Region Ludwigslust : Hungernde aßen Hunde und Katzen

Der alte Klenower Dorfkrug Repro: Martens
Der alte Klenower Dorfkrug Repro: Martens

Morde, Plünderungen und Seuchen rafften vor 400 Jahren beinahe die ganze mecklenburgische Bevölkerung dahin.

svz.de von
02. März 2018, 11:42 Uhr

Als der Dreißigjährige Krieg zu Ende ging, war Mecklenburg ein nahezu entvölkertes, geplündertes Land. Wie es der Gegend ums heutige Ludwigslust in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erging, hat Karl Friedrich Johann Goss in seinem Buch „Geschichte der Stadt Ludwigslust“ behandelt. „Das ganze Mecklenburg wurde vom Jahre 1627 an außerordentlich mitgenommen, fast bis zur Vernichtung. Die Dörfer Kleinow, Niendorf, Laasch und Techentin standen am Ende des Jahres 1637 verödet und verlassen da. Techentin lag sogar zur Hälfte in Asche“, heißt es da.

Goss zeichnet ein bedrückendes Bild jener Zeit: Der größte Teil der Bewohner war durch Hunger und Seuchen umgekommen, andere waren nach Hamburg, Lübeck und Holstein geflüchtet. Hexenprozesse dezimierten die Bevölkerung weiter. Überlebende in Angst und Not versteckten sich in verfallenden Wohnungen und im Wald. Die Versorgungslage war katastrophal: Das gerettete Vieh wurde von Rudeln im Wald lebender Wölfe gerissen.

Nach dem Einrücken des Grafen Tilly, eines der bekanntesten Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges, überfielen 1627 er und kaiserliche Reiter das Dorf Kleinow. Die dortigen Bewohner flüchteten in die Wälder und die Soldaten plünderten gierig Dorf und Kirche. Sie stahlen Geld aus dem Kirchenkasten, das Messgewand, vergoldete Kelche, alle Altarlichter, einen Handkessel aus Messing, welcher der Taufe diente und andere für die Kirche wichtige Gegenstände.

Der damalige Pastor aus Groß Laasch, der „ein Hirte ohne Schafe“ geworden war, beklagte in seinem Registerbuch wehmütig die Zeit ab 1637. Er berichtete, dass die Kaiserliche sowie die Schwedische Armee mehrmals das Land besetzt und die Menschen dort gegeißelt hätten. Alles, was in der Kleinowschen Kirche vergraben, vermauert und verborgen gewesen war, sei herausgeholt und geöffnet worden. Er beschrieb weiter, dass auch Grabstätten nicht verschont geblieben waren. Särge seien aufgeschlagen, ein Sarg aus Zinn mit Junker Detloff Kleinow gleich ganz mitgenommen worden.

Eine Zeit lang lag die Kirche wüst da. Die eingepfarrten Dörfer waren teils abgebrannt, die Leute daraus verjagt und in alle Richtungen versprengt. Den Kirchenvorsteher Tias Zitan, der die Kirchenschlüssel verwahrte, hatten die Reiter mit Gewalt vom Haus in den Wald verschleppt und dort erbärmlich misshandelt. Er sollte ihnen das Versteck zeigen, in dem die Bauern ihr Vieh verborgen hatten. Da der Kirchendiener schwieg, wurde er im Wald erschossen.

Auch Krankheiten dezimierten die Bevölkerung. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges brach 1618 in Grabow zum wiederholten Mal die Pest aus. Drei Jahre später zerstörte ein Brand 60 Häuser. 1631 belagerten Truppen verschiedener Nationalitäten die Stadt, die während dieser Zeit ausgeplündert wurde. Im Jahr 1634 schleppten die Belagerer die Pocken ein und zwei Jahre später kamen die Schweden nach Grabow und raubten alles Vieh. Durch Hunger starben viele Menschen, besonders Kinder.

1638 brach die Pest erneut aus. Es blieben nur wenige Einwohner am Leben, die nicht einmal ihre Toten beerdigen konnten.

Im Jahre 1638 stahlen die Schweden bei ihrem Marsch durch die Stadt alles Vieh. Nur Hunde und Katzen ließen sie den Grabowern da. Wie berichtet wird, schlugen sich die verbliebenen Einwohner vor Hunger um diese abgemagerten Tiere. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges lag Grabow völlig verarmt und entvölkert darnieder.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen