Friedrich Franz II. : Kampf um militärisches Prestige

Das Denkmal im Schlossgarten zeigt Friedrich Franz II. als Feldherrn hoch zu Ross.
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Das Denkmal im Schlossgarten zeigt Friedrich Franz II. als Feldherrn hoch zu Ross.

Friedrich Franz II. sehnte sich nach Anerkennung – und schaffte es oft nicht, sich als Feldherr auszuzeichnen

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22. April 2017, 00:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern, Land der Wälder, Seen und Schlösser. Neben einem Teil der ehemaligen preußischen Provinz Pommern umfasst es die ehemaligen Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Mecklenburg-Schwerin ist Großherzogtum seit 1815. In den etwas über 100 Jahren des Großherzogtums regierten fünf Großherzöge. Der bekannteste dürfte Friedrich Franz II. sein. Über 40 Jahre führte er die Geschicke seines Landes. Nicht alles geriet ihm dabei zum Besten. Wie viele seiner Standesgenossen versuchte er, militärisches Prestige zu erwerben. Gelegenheit dazu hoffte er in den deutschen Einigungskriegen zu erhalten.

Der Krieg gegen Österreich 1866 bot ihm kaum Möglichkeit, sich auszuzeichnen. Vier Jahre später droht ihm ein ähnliches Schicksal. Während die deutschen Armeen siegreich in Frankreich vordringen, ist er zum Küstenschutz an Nord- und Ostsee verdammt. Seine engen familiären Beziehungen zum preußischen Königshaus nutzt er, um ein Kommando als kommandierender General in Feindesland zu erhalten. Dabei überschätzt er seine militärischen Fähigkeiten. Eingeweihte wissen dies. Er sei kein Feldherr, habe keine Energie, wird hinter vorgehaltener Hand geflüstert. Hin- und Hermärsche aus Unklarheit über des Feindes Absichten bringen ihm den Namen „Der große Hin und Herzog“ ein. Bronsart von Schellendorf, späterer Kriegsminister, meint, die Kreuz- und Quer-Züge des Großherzogs, graphisch dargestellt, müssten aussehen, als wenn der Blitz sich dreimal selbst totgeschlagen habe. Als man im Großen Hauptquartier seine wunderlichen Operationsschnörkel überhaupt nicht mehr versteht, werden ihm preußische Generalstabsoffiziere als Aufpasser beigegeben. Bei Helmut von Moltke, dem Chef des Großen Generalstabes, ist er bald total in Misskredit geraten. Man bemüht sich, den Großherzog auf gute Manier abzuziehen, das hat aber seine Schwierigkeiten, immerhin ist er der Neffe des Königs von Preußen. Mangelndes Engagement aber kann man Friedrich Franz nicht vorwerfen. Fedor von Rauch, königlich-preußischer Oberstallmeister, meint Bezug nehmend auf den Krieg 1870/71: „Noch nie habe ich ein solches Altwerden an einem Menschen bemerkt, als an dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin“. Am Ende des Krieges ist er mental und körperlich erschöpft.

Alles Irdische endet einmal und ein Fürstenleben auch. Als Friedrich Franz am 15. April 1883 stirbt, gilt er als großer Feldherr. In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht aufrichtige Trauer. Verwandte aus ganz Europa reisen an. Sein Onkel, Kaiser Wilhelm, trifft als Erster ein, um der Mutter des Verstorbenen sein Beileid auszusprechen. Bei seiner Ankunft säumen Tausende Schaulustige die Straßen. Im Verlauf der Woche erhält das Volk Gelegenheit zum Kondolieren. Schon am Freitag beginnt der Zustrom der Trauergäste. Die mit Extrazügen, Pferd und Wagen oder zu Fuß Anreisenden überfüllen alle Hotels und Privatquartiere der Stadt. Sonnabendmorgen. Alle Fenster in der Schloßstraße und der Königsstraße, heute Puschkinstraße, werden besetzt, Wagemutige drängen sich auf die Dächer der Häuser. Die Straßen sind mit Sand und Tannenzweigen bestreut, um die Huftritte der Pferde und das Geräusch der Schritte zu dämpfen.

Nachdem sich der Trauerzug formiert hat, durchzieht er die Schloßstraße und biegt in die Königsstraße ein. Einem dem Leichenzug vorausreitenden Dragoner scheut in der Königsstraße das Pferd. Bei dem darauffolgenden Gedränge werden einigen Ladenbesitzern die Schaufensterscheiben eingedrückt. Man mag sich den Tumult vorstellen, nervöse, aufgeregte Pferde, berstende Scheiben inmitten des geisterhaft lautlos dahin ziehenden Zuges in der engen Straße. Unter dem Grollen der im Schlossgarten aufgestellten und im Minutentakt feuernden Geschütze erreicht der Zug den Dom. Der Sarg wird von den einberufenen Landständen vom Leichenwagen gehoben und zum Altar geleitet. Nach Absingen einer von Alois Schmitt komponierten Trauerkantate wird der Sarg wieder aufgenommen, zur Begräbnisstätte getragen und unter dem Salut von 101 Kanonenschüssen beigesetzt.

Heute erinnert an Friedrich Franz II. das monumentale, 1893 in Gegenwart Kaiser Wilhelms II. enthüllte Reiterstandbild im Schlossgarten. Mit der Ausführung war der Bildhauer Ludwig Brunow beauftragt. Erste Modelle und Entwürfe hatte er bereits 1884 vorgestellt. Die Idee dazu ging allerdings von dem Maler Carl Suhrlandt aus. Suhrlandt studierte Bildhauerei bei Christian Daniel Rauch in Berlin, bevor er nach Paris ging, um Malerei zu studieren. Als er später in Schwerin tätig war, besuchte Friedrich Franz II. den 1874 zum Professor ernannten Suhrlandt in dessen Atelier, um Modell für verschiedene Gemälde zu sitzen. Seinem alten Hange zur Bildhauerei folgend begann Suhrlandt nach speziellen Angaben des Großherzogs, das Modell eines Reiterstandbildes zu fertigen. Es entstand unter den Augen des Fürsten und zum großen Teil nach dessen speziellen Angaben. Dem Entwurf lag die Auffassung zu Grunde, „den Großherzog in der hervorragendsten seiner Eigenschaften, als Feldherr hoch zu Ross“, darzustellen.

Ludwig Brunow griff die Idee auf, und so präsentiert sich das Denkmal noch heute Einheimischen und Besuchern trotz Bilder- und Denkmalstürmerei im Wandel der Geschichte.
 

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