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Christian Gottlieb Gumpelzhaimer : In Mecklenburg fand er die Liebe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Den Regensburger Diplomaten Christian Gottlieb Gumpelzhaimer verschlug es berufsbedingt in den Norden

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2017 | 00:00 Uhr

Antiquariate sind immer für Überraschungen gut. Da findet man etwa eine 1830 gedruckte „Regensburg’s Geschichte, Sagen und Merkwürdigkeiten von den ältesten bis auf die neuesten Zeiten in einem Abriß“. Geschrieben hatte sie Christian Gottlieb Gumpelzhaimer. Auf dem Titelblatt ausgewiesen als „großherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher geheimer Legationsrath“.

Seine Wurzeln lagen allerdings nicht in Mecklenburg. Christian Gottlieb Gumpelzhaimer wurde am 22. Juli 1766 in Regensburg geboren und studierte ab 1785 die Rechtswissenschaft in Göttingen. Sein Oheim, der bei der mecklenburgischen Gesandtschaft in Regensburg tätige Regierungsrat Christian Ludwig Becker (1717-1805), sorgte für sein weiteres Fortkommen. Am 27. September 1790 erfolgte Gumpelzhaimers Anstellung als Legationssekretär bei der mecklenburgisch-schwerinschen Gesandtschaft. Für den durch seine reiche Verwandtschaft nicht unvermögenden Gumpelzhaimer war das zunächst kein sonderlich einträgliches Geschäft. Da im Laufe der Jahre die für seine diplomatische Tätigkeit fälligen Zahlungen nicht im vereinbarten Umfang erfolgten, reiste er nach Schwerin, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Er gelangte zu den ausstehenden Geldern, zu einer beständigen Versorgung, zum Wohlwollen des Landesfürstens und zur Frau seines Lebens.

Es war Julie, Tochter des Georg Gabriel Haack und dessen Ehefrau Margaretha. Letztere war eine geborene Schultz und ihr Vater ein vermögender Kaufmann in Wismar. Geboren wurde Julie Haack am 16. Mai 1774 im nordwestmecklenburgischen Rolofshagen, wo ihre Eltern das dortige Gut des Grafen von Bothmer bewirtschaften. Später begab sich die Familie nach Wismar, wo bald darauf die bereits entkräftete Mutter starb. In einem ihrer Brautbriefe schrieb Julie dazu: „Dieß war das erste Leiden, was mir wiederfuhr, bisher kannte ich noch keine; mein Vater litte durch diesen Verlust so sehr, daß er heftig krank ward und wir nun auch für sein Leben fürchten mußten, aber der Himmel, der unser kindliches Gebet erhörte, erhielte uns unsern geliebten Vater und raubte uns auf einmal nicht alles“.

Zu den Freunden ihrer Eltern gehörte die Familie des Regierungsrates Friedrich August Rudloff (1751-1822) in Schwerin, in deren Haushalt nun Julie unterkam. Aus der Feder Rudloffs stammte die 1791 gedruckte Denkschrift die „Ansprüche des Hauses Mecklenburg-Schwerin auf zwey Canonicate des Dom-Stifts zu Straßburg“. Diese gelangte in die Hände von Gumpelzhaimer, denn der Sachverhalt war Gegenstand der Erörterungen im Reichstag zu Regensburg. Gumpelzhaimer versuchte nun, der Lösung der Angelegenheit mit historischen Belegen stärkeren Nachdruck zu verschaffen, was später teilweise gelang und Mecklenburg einige Zuwendungen brachte. Daraus ergaben sich freundschaftliche Verbindungen zwischen Gumpelzhaimer und Rudloff. Sie führte zu Gumpelzhaimers erster Begegnung mit Julie: „In diesem Hause (Rudloffs) war es, wo ich zum erstenmal so glücklich war, sie zu sehen, sie zu sprechen und mein Herz ihr ewige Liebe weihte.“ Nach dem Tod des Vaters übernahmen die Rudloffs die „Eltern-Stelle“. Sie arrangierten auch die eheliche Verbindung der Brautleute, die am 20. Juli 1799 vollzogen wurde. Nach einer ausgiebigen Hochzeitsfeier auf dem Rudloffschen Gut Moisall reiste Gumpelzhaimer mit seiner Gattin ins heimatliche Regensburg. Dort lebten beide „glücklich, froh und zufrieden“. Ihre „Freuden erreichten … den höchsten Gipfel“, als am 7. September 1800 die Tochter Emilie geboren wurde. Das Glück der jungen Familie wurde jedoch bald getrübt, denn Julie erholte sich nicht von einem heftigen Kindbettfieber. An dessen Folgen verstarb sie am 27. Oktober 1802. „Sanft und ruhig entschlief sie in meiner und ihrer Schwester Gegenwart“, wie Gumpelzhaimer in einer bald darauf gedruckten „Skizze des Charakters und des Lebens“ seiner Gattin feststellte. Am 25. Januar 1805 führte er deren Schwester Agnes zum Traualtar. Doch auch dieser Ehe war keine lange Dauer beschieden. Agnes kam am 7. Juli 1808 während eines Besuches in Rolofshagen zu Tode.

Zu diesem Zeitpunkt schien auch Gumpelzhaimers weitere diplomatische Karriere kaum noch aussichtsreich. Im Gefolge der Napoleonischen Kriege löste sich das Heilige Römische deutscher Nation auf und damit endete der immerwährende Reichstag in Regensburg. Im Frühjahr 1808 mussten sich die beiden mecklenburgischen Staatsgebilde in den so genannten Rheinbund einfügen. In dieser von Frankreich beherrschten Konföderation einiger deutscher Staaten hatten sie widerwillig die Ambitionen Napoleons zu unterstützen. Als seine Herrschaft über Europa wankte, ergaben sich für Gumpelzhaimer neue Anforderungen im Dienste Mecklenburgs.

1813 in den Rang eines Geheimen Legationsrats erhoben, war er an den Verhandlungen des Beitritts Mecklenburgs zur Allianz gegen Napoleon beteiligt. Im Januar 1814 reiste er mit dem Minister Leopold von Plessen (1769 - 1837) in das große Hauptquartier der Gegner Napoleons nach Chatillon. Danach endete Gumpelzhaimers Diplomatenleben im Dienst Mecklenburgs.

Zurückgekehrt nach Regensburg erforschte er die Geschichte seiner Heimatstadt, was zu zahlreichen Publikationen führte. Das Leben von Christian Gottlieb Gumpelzhaimer endete am 17. Februar 1841 in Regensburg. Bald darauf gelangte Christian Gottlieb Gumpelzhaimers umfangreiche Bibliothek zum Verkauf. Sie bezeugte nicht nur seine universelle Bildung, sondern auch stetiges Interesse für das Schicksal Mecklenburgs.
 

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