zur Navigation springen

Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg : Ins Innere von Afrika

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg lieferte eine Fülle von Material für die weitere Forschung

Welche Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Gesteinen, Sitten und Gebräuchen verbirgt sich in Afrika! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war dieser Reichtum noch weitgehend unerforscht. Welche Fülle stand da der Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg zur Verfügung, als er von 1907 bis 1908 zu einer großen Zentralafrika-Expedition aufbrach.

Nach intensiven Vorbereitungen schifften sich die Teilnehmer in Neapel ein. Mehrere Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen gingen an Bord des Dampfers mit Kurs auf Mombasa. Interessanterweise sollte die Reise ins Innere Afrikas bis in den Kongo kaum deutsche Schutzgebiete berühren, vom kleinen Ruanda abgesehen. Nach der Ankunft reiste die Gruppe zügig in das Kerngebiet der Forschungen und durchquerte dabei bereits den halben Kontinent.

Die Landschaften, die die Expedition erreichte, gehören mit zu den schönsten und spektakulärsten von ganz Afrika. Es waren das riesige Binnenmeer des Viktoriasees, die Virunga-Vulkanberge und das Königreich Ruanda, bezeichnet als Land der Tausend Hügel, der Kivusee, die Hänge des Ruwenzori-Gebirges, die Kongourwälder am Aruwimi und der Kongostrom, der die Expeditionsteilnehmer schließlich an die Westküste brachte. Damit durchquerten sie den afrikanischen Kontinent vollständig von Ost nach West.

Auf dem Fußmarsch zum Semliki erlebte der Herzog zu Mecklenburg mit seinen Leuten das Gefühl, unbetretene Pfade zu queren. Tatsächlich waren diese einsamen Landstriche beinahe menschenleer, dafür gab es aber verschiedene Arten von Wild zu beobachten. Einige Exemplare wurden zu wissenschaftlichen Zwecken erlegt. Hier kam es auch zu einer Löwenjagd, bei der die Expeditionsteilnehmer ein flüchtendes Rudel lange Zeit verfolgten. Diese Episode endete beinahe tragisch: Einer der Löwen hatte sich in einem Busch versteckt. Beim Herauslocken fiel das Tier jedoch die Gruppe laut brüllend an und verletzte einen einheimischen Mitarbeiter derart, dass dessen Arm völlig zerrissen wurde. Schließlich konnte der Löwe verletzt entkommen. Die anderen Expeditionsteilnehmer kamen mit dem Schrecken davon.

Nach langen Wanderungen, während denen die Forscher immer wieder kartografierten und sammelten und auch Planktonproben nahmen, erreichten sie schließlich das Königreich der Tutsi. Das Land Ruanda beschreibt der Herzog als ein kultiviertes reiches Berggebiet, wo Milch und Honig fließen und Vieh- und Landwirtschaft sowie Bienenzucht reiche Erträge bringen. Die landschaftliche Schönheit begeistert die Europäer ganz besonders.

Schließlich erreichten die Reisenden die Residenz von König Msinga. Die Tutsi, schlanke und großwüchsige Menschen, nahmen die Expedition gastfreundlich auf. Die Wissenschaftler durften längere Zeit in den Siedlungen der Tutsi leben und forschen. Dabei enstanden zahlreiche völkerkundliche Studien zum Leben dieses ungewöhnlichen Volkes. Hier tat sich besonders der polnische Anthropologe Jan Czekanowski hervor, der wie auch der Herzog zu Mecklenburg ein detailliertes Expeditionstagebuch führte.

Auf dem Weitermarsch wurden die Forschungsreisenden von einem Wildbienenschwarm überfallen und mussten rennend das Weite suchen. Dem Herzog wurde die Nase dabei übel zerstochen. Später erreichte die Expedition den Rugege-Urwald, ein Gebiet mit zahlreichen Primatenarten. Eine imponierende Pflanzenwelt befand sich hier. Leider waren die Waldränder durch Brände völlig zerstört worden, die Einheimische entzündet hatten, um danach Erbsenfelder anzulegen.

Nach längerer Zeit erreichten die Forscher endlich den idyllischen Kivusee, ein Gebiet, das heute auf der Kongoseite heftig umkämpft ist. Hier schifften sie sich in traditionelle Einbaumkanus ein, um weite Teile des Sees zu umrunden.

Einer der Höhepunkte der Expedition wurde jedoch der Aufenthalt an den Virunga-Vulkanen, die sich gewaltig über das Land erhoben. Hier gerieten die Forscher beim Besteigen des 3000 Meter hohen Karisimbi in eine fatale Notlage. Plötzlich brach ein schwerer Sturm los, begleitet von starkem Regen, Hagel und Nebel. Beim eiligen Abstieg starben mehrere Träger. Eine furchtbare Nacht verbrachten die Männer eng zusammengedrängt im Freien. In dieser Nacht erfroren weitere Einheimische im Schnee. Mehr tot als lebendig erreichte die Gruppe schließlich das Basislager.

Nach langen beschwerlichen Monaten erreichte die Expedition den Aruwimi, einen gewaltigen Zufluss zum Kongo. Die Bevölkerung war weiße Reisende in großer Gruppe nicht gewöhnt, so dass es im Urwald gelegentlich bei Überfällen zu Schusswechseln kam. Erst als die Gruppe den unteren Kongostrom erreichte, der in gewaltiger Breite, übersät mit zigtausenden Inseln, im großen Bogen dem Atlantik zufloss, wurde es geruhsamer.

Nach vielen Monaten auf einem unerforschten Kontinent erreichten die Forschungsreisenden die Küste. Ein Dampfer brachte die Deutsche Wissenschaftliche Inner-Afrikaexpedition in die Heimat zurück, wo die Aufarbeitung des gewonnenen Materials beginnen konnte.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen