Schwerin zum weiteren Transport nach Dömitz ab.

Über seinen Gerichtsprozess war nichts zu erfahren. Doch in den Dömitzer Insassen-Listen von 1747 bis 1868 ist Johann Dietrich von der Osten unter Nr. 56 eingetragen. Bis zum 16. Oktober 1773 hat er dort eingesessen. Sein Zellennachbar war der Kammerjunker Ernst Christoph von Preen, der zwischen 1772 und 1775 wegen schlechten Lebenswandels und Bigamie eine Gefängnisstrafe verbüßte.

Die Ehefrau von der Ostens, die „Frau Klosterhauptmännin“, wohnte auch während der Haft ihres Mannes weiter in Dobbertin – allerdings nicht in der Amtswohnung, sondern bei ihrer Schwester Sophia Henrietta Christina, die dort Konventualin war. Mehrere Petitionen an den Herzog führten dazu, dass von der Osten mit Landesverweisung begnadigt und im Herbst 1773 vorzeitig aus dem Arrest entlassen wurde. Binnen 14 Tagen hatte er sich nun aus dem Land zu entfernen. Das tat er, in dem er ins Ausland zog: nach Rügen, was damals zu Schweden gehörte.

Allerdings verging nur ein knappes Jahr, bevor der Ausgewiesene wegen einer Unpässlichkeit seiner Gemahlin wieder mit Sack und Pack im Kloster Dobbertin auftauchte und hier zu verweilen gedachte. Er hatte aber nicht mit der resoluten Frau Domina Ilsabe von Krusen gerechnet, die fast 35 Jahre die Vorsteherin des Damenkonvents war. Da die Klostervorsteher von Flotow, von Raven und von Krackewitz mit der Ausweisung Johann Dietrich von der Ostens zögerlich waren, beschwerte sie sich beim Herzog: „Der gewesene böse Closter Hauptmann“ sei nun wieder da und gedenke, „seinen bleibenden Ort bey uns zu nehmen“.

Von der Osten musste das Kloster verlassen und fand Unterschlupf beim Pastor Johann Clamer Buchholz im Mestliner Pfarrhaus. Sie kannten sich aus seiner Amtszeit als Provisor, da die Mestliner Kirche dem Klosterpatronat unterstand. Dort lebte von der Osten inkognito noch acht Jahre und konnte nur bei Nacht und Nebel seine Frau im zwölf Kilometer entfernten Kloster besuchen. Sie starb am 5. März 1780 in Dobbertin, musste aber im Klosterdorf Kirch Kogel bestattet werden. Am 9. Juni 1782 starb Johann Dietrich von der Osten mit 73 Jahren im Pfarrhaus zu Mestlin und wurde neben seiner Frau in Kirch Kogel bestattet.

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