Alternative zu Benzin : Holzgas-Fahrzeuge rollten durch Mecklenburg

Ein typisches Holzgas-Fahrzeug
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Ein typisches Holzgas-Fahrzeug

Lastkraftwagen mit Holzgenerator waren Alternative, um Benzin und Diesel zu sparen

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15. Januar 2016, 00:00 Uhr

Um die Kraftstoffversorgung Deutschlands für den erfolgreichen Kriegsverlauf unter allen Umständen zu gewährleisten, wurde mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 der größte Teil des privaten Kraftverkehrs nur dann erlaubt, wenn hierfür ein öffentliches Interesse vorlag.

Eine Alternative, um Benzin und Dieselkraftstoffe zu sparen, waren Kraftfahrzeuge mit Flüssiggas oder Gasgenerator. Beim Holzgasgenerator für Kraftfahrzeuge wurde durch die Holzverbrennung in einem schachtförmigen Behälter Gas gewonnen, das durch einen Kühler und Reiniger hindurch vom Motor angesaugt wurde. Hierbei wurde fester Brennstoff – in den meisten Fällen faustgroßes Holz – nach Öffnen des Deckels von oben in den zylindrischen Gasbehälter eingefüllt. Es verbrannte dann langsam im unteren Bereich des Kessels von unten nach oben. Ein kleiner Elektromotor, der von der Autobatterie gespeist wurde, diente dabei zum Anfachen der Gaserzeugung. Zum Anzünden verwendete man meistens einen ölgetränkten Lappen. Man könnte dieses Kraftfahrzeug als „fahrbares Gaswerk“ bezeichnen.

Für die Umstellung auf Generatorbetrieb kamen nur Lastkraftwagen mit mehr als 2500 Kilogramm Nutzlast infrage. Die Kosten der Umstellung betrugen rundweg 2000 Mark der damaligen Reichsmarkwährung. Neben der Umstellung auf Holzgas wurde von Mercedes-Benz ein Lastwagentyp mit Kohlegasgenerator entwickelt.

Durch die nachträgliche Umrüstung auf Holzgasbetrieb wurde die Nutzlastfläche reduziert. Hinzu kam das Gewicht des Generators von etwa 300 Kilogramm sowie der mit zuführende Holzbedarf, der bei längeren Strecken bis zu 250 Kilogramm betragen konnte.

Einen Lastkraftwagen mit Holzgas-Generator hatte auch der Kleinfuhrunternehmer Paul Koch aus Waren/Müritz. Seine Hauptfuhren waren landwirtschaftliche Erzeugnisse, im Herbst fast ausschließlich Zuckerrüben, die nach Malchin zur Zuckerfabrik transportiert wurden. So kam Paul Koch fast mehrfach im Monat bei uns in Malchin vorbei, mit der Bitte, sich waschen zu dürfen. Häufig sah er einem Schornsteinfeger ähnlich. Das Nachfüllen von Holz in den Kessel, die Reinigung der Filterschläuche und eine Fülle kleiner Reparaturen gehörten nicht gerade zu den sauberen Arbeiten. Seine Bitte haben wir nie abgeschlagen. Des Öfteren hinterließ er einen Sack voll mit Zuckerrüben, den meine Mutter dann zu Brotaufstrichsirup verarbeitete.

Doch trotz der Ersparnis von Benzin und Dieselkraftstoffen war der Lastkraftwagen mit Holzgenerator relativ unbeliebt. Da er hauptsächlich im Fahrbetrieb auf kürzeren Strecken mit Fahrunterbrechungen eingesetzt wurde, war es schwierig, ihn „elastisch“ zu fahren. Denn beim Halt ging ja die Gaserzeugung weiter, den Feuerkorb konnte man nicht einfach abschalten. Teilweise musste Gas abgelassen werden, was nicht gerade umweltfreundlich war.

Heute geht die Automobilindustrie andere Wege, hin zu Flüssiggas und Elektromotor. Doch wer weiß. Vielleicht ist eines Tages der Holzgasgenerator wieder aktuell.

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