Geschichte : Fürs Plätschern: König brauchte reichlich Wasser

Hätte man die Elde umgeleitet, wären die Wasseranlagen im Ludwigsluster Schlosspark ausgetrocknet.
Hätte man die Elde umgeleitet, wären die Wasseranlagen im Ludwigsluster Schlosspark ausgetrocknet.

Um die Brunnen in Potsdam sprudeln zu lassen, sollte einst die Elde in die Havel umgeleitet werden

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26. November 2015, 09:56 Uhr

Wäre es nach dem König von Preußen gegangen, hätte Ludwigslust schon seit langer Zeit keinen Kanal mehr. Und das kam so: Mecklenburgs Herzog Carl Leopold, der zwischen 1713 und 1728 regierte, hatte sich mit seinen Untergebenen verfeindet. Um die Ordnung wiederherzustellen, rückten Truppen aus Preußen und Hannover in Mecklenburg ein. Allerdings unterließ es Carl Leopold, für diese Truppen die geforderten Aufwandsentschädigungen von 172 000 Reichstalern an Preußen zu bezahlen.

Preußen nahm daraufhin mehrere Ämter in Pfand, darunter auch das Amt Eldena, das an einen Pächter namens Hahn verpachtet wurde. Nachforschungen um 1931 ergaben, dass die Kinder des ehemaligen Pächters zu dieser Zeit noch auf dem Friedhof in Eldena begraben lagen. Weitere Recherchen über die Familie Hahn führten in die Zeit, in der Preußen die gepfändeten Ämter an Mecklenburg zurückgab. Und für eben diese Rückgabe hatte der König von Preußen die Bedingung gestellt, die Elde in die Havel abzuleiten. Folgende Überlegungen sollen dabei eine Rolle gespielt haben: Um die Wasserspiele in Potsdam neu zu beleben, wollte der König eine Verbindung von der Müritz zur Havel schaffen und so zusätzliche Wassermengen gewinnen.

Die Quelle der Havel befindet sich in der Mecklenburgischen Seenplatte. Von hier nimmt der Fluss seinen Lauf zwischen Müritzsee und Neustrelitz und setzt dann seinen Weg durch viele kleine Seen fort, um schließlich über Fürstenberg und Oranienburg Potsdam zu erreichen.

Durch die Verbindung der Müritz zur Havel hätte der König das gewonnene Wasser der Elde zur Verschönerung seines Lieblingsprojektes, der Wasserspiele, gut gebrauchen können.

Im Westen Mecklenburgs hätte dazu allerdings der Ludwigsluster Kanal vom Störkanal abgetrennt werden müssen. Das wäre für den Schlosspark Ludwigslust verhängnisvoll geworden. Der Kanal wäre ausgetrocknet und all die Schönheiten wie das Bassin, die Kaskaden vor dem Schloss und die Wasserspiele im Park wären verloren gewesen.

Herzog Carl Leopold sowie seine Nachfolger Christian Ludwig II. und Herzog Friedrich der Fromme schafften es nicht, die verpfändeten Ämter wieder einzulösen. Erst die mecklenburgische Ritterschaft konnte den König von Preußen letztlich überzeugen, auf seine wahnsinnige Forderung zu verzichten. Der König wollte dann doch nicht schuld daran sein, einen Kanal ohne Wasser zu hinterlassen, dessen Bau so enorme Kosten verursacht hatte – wie es die Presse in der damaligen Zeit schrieb.

Der Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde berichtete: „Betreffend den Punkt der Müritz will der König fallen lassen, da auch die mecklenburgischen Stände vor Kurzem noch geltend gemacht haben, man solle das Gewässer doch laufen lassen, wohin es Gott und die Natur hingewiesen, nämlich, nach der Elbe zu und sollte diesen Fluss mit der Zeit schiffbar machen.“

Außerdem befürchtete Preußens König jetzt eine Überfüllung der Müritz, so dass es nach der Ableitung in die Havel zu Überschwemmungen auf brandenburgischem Gebiet hätte kommen können. Er versprach deshalb, die Ämter bis zum Jahre 1787 ohne die anfangs geforderte Gegenleistung zu räumen und die Husaren aus den drei Garnisonen zurückzuziehen. Im gleichen Jahr löste der Schweriner Herzog Friedrich Franz I. die verpfändeten Ämter für 172 000 Reichstaler wieder ein.

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