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Zahrensdorf : Kleine Perle soll wieder glänzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Feldsteinkirche in Zahrensdorf wartet auf Sponsoren für die Sanierung

Wer von Boizenburg kommend auf der Bundesstraße 5 in Richtung Ludwigslust fährt, entdeckt in Zahrensdorf auf der rechten Seite nach einer Kurve eine alte Feldsteinkirche. Sie ist ein Zeugnis der frühen Besiedlung des Landes mit der typisch wuchtigen romanisch geprägten bäuerlichen Bauweise. Über das Alter der Kirche gibt es keine gesicherten Quellen.

Im Ratzeburger Zehnten-Lehen-Register aus dem Jahre 1230 wird das Dorf Tsarnekestorp, nicht aber Pfarre und Kirche erwähnt. Die Pfarre Sarnekestorpe wird 1335 mit einer Abgabentaxe von 30 Mark eingestuft. Zum Vergleich: In Gresse waren es fünf Mark, in Zweedorf vier und in Granzin 26 Mark, in Boizenburg dagegen 63 Mark. Die Kirche wird zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahrzehnte bestanden haben.

Der Baustil des Kirchenschiffs mit den romanischen Schlitzfenstern lässt einen Bau im 13. Jahrhundert vermuten. Die Legende berichtet, dass dieser zunächst auf den Bretziner Bergen vorgesehen war. Das angefahrene Baumaterial verschwand dort jedoch immer wieder. Am nächsten Tag fand man es in Zahrensdorf. Das wurde als ein Fingerzeig Gottes angesehen, die Kirche dort zu errichten.

Möglicherweise hat bereits ein Vorgängerbau in Holzbauweise existiert, wie ein in der Westwand des Saalbaus eingemauerter Ständer mit Nuten in der Nord- und Südseite andeuten könnte. Zum Sprengel der Kirche gehörten bis 1702 auch die Dörfer Beckendorf, Bretzin, Groß und Klein Bengerstorf, Tessin, Kuhlenfeld und die jetzt zum Sprengel Blücher gehörigen Dörfer Dersenow, Besitz, Blücher, Niendorf, Teschenbrügge, Krusendorf und Timkenberg. Im Jahre 1702 erhielt Blücher einen eigenen Pastor. Gegenwärtig werden beide Sprengel wieder von einem Pastor bedient. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind aus dem Boizenburger Sprengel auch Gülze (Filiale), Neu Gülze, Bandekow und die Teldau nach Zahrensdorf zugeordnet.

Das Patronat der Kirche war immer landesherrlich. In dem aus Feldsteinen mit Gipsmörtel errichteten Kirchenschiff fallen die schlitzförmigen romanischen Fenster ebenso wie die aus Backsteinen errichteten Pfeiler ins Auge. Auf der Nordseite ist ein kleines vermauertes Portal zu erkennen, das im Dehio als ursprünglicher Nordeingang bezeichnet wird. Überliefert ist jedoch, dass es sich um eine Armesünderpforte handeln soll. Auf der Südseite findet sich ein kleiner Fachwerkanbau (Priesterpforte und Sakristei). Der Turm mit seinem massigen Feldsteinunterbau und dem hölzernen Oberbau mit Glockenstuhl ist erst später, nach Schlie und Dehio wohl im 15. Jahrhundert errichtet worden. Neuere dendrochronologische Untersuchungen weisen jedoch eine Stützkonstruktion (Schwellen, Ständer, Kopfbänder) für das Ständertragwerk des Turmes aus dem Jahre 1390 nach. Der Turm trug bis 1974 ein Satteldach, seit einer Sanierung ein Walmdach. Der aus Backsteinen errichtete Chor mit seinem achtteiligen hölzernen Gewölbe, das 1756 erstmalig erwähnt wird, wird in der Literatur dem 17. Jahrhundert zugeschrieben. Er dürfte jedoch ebenfalls älter sein, da an der Triumphbogenwand Ansätze für ein ehemals vorhandenes gemauertes Gewölbe zu erkennen sind, das wohl den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges zum Opfer gefallen ist. Den Chor verbindet ein spitzbogiger Triumphbogen mit dem Schiff der Saalkirche.

Die Emporen wurden bis auf die Orgelempore an der Westwand 1986 abgebrochen, ebenso die im Chor vorhandenen Einbauten, wie die Empore und Loge an der Südwand (datiert 1680), die die Wappen früherer Besitzer der Güter Zahrensdorf und Wiebendorf (von Delwig-Wördenhof) trugen, und auch der Priesterstuhl an der Nordwand. In den Logen saßen wir Konfirmanden im Jahre 1954. Die Kirche hatte eine Ausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Kanzel von 1634 trägt wertvolle Schnitzarbeiten und das Wappen des Hamburger Bürgermeisters Vogeler, der in dieser Zeit Besitzer von Zahrensdorf war.

Die Orgel von Marcus Runge aus dem Jahre 1912 ist nicht mehr funktionstüchtig. Ein Wandgemälde an der Ostwand des Kirchenschiffs, das einen sitzenden Christus darstellt, dürfte von einer Renovierung im 19. Jahrhundert stammen. Die schlichte Tauffünte scheint ebenfalls aus dieser Zeit zu stammen.

Die Kirche hat wieder Sanierungsbedarf. Ein rühriger Förderverein bemüht sich um die Einwerbung von Spenden.

Dieter Greve

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