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Flucht, Vertreibung, Neuanfang - Ihre Geschichte : „Ich bekam schon als kleines Kind den Krieg zu spüren“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brigitte Schröder aus Schwerin wurde in Ostpreußen geboren und gelangte durch die Flucht in ihre heutige Heimatstadt Schwerin

An meine Heimat Ostpreußen habe ich leider keine Erinnerungen, da ich am 1. März 1942 in Ebenrode als Tochter des Kaufmanns Fritz Sinnhöfer und seiner Frau Hedwig Reinbacher geboren wurde. Bei mir wuchs mit zunehmendem Alter auch der Wunsch, von der Heimat, die ich nun schon sieben Mal besucht habe, und der Vertreibung zu berichten.

Am 1. August 1944 war meine schöne Kindheit vorbei. Am 1. August mussten wir – meine Mutti, meine Tante und meine Oma – Ebenrode verlassen. Mein Vater wurde eingezogen und kam erst 1945 aus sowjetischer Gefangenschaft nach Hause. Wir kamen in Katharinenhof bei Königsberg bei einer Familie unter.

Am 2. Dezember 1944 ging es weiter nach Pr. Eylau.

Als Pr. Eylau auch Kampfgebiet wurde, sind wir wieder losgezogen. Streckenweise fuhren wir mit Soldaten im Militärauto und liefen zwischendurch auch zu Fuß bis nach Heiligenbeil über Stablack weiter nach Leysuhmen über das zugefrorene Frische Haff. Dann ging es auch mal mit dem Bus bis zur Frischen Nehrung. Das Schlimmste auf der Frischen Nehrung war der Durst, den wir mit Schnee gestillt haben.

Ich durfte teilweise eine Strecke auf dem Leiterwagen eines Bauern mitfahren. Meine Mutti musste sehen, dass sie mich nicht verliert. Meine Oma hatten wir auf der Flucht verloren.

Später ging es dann mit dem Militärauto in Richtung Danzig. Anfang Februar 1945 sind wir dann von Danzig bis Stolp gekommen. Nach ein paar Tagen ging es mit dem Lazarettzug in Richtung Schleswig-Holstein. In Bad Kleinen wollten wir unbedingt aussteigen, weil wir hier Verwandte hatten. Wir hatten somit unser Ziel „Schwerin in Mecklenburg“ erreicht.

In Schwerin sind wir dann öfter umgezogen, bis wir 1946 in der Rudolf-Breitscheid-Straße gelandet sind. Wir wohnten mit noch einer Familie in zwei Zimmern mit Teilküche und Toilette. Später kam dann die verschollene Oma noch zu uns.

Ich bin meinen Eltern dankbar, sie haben mich zur Sparsamkeit, Dankbarkeit und Ehrlichkeit erzogen.

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