Schulgeschichte : Häkelstreit und volle Klassen

Die ehemalige Schule von Nostorf
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Die ehemalige Schule von Nostorf Fotos: Buck

Der kleine Ort Nostorf erhielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine eigene Schule

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06. April 2018, 00:00 Uhr

Eine Schulbibliothek mit 48 Büchern, der Schülertransport per Pferdewagen und ein Streit ums Häkeln: Das alles gehört zur Nostorfer Schulgeschichte. Die begann allerdings erst im 19. Jahrhundert. Nostorf bei Boizenburg hatte bis 1864 keine eigene Schule. Die Kinder gingen mit in die Schule des Kirchdorfs Zweedorf, wo sich ca. 100 Mädchen und Jungen in einer kleinen Stube drängten. In der Zweedorfer Pfarrchronik von 1900 wird ein ehemaliger Schüler so zitiert: „Ach, de Hälft güng ümme man hen, den ollen Herrn Zerlank köm dat so genau nich dorup an, he har likers noch naug.“

Erster Lehrer in Nostorf wurde bis 1888 August Mewes. Er unterrichtete in einer einklassigen Schule alle Schüler vom Erstklässler bis zum Konfirmanden. 1888 übernahm Lehrer Carl Dahlenburg die Schule. Ihm folgte von 1892 bis 1926 Carl Mahnke. Seine Einnahmen beliefen sich 1900 auf 650,99 Mark jährlich. Davon waren bares Gehalt 75 Mark. Hinzu kamen 80 Mark Stellenzulage und 15 Zentner Roggen nach dem Martinipreis bezahlt. Der Rest setzte sich aus den Einnahmen der teils verpachteten, teils selbst bewirtschafteten Schulländereien sowie der freien Wohnung und der freien Feuerung zusammen.

1900 wurden für die Schule Öldrucke der drei wilhelminischen Kaiser sowie von Bismark und Moltke erworben. Im gleichen Jahr gründete der Hilfsprediger Tolzien, der später evangelischer Landesbischof von Mecklenburg-Strelitz werden sollte, eine 48 Titel umfassende Schulbibliothek. Neben vielen zeitgemäß-patriotischen Titeln waren auch Lederstrumpf I und II sowie Beecher-Stowes „Onkel Toms Hütte“ vorhanden.

Der Stundenplan sah 1900 Unterricht von Montag bis Sonnabend jeweils drei Stunden von 8 bis 11 Uhr und von 13 bis 16 Uhr vor. Morgens war jeweils die erste Stunde für Religion, vor allem Katechismus und biblische Geschichte, reserviert. 17 von 36 Wochenstunden entfielen auf Rechnen und Deutsch. Jeweils zwei Sing- und Geographiestunden und eine Weltgeschichtsstunde fielen kaum ins Gewicht. Mittwochs und sonnabends waren die Nachmittage für den Industrieunterricht reserviert. Das bedeutete für die Jungen Schulgartenunterricht und für die Mädchen meist Handarbeitsstunden bei der Lehrersfrau. Auch das ging nicht immer ohne Beschwerden ab. So beklagte sich im November 1906 die neunfache Mutter Dora Gevert beim Schulrat darüber, dass die Mädchen nicht in feinen Weihnachtshandarbeiten unterrichtet würden. Es fand im großherzoglichen Amt zu Boizenburg am 11. Januar 1907 hierzu ein Termin statt mit der Beschwerdeführerin und der Industrielehrerin. Anwesend war auch Pastor Preß als geistliche Schulaufsicht. Im Protokoll ist vermerkt, dass sich die Industrielehrerin bereit erklärte, während der Adventszeit mit den älteren Mädchen entsprechende Handarbeiten anzufertigen. Sie schränkte jedoch ein: „Ich beschränke meine Verpflichtung in dieser Beziehung auf den Unterricht im Häkeln und Sticken und lehne jegliche Verantwortung dafür ab, daß die Kinder Arbeiten liefern, welche die Billigung ihrer Eltern nicht finden.“

Ähnlich lief der Unterricht auch noch zu Zeiten von Mahnkes Nachfolger Habeck ab, der von 1926 bis nach dem zweiten Weltkrieg amtierte. Am 1. Oktober 1945 wurde der Unterricht mit 66 Schülern wieder aufgenommen. Im Folgeschuljahr waren es schon drei Lehrer, die 113 Kinder unterrichteten. Es wurde ein zweiter Klassenraum eingerichtet. Allerdings sanken wegen der Abwanderung aufgrund schlechter Arbeitsmöglichkeiten die Schülerzahlen bis 1950 wieder auf 64 und eine Lehrkraft wurde versetzt.

In der ausgebauten Schulscheune fanden neben ei-nem neuen Klassenraum auch der Pionierraum, die Schulküche und von 1958 bis 1972 der Kindergarten ihren Platz. Allerdings wurde Nostorf im Wege der polytechni-schen Schulbildung reiner Grundschulstandort. 1961 wurde der Mehrstufenunterricht eingeführt und die 23 Kinder der Klassen 1 bis 4 in einem Raum unterrichtet. Allerdings war es ab 1962 so, dass die beiden ersten Klassen der Schulen in Bickhusen und Nostorf in Nostorf unterrichtet wurden und die Nostorfer Kinder der dritten und vierten Klasse mit in Bickhusen. Der Schülertransport erfolgte mit dem Pferdewagen. 1968 wurde die Teilschule Nostorf aufgelöst und dem Schulbereich Schwanheide angegliedert. Noch bis 1983 wurde hier eine ausgelagerte Klasse unterrichtet. Heute beherbergt die einstige Schule das Gemeindehaus.

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