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Heimische Tierwelt : Frechdachse im Garten unterwegs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die wenigsten Menschen haben die heimischen Dachse jemals live in der Natur gesehen

„Die Nahrung, die er am meisten liebt, nämlich Obst, Trauben, Wurzeln, Würmer, Schnecken, Puppen und dergleichen, ist derart, dass er, falls er sich mit ihr begnügte, wenn auch nicht gerade zu den nützlichsten, doch eher zu den unschädlichen, als zu den schädlichen Tieren gezählt werden kann.“ Diese Einschätzung des Dachses ist freilich antiquiert (Dietzels Niederjagd,1909). Solch eine pauschale Einordnung in schädlich und nützlich wird heute kein Jäger mehr akzeptieren.

Doch die Aufzählung der Nahrungsvorlieben des Dachses ist korrekt. Weil er so gerne Obst mag, ärgert sich so mancher Zeitgenosse. Mir passierte es im Garten, als des Nachts zur Reifezeit der Himbeeren der gesamte Bestand durch den Dachs niedergetrampelt wurde. Die Leckermäuler ernten, wahrscheinlich auf den Hinterbeinen stehend, ziemlich gründlich die reifen Früchte. Es sind eben Frechdachse.

Freilich ist das Nahrungsspektrum der Dachse weit größer, denn sie verschmähen auch Vogelgelege, Junghasen, junge Igel und andere Kleinsäuger nicht. Seine Lieblingsnahrung sind Regenwürmer und Engerlinge.
Obwohl der Dachs mit seinem schwarz-weiß gestreiften Kopf und dem breiten, stämmigen Körper auf kurzen Beinen kaum mit einem anderen heimischen Säugetier zu verwechseln ist, haben ihn die wenigstens Menschen schon gesehen. Er verbringt den größten Teil des Tages unter der Erde. Am ehesten sind Dachse tot am Straßenrand zu entdecken, denn der Straßenverkehr spielt bei den Todesursachen dieser Tiere eine große Rolle.

Neben den Menschen können höchstens Wolf und Luchs den Dachsen gefährlich werden. Bis zur Schwanzspitze wird er fast einen Meter lang und bringt zwischen 13 und 18 Kilogramm auf die Waage, wobei die Männchen schwerer sind als die Weibchen. Als gesellige Tiere leben Dachse in Familiengruppen zusammen.

Die Größe der Gruppe hängt stark vom jeweiligen Nahrungsangebot ab. Der Bau ist dabei das Zentrum der Familie, das von einem starken Männchen angeführt wird und auch den Bau gegen fremde Dachse verteidigt.

Der selbst gegrabene Bau kann einen Durchmesser von bis zu 30 Metern haben. Vom zentralen Wohnkessel führen einige Gänge nach außen. Anders als beim Fuchs wird der Kessel mit Farnen und Gras ausgepolstert. Im August ist die Hauptpaarungszeit der Dachse, wobei aber Paarungen auch in anderen Monaten zwischen Februar und Oktober stattfinden können. Im Bau gibt es eine besondere Wurfkammer, in der die zwei bis vier Dachsjunge zur Welt gebracht werden.

Bei schlechten Nahrungsbedingungen kann manchmal auch nur ein Junges geboren werden. Acht Wochen bleiben die Jungen in der Wurfkammer und werden in dieser Zeit von der Dächsin gesäugt. Fünf Wochen sind die Jungen blind. Weitere zwei Monate erkunden die Jungen die nähere Umgebung des Baues und erlernen die selbstständige Nahrungssuche. Anschließend werden sie von der Versorgung durch die Mutter entwöhnt.

Nur einige der Jungen bleiben dann bei der Gruppe, die anderen wandern im zweiten Lebensjahr ab. Wenn reichlich Nahrung vorhanden ist, entfernen sich die Dachse selten mehr als zwei Kilometer vom Bau. Während die Begasung von Dachsbauen, die bis in die 1970-er Jahre des vorigen Jahrhunderts durchgeführt wurde, den Dachsbestand damals stark dezimierte, wird der Dachs heute planmäßiger und umsichtiger bejagt. Erlegt werden pro Jahr in Deutschland etwas mehr als 50 000 Tiere.

Erich Hoyer

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