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Schloss Garlitz : Hoffnung in dunkler Zeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Luigi-Carlo von Bourbon-Parma schnitzte im Garlitzer Schloss eine Weihnachtskrippe

Maria und Josef, die heiligen drei Könige, Hirten, bemalt mit bunten Wasserfarben. Das ist die Krippe, die ein italienischer Prinz 1944 im mecklenburgischen Dorf Garlitz zwischen Neuhaus und Lübtheen schnitzte, um sich selbst und seine Familie in der Gefangenschaft Mut zu machen.

Das Schloss Garlitz, 1868 von der Familie von Laffert im neugotischen Stil erbaut, diente in den Jahren 1943 bis 1945 als Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Dort wurden so genannte „Ehren- oder Sonderhäftlinge“ gefangen gehalten. Dazu errichtete man eigens eine Baracke zur Unterbringung von 20 SS-Wachmännern unter dem Kommando von Hauptsturmführer Joseph Sewera. Am 18. Februar 1943 wurde als erster Häftling der über 70-jährige General und ehemalige französische Verteidigungsminister Maxime Weygand mit seiner Ehefrau Renee dort festgesetzt. Nach dessen überstürztem Abtransport nach Tirol am 4. Dezember 1943 verschleppte man ins Garlitzer Schloss Luigi Carlo von Bourbon-Parma (1899-1967), seine Ehefrau Maria Francesca (1914-2001), eine Prinzessin von Savoyen und Tochter von Victor Emmanuel III., König von Italien, und ihre beiden Kinder Louis, vier, und Remy, zwei Jahre, alt.

Luigi war der Bruder von Zita, der letzten Kaiserin von Österreich und Ungarn. Ihre Familien befanden sich im Exil, im Widerstand oder waren von der Gestapo schon mehrfach verhaftet worden, so auch das Prinzenpaar, das in Garlitz unter dem Decknamen „Biberpelz“ festgehalten wurde.

Bis Weihnachten schnitzte Prinz Luigi aus Lindenholz eine zehnteilige Weihnachtskrippe. Es war wohl ein Geschenk für die Familie, aber ebenso Ablenkung vom tristen Leben in der Gefangenschaft und der ständigen Bedrohung durch Hinrichtung. Nach der Befreiung des Garlitzer Außenlagers am 2. Mai 1945 durch amerikanische Soldaten der 82. Luftlandedivision gelangte die Krippe zuerst in die Hände von Gertrud von Laffert, die weiterhin in einem kleinen Bereich im Schloss hatte wohnen dürfen. Die „Baronin“ übergab die Krippe dann der Flüchtlingsfamilie Finck, zu der Mutter Elisabeth (1907-1996) und die Töchter Sybill (Jahrgang 1939) und Doris (Jahrgang 1941) gehörten. Tochter Doris, die heute in Boizenburg lebt, hat die Krippe gehütet und über Jahrzehnte zu Weihnachten für ihre Familie aufgebaut.  

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