Frauentag : Großer Rummel um die Frauen

Kämpferisch: Plakat des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) zum Internationalen Frauentag 1954.  Repro: Rossmann
Kämpferisch: Plakat des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) zum Internationalen Frauentag 1954. Repro: Rossmann

Seit 1977 ist der Frauentag ein internationaler Feiertag . Die Mecklenburgerin Inge Lüning erinnert sich an Feiern zu DDR-Zeiten

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08. März 2016, 09:50 Uhr

Der am 8. März begangene Internationale Frauentag war keine Erfindung der DDR. Dieser Gedenk- und Feiertag hat seine Wurzeln im Jahr 1908, als amerikanische Textilarbeiterinnen für den Achtstundentag, bessere Arbeitsbedingungen und das Wahlrecht auf die Straße gingen. Die zwei Jahre später von Clara Zetkin vorgeschlagene Einführung eines Internationalen Frauentages wurde erstmalig am 19. März 1911 zunächst in den Ländern Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz begangen.

Eines der Hauptziele der Frauenbewegung dieser Jahre war die Forderung nach einem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht. Der 8. März als Internationaler Frauentag setzte sich dann erst 1921 durch.

Während der Zeit der Nazi-Diktatur war das Feiern des Internationalen Frauentages verboten. Stattdessen wurde der seit 1914 in den USA begangene Muttertag, der eher dem nationalsozialistischen Frauen- bzw. Mutterideal entsprach, als Ehrentag für Frauen und Mütter eingeführt. Während die Bedeutung des Frauentages in Westdeutschland nach dem Krieg allmählich verlorenging, entwickelte sich dieser Tag in der DDR und somit auch in Mecklenburg zu einem symbolträchtigen Kampf- und Feiertag.

Im internationalen Jahr der Frau 1975 richteten am 8. März erstmalig die Vereinten Nationen eine Feier aus. Zwei Jahre später wurde der Frauentag offiziell von der Generalversammlung der UN als internationaler Feiertag anerkannt. Die UN nutzen die Frauentage, um auf die AIDS-Problematik, die Gewalt gegen Frauen oder die Chancengleichheit aufmerksam zu machen.

Inge Lüning aus den damaligen Feinpapierfabriken Neu Kaliß erinnert sich da-ran, wie der Frauentag in der DDR begangen wurde: „Am 8. März gingen die männlichen Chefs in die Brigaden und begrüßten alle Kolleginnen besonders nett und freundlich, verteilten Blümchen – Freesien, glaube ich. Nachmittags gab es eine kleine Feierstunde mit Kaffee und Kuchen. Es wurde dort eine Ansprache gehalten, in welcher die Frauen in besonderer Weise gewürdigt wurden. An verdienstvolle Frauen wurden Geldprämien, Bestarbeitermedaillen und weitere Auszeichnungen überreicht.“

Inge Lüning berichtet auch von Modenschauen und weiteren Veranstaltungen, die anlässlich des Frauentages stattfanden. Sie erzählt: „Nach der Versammlung war für die Frauen Feierabend. Dann bin ich meistens mit dem Fahrrad zu meiner Mutter gefahren und dort haben wir noch privat gemeinsam Kaffee und manchmal auch noch ein Fläschchen Wein getrunken. Manche Frauen nahmen nach den Veranstaltungen ,ganz schön hoch die Tassen‘. Die waren dann manchmal ganz schön duun. Und die Männer haben mitgefeiert. Während der Veranstaltung im Betrieb schenkten die weißbeschürzten Männer sogar Kaffee aus. Nur um die Männer so bedienen zu sehen, ließen sich die Frauen immer wieder eine Tasse Kaffee nachschenken.“

Zu den Frauentagsfeiern gehörten auch die obligatorischen Besuche der Patenklassen oder der „Winzlinge“ aus den Kindergärten, die den Feiertag mit selbstgebastelten Geschenken oder putzigen Vorträgen verschönten. Der 1976 verfasste Bericht in einem Brigadebuch aus den Feinpapierfabriken Neu Kaliß beschreibt es so: „Große Freude bereiteten uns die Kleinsten des Kindergartens. Mit großem Eifer erfreuten sie uns mit Liedern und kleinen Gedichten. Nach ihrer Darbietung hielt unser Parteisekretär die Festansprache.“ Nach der Ehrung von drei Kolleginnen als Aktivistinnen ging es gemütlich weiter: „Bei einem Gläschen Wein und flotten Weisen der Kapelle ,Stradi Schulz‘ wurde diskutiert und tüchtig das Tanzbein geschwungen. Großen Anklang fanden auch die selbst angefertigten Ausstellungsstücke des Solidaritätsbasars, die während der Veranstaltung verlost wurden. Eine Augenweide war für uns alle das kalte Buffet.“

Tags darauf war dieser „Rummel um die Frauen“ in aller Regel schnell wieder vergessen und wurde verdrängt von den Sorgen der Frauen um die Familie und um die Dinge des täglichen Lebens, die aufgrund der DDR-Mangelwirtschaft täglich fantasievoll zu bewältigen und zu organisieren waren.

Die von Kollegen, Schülern, Patenklassen und privat am Frauentag verschenkten Blumen brachten die sozialistische Planwirtschaft oftmals an die Leistungsgrenze. Manch eine Frau musste sich daher mit den zuvor verkauften Stoff- und später Plasteblümchen in Form einer Anstecknadel begnügen.

Die wohl meisten Frauen ließen seinerzeit das politische Brimborium geduldig über sich ergehen, erfreuten sich an den Zuwendungen und den oft schönen Stunden im Kreise der Brigaden. Man hatte sich eben so gut es ging eingerichtet mit den teilweise gesellschaftspolitischen Widersprüchen der kleinen „großen DDR“.

Heute ist der Internationale Frauentag in 26 Ländern ein gesetzlicher Feiertag und wird auch in Mecklenburg hin und wieder von Politikern gewürdigt sowie von Dorfclubs, Gruppen der Volkssolidarität und verschiedenen Kulturvereinen gestaltet und in Geselligkeit verbracht.
 

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