Mecklenburg Magazin : Herzöge versuchten sich jahrelang am Bau des Elbe-Ostsee-Kanals

Boote auf der Elde-Müritz-Wasserstraße: Der Traum von der Fahrt zwischen Dömitz und Wismar ging nicht in Erfüllung.
Boote auf der Elde-Müritz-Wasserstraße: Der Traum von der Fahrt zwischen Dömitz und Wismar ging nicht in Erfüllung.

Wasserstraße von Dömitz nach Wismar sollte den Handel beleben / Benachbarte Fürsten und Hansestädte blockierten das Projekt

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26. November 2015, 09:24 Uhr

Waren und Rohstoffe werden schon seit Jahrhunderten nicht nur über Landwege, sondern auch über Flüsse transportiert. Doch nicht alle Güter gelangen auf diesem Transportweg rasch an den gewünschten Zielort. So ersannen findige Bauleute künstliche Wasserläufe – Kanäle.

Einen Wasserweg von der Elbe zur Ostsee begehrten die mecklenburgischen Herzöge im 16. Jahrhundert. Hierzu boten die Flüsse Elde und Stör als natürliche Verbindungsläufe ideale Voraussetzungen. Jedoch erwies sich die Umsetzung nicht nur in technischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht als ein heikles Unterfangen.

Obwohl die Verhandlungen schwierig waren, ließen die mecklenburgischen Herzöge nicht von ihrem Vorhaben ab. Schon 1480 hatten die Bauleute unter den mecklenburgischen Herzögen Magnus II. und Balthasar begonnen, die Elde schiffbar zu machen. Ihr Plan war, den Durchgangshandel von Dömitz an der Elbe bis nach Wismar zu ermöglichen.

Allerdings floss die Elde auch durch Brandenburg, und erste Verhandlungen über Nutzungsrechte mit den Kurfürsten Albrecht Achilles und Johann Cicero blieben jedoch erfolglos. Sie sahen keinen Anlass für einen Kanal zur Ostsee. Doch das Projekt wurde deswegen nicht ad acta gelegt. So berichtete 1531 die „Wendische Chronik“, dass die Stadt Wismar und Herzog Albrecht einen Graben von Wismar in den Schweriner See und von dort in die Elde und weiter in die Elbe in Auftrag geben wollten. Zeitgleich kurbelte Herzog Albrecht die Schifffahrt auf der Stör an. Während die Hansestädte den wirtschaftlichen Nutzen der herzoglichen Pläne bezweifelten, fürchteten die benachbarten Fürsten trotz zukünftiger erhöhter Zolleinnahmen Konkurrenz, obwohl sie die Leitung des gesamten Ostseehandels bis in die Elbe inne hatten. Insbesondere das Herzogtum Lüneburg fürchtete um seinen Salzhandel. Der Herzog Ernst von Lüneburg belegte sogar alle Schiffe bei den Zollstädten Bleckede, Hitzacker und Schnakenburg mit so hohen Zöllen, dass eine gedeihliche Entwicklung der Schifffahrt auf der neuen Wasserstraße angezweifelt wurde.

Trotz aller Widerstände fuhr Herzog Albrecht mit seiner Gemahlin im Mai 1533 mit zwei beladenen Schiffen die Elde hinunter. Die Arbeiten an dem Wassergraben von Dömitz nach Norden gingen voran. Albrecht beauftragte dann den aus Westfalen stammenden Mathematiker Tilemann Stella, drei Anhöhen nördlich des Schweriner Sees zu durchstechen, die Elde oberhalb Eldenas zu regulieren und Aufräumarbeiten im Fluss vorzunehmen. Bereits 1543 wurde an einer Schleuse und einer Brücke in Banzkow gebaut.

Nach dem Tode von Herzog Albrecht betrieben seine Söhne Johann Albrecht I. und Ulrich das Projekt des Elbe-Ostsee-Kanals weiter. Die Herzöge traten in neue Verhandlungen mit den Hansestädten ein und alsbald bekundeten die Städte Magdeburg und Wismar am Kanalbau reges Interesse. 1564 begann der Bau der Wasserstraße zwischen Schwerin und Dömitz. Während Herzog Johann Albrecht die Arbeiten vorantrieb, begehrte Herzog Ulrich schon vor Vollendung des Kanals, die Verteilung der Zölle vertraglich zu fixieren. Ein solcher Vertrag wurde im Mai 1567 geschlossen. Darin verpflichteten sich beide Herzöge, die Schleusen auf eigene Kosten zu bauen. Die Strecke von Schwerin bis Dömitz sollte dann sechs Haupt- und zwei Stauschleusen erhalten. Während Herzog Johann Albrecht im Herbst 1566 auf seinem Gebiet vier Schleusen auf der Stör und der Elde errichten ließ, sondierte Herzog Ulrich 1567 den Bau von Schleusen zu Grabow und Eldena. Danach wurden die Hauptschleusen in Banzkow und Neustadt und die Stauschleuse Plate fertiggestellt.

Obwohl im Frühjahr 1571 Teile der Anlagen durch den Kurfürsten von Brandenburg zerstört wurden, gingen die Arbeiten rasch voran. Bereits Ende Februar 1572 war die neue Fahrrinne fertig und im August 1572 wurde der Weg von Eldena bis Dömitz freigegeben. Drei Jahre später liefen die Planungen für die letzte Teilstrecke zwischen Viecheln und Wismar an. Nach dem Tod von Herzog Johann Albrecht anno 1576 führten seine Söhne und Herzog Ulrich das Werk fort. So besichtigte eine Kommission im Juni 1577 das Gelände und verhandelte mit dem wismarschen Rat über die Richtung des Wassergrabens. Nach der Einigung wurde der Bau des letzten Teilstückes begonnen.

Doch allen Anstrengungen zum Trotz konnte die gesamte Strecke von Dömitz bis Wismar nicht vollendet werden. Die Schuldenlast der Herzöge war erdrückend, die hohen herzoglich lüneburgischen Elbzölle und das Stapelrecht der Stadt Lüneburg hemmten den Schiffsverkehr. Zudem verweigerten die Städte Magdeburg und Hamburg sogar die Bezahlung eines mäßigen Schleusengeldes zur Erstattung der Unkosten und Erhaltung des Grabens. Alsbald gab ebenfalls die Stadt Wismar den Weiterbau aus Geldmangel auf. Auch im 17. Jahrhundert scheiterten weitere Anläufe für die Fertigstellung des Elbe-Ostsee-Kanals.
 

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