Käthe Miethe : Hoch die Tassen!

Chronistin Käthe Miethe setzte dem Fischland ein literarisches Denkmal.
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Chronistin Käthe Miethe setzte dem Fischland ein literarisches Denkmal.

Ein Prosit auf Käthe Miethe: Am 11. März feiert das Fischland den 125. Geburtstag der Schriftstellerin.

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09. März 2018, 00:00 Uhr

„Es tut gut, wenn man seine Erfahrungen in jungen Jahren macht, damit sie einem für das eigene Leben nützen können.“ Das bekommt Gudrun, Tochter eines Fischländer Kapitäns, von ihrem Vater zu hören, als sie ihn auf eine Schiffsreise begleiten darf. „Zu den Glücklichen Inseln“ ist ein Buch von Käthe Miethe, die mit ihren Werken dem Fischland ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Lange lag die Erzählung in der Schublade – warum auch immer. Nun hat der Wustrower Helmut Seibt das bislang unveröffentlichte Manuskript herausgegeben. Pünktlich zum 125. Geburtstag der Autorin am 11. März ist es im Schweriner Thomas-Helms-Verlag erschienen.

Der Herausgeber sieht darin eine ungewöhnliche Geschichte. Eine, zu der ein Pionier der Farbfotografie und die Insel Teneriffa genauso gehören wie das Fischland, weiße Mokkatassen und ein vergessener Hefter mit 145 Schreibmaschinenseiten. Aber der Reihe nach. Dr. Helmut Seibt ist kein Schriftsteller, sondern Pädagoge und Mathematiker, vielseitig interessiert und außerdem mit einer Althägerin verheiratet. Gisela Seibts Elternhaus steht in der Nachbarschaft der Büdnerei, in der Käthe Miethe zu Hause war. Als Kind half sie „Frau Miethe, wie wir sagen mussten“ bei der Gartenarbeit. „Ich bekam dafür Bonbons und meine Schwester, die schon etwas älter war, Bücher“, erinnert sich die 73-Jährige. Die Bücher gehörten zu einem Genre, das Seibts „Jungmädchenbücher“ nennen: Deren Heldinnen stehen an der Schwelle zum Erwachsensein – mit allen Herausforderungen. Käthe Miethe schrieb diese Bücher in den 1920er- und 1930er-Jahren. Zuvor hatte sie Abenteuergeschichten veröffentlicht, die sich an Berichte von Forschungsreisen ihres Vaters nach Ägypten und Spitzbergen anlehnten. Der Chemiker Adolf Miethe hatte als Astrofotograf an mehreren Expeditionen teilgenommen. Von ihm stammen ein Verfahren zur Dreifarbenfotografie und erste Farbbilder, die er bereits Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlichte. Ein Band im Bücherschrank seiner Schwiegereltern brachte Helmut Seibt auf die Spur des Wissenschaftlers – und auch auf die von dessen Tochter. Die Familie war eng mit dem Fischland verbunden: Hierher fuhren Miethes in die Sommerfrische, hier kaufte Adolf seiner Tochter Käthe 1916 die Büdnerei 54.

Waren es anfangs Sommeraufenthalte, zog Käthe Miethe 1939 ganz nach Althagen. Seibt vermutet, dass sie damit dem Treiben der Nazis in Berlin entgehen wollte. Zwar gibt es keine schriftlichen Äußerungen zu diesem Thema, doch ihr gesamtes Werk weist keine Nähe zu den braunen Machthabern auf.

Auf dem Fischland wurde Käthe Miethe Teil einer Gemeinschaft, die von der Seefahrt geprägt war. Jetzt entstanden ihre Fischland-Bücher, die sich durch seemännisches Fachwissen und Lokalkolorit auszeichnen. „Um so erzählen zu können, musste Käthe Miethe auch etwas erzählt bekommen“, sagt Seibt. Er weiß von alten Althägern, dass die Schriftstellerin deshalb in den Schifferkneipen einkehrte: im „Boddenhaus“, „Zum Kiel“ und am „Kap der guten Hoffnung“. Hier spannen die Seebären ihr Seemannsgarn, hier hieß es „Hoch die Tassen“. Im Falle von Käthe Miethe im wahrsten Sinne des Wortes: Die Schriftstellerin trank Kognak aus dem Mokkatässchen – „Braunes aus weißen Tassen“, so ist es überliefert.

Käthe Miethes Kunst ist es, durch ihre Erzählweise das alte Fischland vor dem inneren Auge des Betrachters entstehen zu lassen. Und nicht nur das Fischland: Die Hauptheldin des Buches „Zu den Glücklichen Inseln“ reist auf einem Bananendampfer nach Teneriffa. „Nach den Beschreibungen könnte man dort spazieren gehen, Santa Cruz, der Pik, alles steht vor Augen“, sagt Helmut Seibt. Er war bei einer Recherche im Archiv des Hinstorff-Verlages auf das Manuskript gestoßen: 145 Seiten, auf der Schreibmaschine getippt. Seibt übertrug jede Zeile in den Computer – und so ist 57 Jahre nach Käthe Miethes Tod wieder ein „Jungmädchenbuch“ erschienen.

Neben der abenteuerlichen Geschichte enthält der Band ein Tagebuch von Käthe Miethes eigener Reise nach Teneriffa. 1926 war sie drei Monate lang auf der Insel und veröffentlichte ihre Beobachtungen in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, für deren Feuilleton sie schrieb. Zudem war die 1893 in Rathenow geborene Schriftstellerin und Journalistin als Übersetzerin tätig – sie übertrug Bücher aus dem Norwegischen ins Deutsche. Käthe Miethe lebte ihren Anspruch, dass Frauen selbstständig sein und einen Beruf haben sollten. Damit war sie zu ihrer Zeit revolutionär.

Als „uriger, umgänglicher Mensch“ ist sie Alteingesessenen auf dem Fischland in Erinnerung geblieben. Die Jüngeren und neu Hinzugezogenen hören es durch Erzählungen. Zum Beispiel bei Veranstaltungen des Käthe-Miethe-Stammtischs, den Gisela und Helmut Seibt ins Leben gerufen haben. Und wenn sie mit Gästen bei den 8. Käthe-Miethe-Tagen am 11. und 12. März in Malchens Café auf den Geburtstag der Schriftstellerin anstoßen, tun sie es natürlich mit Kognak in kleinen Mokkatassen.

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K. Miethe: Zu den „Glücklichen Inseln“, herausgegeben von H. Seibt, Thomas-Helms-Verlag Schwerin, ISBN 978-3-944033-48-8


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