Baum des Jahres: Winterlinde : Geliebter Baum mit großer Vielfalt

Winterlinde mit mächtigem Stockausschlag, an dem gern Feuerwanzen leben
Winterlinde mit mächtigem Stockausschlag, an dem gern Feuerwanzen leben

Die Winterlinde zieht als Baum des Jahres 2016 die Aufmerksamkeit auf sich

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15. Januar 2016, 00:00 Uhr

„Es gibt keinen Baum, der mehr mit der Liebe des Menschen verbunden ist und das allein ist schon eine Kostbarkeit.“ Das sagte Dr. Silvius Wodarz von der Stiftung „Baum des Jahres“ über die Winterlinde (Tilia cordata), die von der Stiftung 2016 gekürt wurde. Sie ist damit Nummer 28 in der Liste der bisher gewählten Bäume des Jahres. Und während ihre Vorgänger meist ausgesucht wurden, um auf ökologische Probleme aufmerksam zu machen, wählte die Stiftung die Winterlinde wegen ihrer vielfältigen Bedeutung von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

Die Winterlinde ist in Europa, Kanada, den USA und im östlichen Asien verbreitet. Sie erreicht eine Höhe von 20 bis 30 Metern und gilt als sehr dekorativ. Aus diesem Grunde ist sie als Park- und Alleebaum weit verbreitet. An der Laubblattbasis erkennt man rotbraune Haarbüschel, die als ein sicheres Merkmal für die Baumart „Winterlinde“ gelten. Die Winterlinde wächst etwa 150 Jahre in die Höhe, danach vermehrt in die Breite und kann ein Alter von über 1000 Jahren erreichen.

Winter- und Sommerlinden sind wegen ihrer Vielfältigkeit für den Menschen schon seit Jahrtausenden von Bedeutung. Seit dem 14. Jahrhundert verwendet man Lindenholz für die Herstellung von Holzspielzeug, da es leicht ist und kaum splittert. Betrachtet man die prachtvoll ausgestatteten Sakralbauten etwas genauer, erkennt man, dass die kunstvollen Schnitzereien vornehmlich aus Lindenholz gefertigt wurden. Das helle, fast weiße Holz, das an der Luft und dem Licht etwas nachdunkelt, besitzt keine Poren und andere Unebenheiten, so dass es auch im Klavierbau, zur Herstellung von Spulen, Molkerei- und Küchengeräten sowie zur Produktion von Sperrholz verwendet wird.

Für die pharmazeutische Industrie ist das Produkt „Lindenblüte“ ein wichtiger Rohstoff. Es findet Verwendung als Heilmittel bei Erkältungen in Form von Lindenblütentee sowie in der Kosmetik. Die Honigbiene nutzt die Lindenblüte als Nahrungsquelle für ihren Wintervorrat, den wiederum der Mensch im Tausch gegen Zuckerwasser als Lindenblütenhonig „erntet“. Auch im mystischen Sinne erlangte die Linde Bedeutung. Zu germanischen Zeiten galten die Kronen der Linden als Sitz der Göttin Freya. Von dort aus wachte sie über die Liebe, die Fruchtbarkeit und das Glück der Menschen.

Wenn sich auch der Glaube an die Linde änderte, so begleitete dieser Baum die Menschen durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart. In den Dörfern wuchs die Linde an zentraler Stelle und galt als Treffpunkt für Geselligkeiten, Hochzeiten, Kirchweihfeste bis hin zur Dorfgerichtsbarkeit. Gegenwärtig gibt es in vielen Ortschaften statt des Lindenbaums den Dorfkrug „Zur Linde“.

Die Linde wird in Gedichten, Liedern und in über 800 Ortsnamen in Deutschland erwähnt. Eine besondere Art der Verehrung findet sich in der Tanzlinde wieder. Ähnlich wie bei den Obstgehölzen das Spalierobst, formte man die Lindenzweige und unterstützte sie mit Tragbalken, auf die man den Tanzboden baute.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur noch eine Tanzlinde in Galenbeck, in der Nähe der Stadt Friedland. Sie ist etwa 250 bis 300 Jahre alt, wächst im ehemaligen Gutspark und bietet 24 Personen Platz. Sie ist in einem Topzustand, also sehenswert. Erwähnenswert sind die „Dicke Linde“ in Reinberg, Landkreis Vorpommern-Greifswald, die „Dorflinde“ in Speck bei Waren und die „Glockenlinde“ in Walkendorf, Landkreis Rostock. Ein Ausflug zu diesen Schönheiten lohnt sich.

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