Sommerwohnung des Großherzogs : Greenhouse wird Lazarett

Die Alexandrine-Statue im Greenhouse-Garten steht in Sichtweite des Greenhouses, das heute eine Kita beherbergt.
Die Alexandrine-Statue im Greenhouse-Garten steht in Sichtweite des Greenhouses, das heute eine Kita beherbergt.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg lässt Großherzogin Alexandrine Verwundete in ihrer Schweriner Villa pflegen

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07. Juli 2018, 00:00 Uhr

Wir schreiben das Jahr 1837. Friedrich Franz I., Großherzog von Mecklenburg Schwerin, stirbt am 1. Februar in Ludwigslust, wird nach Doberan überführt und im Münster beigesetzt. Zur Regierung gelangt sein fast 37 Jahre alter Enkel Paul Friedrich, seit 1822 mit Alexandrine, Tochter des Königs von Preußen und seiner schönen Frau Luise, verheiratet. Die beiden verlegen ihren Wohnsitz von Ludwigslust nach Schwerin.

Die alte Obotritenburg auf der Schlossinsel allerdings passt nicht zu den Vorstellungen von modernem Wohnen. Das großherzogliche Paar zieht vorerst ins Alte Palais am Alten Garten. Als Sommerwohnung wird im Schlossgarten das Greenhouse errichtet. 1839 baut Demmler das gegenüberliegende Kavaliershaus, eine gusseiserne Brücke verbindet beide Häuser. 1840 schenkt Paul Friedrich seiner Frau das Anwesen. Nur zwei Jahre später ist Alexandrine Witwe: 1842 stirbt der Großherzog Paul Friedrich.

Jahre gehen ins Land, friedliche Jahre, abgesehen von den 1848er-Unruhen und dem Preußisch-Dänischen Krieg, mit dem Mecklenburg nichts zu tun hat. Doch dann ziehen dunkle Wolken auf am Horizont. Im Sommer 1866 scheint Krieg zwischen Österreich und Preußen unvermeidbar. Hektische Aktivität herrscht in den diplomatischen Kabinetten. Die größeren deutschen Bundesstaaten scheinen sich auf die Seite Österreichs stellen zu wollen.

Mecklenburg, geographisch bedingt, und durch Alexandrine eng verwandt mit dem preußischen Königshaus, bleibt diesem treu. Nach den Kriegserklärungen kommt es noch im Juni zu größeren Gefechten. Am 3. Juli gelingt den Preußen der entscheidende Schlag bei Königgrätz. Zahllose Verwundete gilt es jetzt zu versorgen. Alexandrine entschließt sich, ihr im Schlossgarten gelegenes Greenhouse zur Aufnahme verwundeter Krieger bereitzustellen. Die ärztliche Oberaufsicht wird Medizinalrat Dr. Carl von Mettenheimer übertragen.

Mettenheimer ist seit 1861 Leibarzt des Großherzogs. Als er mit diesem Anfang August in den Krieg zieht, übergibt er an Dr. Driever, der seit 1834 in der Stadt praktiziert. Mit der Oberleitung des Lazaretts wird Ida Masius beauftragt. Sie ist Vorsteherin des Krankenvereins in Schwerin. Seit 1862 leitet sie das Augustenstift, Jahre später wird sie das Anna-Hospital gründen.

Am 28. Juli 1866 treffen 15 verwundete Preußen in Schwerin ein und werden vom Bahnhof in zwei fürstlichen Wagen ins Greenhouse gefahren. Es scheint, dass mit Rücksicht auf die Großherzogin-Mutter Alexandrine nur leicht Verwundete ausgewählt worden waren. Das Grauen des Krieges passte nicht zu den idealistischen Vorstellungen von Heldentum und Vaterlandsliebe, wie sie an allen deutschen Fürstenhöfen gepflegt werden.

Alle Verwundeten haben Schussverletzungen aus den Gefechten bei Gitschin und Trautenau. In der Bevölkerung herrscht große Anteilnahme. Am 8. und 9. August stattet Alexandrine Besuche ab. Am 17. August lädt Julius Brede, Direktor der Bredeschen Schauspielgesellschaft, die Rekonvaleszenten zu einer Festvorstellung in das neuerbaute Tivoli-Theater nach Zippendorf ein. Die gute Pflege und Fürsorge zeigen bald Wirkung. Später kann die Hälfte der Verwundeten als vollständig genesen in die Heimat entlassen werden.

Mit Eingreifen der Truppen aus Mecklenburg in die Kampfhandlungen sind weitere Verwundete zu versorgen. Am 20. Juli 1866 beginnt der Vormarsch nach Bayern. Bei der Einnahme von Bayreuth und im Gefecht von Seybothenreuth treten Verluste auf. Schwerverwundete werden im städtischen Krankenhaus versorgt, leichter Verwundete finden Aufnahme im Bayreuther Siechenhaus. Zu ihnen gehören die Dragoner Prohl aus Silz bei Malchow und Gaedke aus Hagenow. Zusammen mit dem Jäger Lau aus Dalwitz kommen die beiden am 23. August im Greenhouse an. Am 11. September werden die Dragoner Sievert und Freitag eingeliefert. Sievert war der Fuß abgenommen worden, und Freitag hatte einen Schuss in den Mund bekommen, die Kugel war durch den Hals wieder herausgetreten.

Für einige der behandelten Soldaten hat sich das Leben verändert. Prohl wird beim Oberpostamt in Schwerin angestellt, andere kommen als Paketboten unter. Sievert kehrt Anfang Februar 1867 aus Berlin mit einer Fußprothese zurück, lernt damit laufen und hofft, dass sich auch die Haut, welche sich über dem Stumpf des abgenommenen Fußes gebildet hat, an den Ersatz gewöhnt.

Für Alexandrine hat sich nichts verändert durch diesen Krieg. Ihr Sohn Friedrich Franz II. kehrt gefeiert in die Heimat zurück. Im Sommer 1867 kann sie wieder ihren Tee im Greenhouse nehmen und gemeinsam mit ihren Hofdamen den Erzählungen über Heldentaten preußischer und mecklenburgischer Soldaten und Offiziere in den deutschen Einheitskriegen lauschen.
 

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