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1. Juni : Kindertanz am Schaalsee

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Zarrentin zogen Mädchen und Jungen am 1. Juni in einem bunten Umzug durch die Stadt und feierten am Badestrand Kindertag

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 16:07 Uhr

In der DDR wurde der Internationale Tag des Kindes am 1. Juni gefeiert, in der Bundesrepublik am 20. September. Beide Feiertage orientierten sich an einer Resolution der UNO-Vollversammlung aus dem Jahre 1954, die allerdings kein festes Datum vorgeschrieben hatte. So kam es, dass der Kindertag im geteilten Deutschland an unterschiedlichen Tagen stattfand.

Ich wuchs in Zarrentin auf und kann mich an die Kindertage Ende der 50er Jahre gut erinnern. Die Vorbereitung und Organisation lag in den Händen der Lehrer. Unterstützung kam von der LPG, der PGH, der Feuerwehr und den städtischen Kleinbetrieben des Ortes, der damals im Sperrgebiet lag.

Am Vorabend holte meine Mutter Zweige von der hohen Fliederhecke. Die laue Luft des Frühsommerabends verbreitete einen süßlich riechenden Duft ihrer lilafarbenen Blütendolden. Am nächsten Morgen wurden die Zweige auf einen Holzstecken gebunden und mit bunten Bändern aus Krepppapier geschmückt. Dazu kam eine weiße Friedenstaube, die ich im Werkunterricht unter Anleitung des Lehrers aus Zeichenkarton gebastelt hatte.

Dieser besondere Festtag für die Kinder war ein Anlass, die Jungen und Mädchen neu einzukleiden. Für mein Sommerkleid saß meine Mutter, die nie Schneiderin gelernt hatte, in den Abendstunden an der Nähmaschine und zauberte mir ein Kleid aus Baumwollstoff mit bunt bedruckten Blumenbordüren. Damit meine langen dünnen Haare in Locken fielen, half meine Mutter nach, indem sie Haarsträhne für Haarsträhne auf metallene Lockenwickler drehte und sie dann nach einigen Stunden vorsichtig ausbürstete. Es war eine mühsame und langwierige Prozedur, an die ich mich nicht so gerne erinnere. Meine Lockenpracht krönte ein romantischer Stoffkranz, auf dem weiße Stoffblüten mit kleinen Zierperlen saßen. Viele dieser Blütenkränze wurden damals im Handarbeitsgeschäft an die Mütter und Omas für den bevorstehenden Kindertag verkauft, wie es die Fotografie vom Kindertanz zeigt.

Am Nachmittag des 1. Juni liefen wir Schulkinder mit den selbst gebastelten Blumenstöcken im Festumzug durch die Straßen des Ortes. Die Feuerwehr stellte die Musikkapelle und führte den Festumzug an. Mit laut beschwingter Blasmusik lockte sie viele Einwohner vor ihre frisch gefegten und geharkten Hauseingänge. Sie winkten uns freudig zu. Ziel des Zuges war der Badestrand am Ufer des großen Schaalsees. Für uns Kinder waren dort zahlreiche Spiel-, Kletter- und Sportstände aufgebaut. Eierlaufen, Seilspringen, auf Stelzen gehen, Glücksrad drehen, im braunen Getreidesack um die Wette hüpfen oder mit kleinen Bällen Blechdosen umwerfen, das unterhielt uns den ganzen Nachmittag. Wir machten alle eifrig mit, dafür lockten auch kleine Preise, wie eingewickelte Fruchtbonbons, Stundenlutscher, kleine Trompeten aus Papier, mit bunten Netzen umwickelte Neckbälle, Schiebebildchen, bunte Luftballons. Besonders schön fand ich den Kindertanz, auf den ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte. Dazu spielte die kleine Musikkapelle des Ortes auf, deren Schifferklavier tonangebend war.

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