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Paramentenwerkstatt Ludwigslust : Für mehr Farbe im Kirchenraum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Paramentenwerkstatt im Stift Bethlehem in Ludwigslust fertigt liturgische Textilien

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2016 | 00:00 Uhr

Stift Bethlehem ist mehr als das Krankenhaus am Rande der Stadt. Seit vielen Jahrzehnten steht die Einrichtung für Nächstenliebe, Barmherzigkeit und ganz praktische Hilfe in der Not.

In diesem Jahr wird ein besonderes Jubiläum gefeiert. Vor 200 Jahren wurde die Begründerin des Stiftes, Helene von Bülow, auf Camin bei Wittenburg geboren. 1842 kam sie mit der Mutter nach Ludwigslust. Hier engagierte sich Helene von Bülow im „Armen- und Krankenbesuchskreis“ des Frauenvereins. In ihr keimte der Wunsch, den Bedürftigen zu helfen. Nachdem sie die Arbeit der Diakonissen studiert hatte, wollte sie das schlecht ausgestattete Hospital der Stadt verbessern. 1847 erwarb sie eine Büdnerei und baute sie zu einem Kinderhospital aus.

Später konnte mit der finanziellen Unterstützung von Großherzog Friedrich Franz II. der Ausbau des Hauses zur Diakonissenanstalt erfolgen. Im November 1851 weihte Superintendent Schliemann in Anwesenheit der „Allerhöchsten Herrschaften aus Schwerin“ das Krankenhaus ein. Es erhielt auf Wunsch von Helene von Bülow den Namen Stift Bethlehem. Am Einweihungstag wurde sie als Oberin bestätigt. Ihren ganzen persönlichen Besitz übergab sie einer Stiftung. Helene von Bülow führte das Stift unangefochten bis zu ihrem Tod 1890. Sie hinterließ ein modernes Sozialgefüge, das seinen festen Platz innerhalb Mecklenburgs gefunden hatte.

Unter dem Dach der Stiftung wurde 1907 eine Paramentenwerkstatt eingerichtet. Derartige Einrichtungen entstanden einst in Deutschland, um in die oftmals kargen evangelischen Kirchen etwas mehr Farbe zu bringen. Paramente sind Bestandteile der liturgischen Ausstattung des Kirchenraumes. Die Altartücher aus weißem Leinen sind für das Abendmahl bestimmt, Antependien hängen am Altar, der Kanzel und dem Lesepult. Sie weisen auf die liturgisch wichtigen Orte hin und sind zugleich ein schöner Schmuck für den Kirchenraum. „Hierbei spielen die wechselnden Farben des Kirchenjahres – grün, lila, weiß und rot – eine wichtige Rolle“, betont Christina Ritter.

Sie ist die Leiterin der Ludwigsluster Werkstatt und erklärt die Bedeutung der Farben: Grün ist die Farbe des Lebens und des Wachstums. An den Tagen nach Epiphanias bis zur Fastenzeit und nach Pfingsten bestimmt diese Farbe den Raum. Violett steht für Buße, Einkehr und Besinnung. Sie führt durch die Advents- und Fastenzeit. Weiß ist das Symbol für die Reinheit und Unschuld. Es gehört zu den Festen, die mit Jesus Christus zu tun haben, wie Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt. Rot symbolisiert die Flammen des Heiligen Geistes, das Blut der Märtyrer und die Farbe der Liebe. Rot prägt Palmsonntag, Karfreitag und Pfingsten, führt die ausgebildete Evangelische Paramentikerin weiter aus.

Ihre Ausbildung absolvierte Christina Ritter in Dresden. Neben der theologischen Theorie befasste sie sich dabei mit liturgischen Vorschriften und erlernte Handwerkstechniken wie Weben, Nähen, Sticken. „Es ist eine wunderbare, vielseitige Arbeit“, betont sie. „Wir verwirklichen die Wünsche einer Kirchengemeinde nach einer neuen Raumgestaltung. Wir beraten sie vor Ort, entwerfen Modelle und fertigen dann die Textilien.“ Es ist ein langer Prozess, der inhaltlich und gestalterisch von der Gemeinde mitgetragen wird – und der von der Idee bis zur Ausschmückung des Altars bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen kann.

Früher waren die liturgischen Textilien eher formal gestaltet mit sakraler Ornamentik. Heute können Christina Ritter und ihre Mitarbeiterin Angelika Wächter großzügig in der Farb- und Formgebung sein. Die textilen Objekte werden aus Naturmaterialien wie Schafwolle, Leinen, Baumwolle, Hanf und Seide gefertigt. Gold- und Silberfäden finden ebenso Verwendung. „Naturmaterialien sind durch ihre Eigenschaften besonders gut geeignet für Kirchenräume“, erzählt Christina Ritter. „Schafswolle z.B. kann große Schwankungen der Luftfeuchtigkeit regulieren. Sie kann relativ viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen.“ Die Wolle wird in der Werkstatt speziell eingefärbt, aber auch Leinenstoff gehört zum Angebot. Jener kann dann mit Applikationen oder Stickereien versehen werden. Alles ist Handarbeit und selbst die Webstühle stammen noch aus dem vergangenen Jahrhundert. Hieran weben die Mitarbeiter etwa drei Wochen an einem Parament in der Größe eines kleinen Handtuches. Somit werden in der Werkstatt hochwertige Unikate gefertigt – ein würdiger und einzigartiger Schmuck für den jeweiligen Kirchenraum.

Die Paramentenwerkstatt kann nach Anmeldung besichtigt werden. Am 13. November findet von 10 bis 17 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ statt.

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